POLITIK
20/04/2018 08:19 CEST | Aktualisiert 20/04/2018 12:46 CEST

Gehört das Judentum zu Deutschland? Innenministerium blamiert sich

“Das müsste ich Ihnen nachreichen.”

  • Reporter Tilo Jung hat das Innenministerium mit der Frage konfrontiert, ob das Judentum zu Deutschland gehört
  • Was dann folgte, ist unwürdig
  • Im Video oben: Der Judenhass in Deutschland ist noch nicht verschwunden

Eigentlich ist es keine Debatte. Eigentlich dürfte es zumindest keine Debatte sein. Die Frage, wer oder was eigentlich zu Deutschland gehört, beschäftigt das Land trotzdem, seitdem CSU-Innenminister Horst Seehofer dem Islam ohne Not die Zugehörigkeit zu Deutschland abgesprochen hatte. 

Der freie Journalist Tilo Jung wollte deshalb auf der Bundespressekonferenz vom Innenministerium bereits vor rund zwei Wochen wissen, ob das Judentum – anders als der Islam – für Seehofer “zu Deutschland” gehöre. 

Die Frage, die ebenso sinnlos anmutet wie Seehofers Ausgangsbemerkung, wurde für das Innenministerium zu einer peinlichen Stolperfalle.

“Sie prüfen also noch, ob Juden zu Deutschland gehören?”

Am 6. April erklärte Sonja Kock, Sprecherin des Innenministeriums: “Das müsste ich Ihnen nachreichen.” 

Seehofer habe sich schon zur Genüge zu dem Sachverhalt geäußert, Zitate konnte die Sprecherin allerdings nicht anbringen und versprach, das nachzuholen.

12 Tage später, am Dienstag, hakte Jung nach: Denn bislang hatte er keine Antwort des Heimatressorts erhalten.

Dieses Mal erwischte er Sprecherin Annegret Korff völlig auf dem falschen Fuß. Sie druckste herum: ”Ähm, äh, ich habe Ihnen dazu nichts Neues mitgebracht. Da müssen Sie noch warten.”

Jung kam die Unsicherheit der Sprecherin gelegen. Er provozierte in seiner typischen Manier: “Sie prüfen also noch, ob das Judentum zu Deutschland gehört.”

Korff: “Wir müssen abwarten”

Korff antwortete: “Wir müssen abwarten, bis der Beauftragte in der Sache seine Arbeit aufnimmt.”

Das Innenministerium brachte es nicht fertig, im Namen Seehofers eine Solidaritätsbekundung mit den Juden in Deutschland zu formulieren.

► Erst später überlieferte die Sprecherin Jung in einer Mail eine Stellungnahme.

“Dass Deutschland geschichtlich und kulturell christlich-jüdisch und nicht islamisch geprägt ist, kann doch niemand ernsthaft bestreiten”, habe Seehofer so im März in der “Welt am Sonntag” gesagt.

(ben)