ELTERN
08/01/2019 14:52 CET

Das passiert mit den Gehirnen von Kindern, die gemobbt werden

Regelmäßige Schikane und Mobbing können sogar dazu führen, dass Gehirnregionen schrumpfen.

Rafael Ben-Ari via Getty Images
  • Dauerhaftes Mobbing kann bei Kindern zu einer Veränderung der Gehirnstruktur führen. 
  • Wissenschaftler konnten anhand von Gehirnscans nachweisen, dass Mobbing möglicherweise nicht nur psychische, sondern auch physische Schäden anrichtet. 

Mobbing ist eine traumatische Erfahrung, die das Leben von Betroffenen zur Qual machen kann. Wer als Kind gemobbt wurde, fühlt sich auch als Erwachsener häufiger einsam. Auch Ängste, Depressionen und andere psychische Erkrankungen können die Folge von Mobbing sein. 

Schikane und Demütigungen sind echte Verletzungen, die unter die Haut gehen und die einen Menschen tatsächlich sichtbar beeinträchtigen können. Wissenschaftlern des King’s College London ist es jetzt gelungen, die Folgen von Mobbing in der Gehirnstruktur und -größe von Jugendlichen nachzuweisen. 

Die Studie, die im Fachmagazin Molecular Psychiatry veröffentlicht wurde, belegt Veränderungen in der Gehirnstruktur von Heranwachsenden, die regelmäßig schikaniert worden sind und stellt damit einen logischen und greifbaren Zusammenhang zu psychischen Problemen der Betroffenen im Erwachsenenalter her. 

Mobbing lässt Teile des Gehirns schrumpfen 

Offenbar können regelmäßige Schikane und Mobbing sogar dazu führen, dass Gehirnregionen schrumpfen. Die Wissenschaftler um Erin Burke Quinlan entdeckten auf den Gehirnscans von Mobbing-Opfern, dass sie ein geringeres Volumen in der Caudate-Putamen-Region des Gehirns aufweisen als andere Jugendliche. Diese Veränderungen könnten erklären, warum diese Menschen im späteren Leben deutlich mehr Ängste haben als andere. 

Für die Studie wurden die Daten von 682 Jugendlichen aus England, Irland, Frankreich und Deutschland ausgewertet. Jeweils im Alter von 14 bis 19 Jahren wurden hochauflösende Gehirnscans der Teenager erstellt. Weiterhin mussten die Jugendlichen jeweils mit 14, 16 und 19 Jahren einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen, in dem sie unter anderem angaben, wie häufig und stark sie mit Mobbing konfrontiert worden sind. 

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Mobbing und psychischen Problemen

Die Ergebnisse zeigten, dass 36 der 682 Jugendlichen unter starkem Mobbing litten. Beim Vergleich der Daten dieser 36 Teenager mit allen anderen wurden nicht nur Veränderungen im Gehirnvolumen, sondern auch die Ausmaße von Depressionen, Ängsten und Hyperaktivität berücksichtigt. 

Die Ergebnisse sind alarmierend, denn wie eine PISA-Studie der OECD zum Wohlbefinden von Jugendlichen aus aller Welt aus dem Jahr 2017 zeigte, ist jeder fünfte Jugendliche mehrmals im Monat von Mobbing betroffen. In Deutschland ist es jeder sechste Schüler.  

Die Wissenschaftler des King’s College weisen darauf hin, dass die Pubertät nicht nur eine Zeit vieler neuer Erfahrungen und Reize ist, sondern auch eine Zeit extensiver Gehirnentwicklung. Sie betonen deshalb, wie wichtig es ist, auf jede Form von Mobbing prompt und angemessen zu reagieren, um Veränderungen in der Gehirnstruktur von Betroffenen zu verhindern. 

(ak)