LIFESTYLE
09/05/2018 17:57 CEST | Aktualisiert 09/05/2018 18:52 CEST

5 Paare: Wir haben seit Jahren großartigen Sex – so machen wir es

"Wir sind dankbar für unser Sexleben – aber wir sind leider die Ausnahme."

  • In vielen Beziehungen flaut das Sexleben nach einiger Zeit ab.
  • Paare, die nach Jahren des Zusammenseins immer noch ein tolles Liebesleben haben, haben uns ihre Tipps dafür verraten.

Sex ist für die meisten unverzichtbarer Teil einer glücklichen Beziehung. Trotzdem ist der statistische Zusammenhang von Langzeitbeziehungen und weniger Sex für viele Paare traurige Realität.

Eine Studie in den “Archives of Sexual Behavior” aus dem Jahr 2017 zeigt, dass Ehe- oder Langzeitpaare im Zeitraum von 1989 bis 2014 weniger häufig Sex hatten. Als hätten wir zynische Bindungsgestörten das nicht schon immer geahnt.

Klar, der Alltag steht oft im Weg und Prioritäten ändern sich, aber wird Sex wirklich weniger wichtig?

►  Wenn man diese fünf Paare fragt, nicht. Ihr Sexleben ist immer noch so aufregend wie in ihren heißen Anfangstagen.

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Hier lest ihr, wie Paare die seit zehn oder zwanzig Jahren zusammen sind, ihre Leidenschaft am Brennen halten. Wie oft sie wirklich noch Sex haben und welchen Rat sie Paaren geben, die gerade durch eine Dürreperiode gehen.

►  Einige Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert.

Michelle & Alison

►  Michelle und Alison, beide 35, sind seit 17 Jahren zusammen und seit acht Jahren verheiratet.

Hattet ihr immer gleich viel Sex in der Beziehung?

Mal viel, mal weniger. Danach wird es dann aber immer wieder intensiv. 

Wenn wir eine Dürreperiode hatten, nehmen wir uns wieder mehr Zeit für einander und versuchen wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.

Selbst wenn’s nur einmal paar Wochen sein sollte, fangen wir an wieder regelmäßiger Sex zu haben.

Wie?

Sexuelle Verspieltheit erhält den Funken am Leben. Meine Frau weiß, dass ich es liebe, gebissen, an den Haaren gezogen zu werden und so weiter.

Sie beißt mir dann einfach beiläufig in den Hals, auch wenn es nicht unbedingt zu Sex führt, weil es gerade Schlafens- oder Essenszeit ist. Das erzeugt Erwartungen und Spannung wie nichts anderes. Sie mag sanftes Kitzeln und Ins-Ohr-Flüstern.

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Wie definiert ihr “guten” Sex?

Ich glaub, dass hat sich über die Jahre verändert. Am Anfang unserer Beziehung hatten wir stundenlang Sex. Das ist jetzt einfach nicht mehr realistisch. Wir schwelgen immer noch darin, wie wunderbar unsere Beziehung am Anfang war.

► Aber erst kürzlich sagte meine Frau, dass sie den besten Orgasmus  überhaupt hatte.

Sheree & Doug

Sheree, 54 und Doug, 59, sind seit 34 Jahren zusammen

Wie habt ihr euch getroffen?

Er war mein Vorarbeiter in der Nachtschicht bei UPS. Ich habe LKWs abgeladen.

Hattet ihr immer gleich viel Sex in der Beziehung?

Wir hatten immer ein aktives und erfüllendes Sexleben. Die paar Dürreperiode, die wir hatten, waren wegen Krankheit, Depressionen oder dem Tod eines Familienmitglieds. Aber wir haben immer darüber geredet.

Ich will immer, dass er weiß, wie attraktiv er ist und wie sehr ich mich zu ihm hingezogen fühle. Es muss immer diese Flamme geben und der andere muss wissen, dass sie brennt. Auch wenn sie mal ein bisschen schwächer ist. 

Warum glaubt ihr wird Sex für manche Paare weniger wichtig?

Menschen, die glauben oder die dem Klischee folgen, dass Sex einfach ab einem bestimmten Punkt in der Beziehung endet, wollen nur nicht daran arbeiten.

Manchmal ist es auch Arbeit. Ich würde meinen Partner sogar belästigen oder anbetteln (im Ernst). Dadurch weiß Doug, wie sehr ich ihn noch begehre. Genau wie damals, als er in meinen UPS-Truck gestiegen ist. 

Welchen Rat habt ihr für solche Paare?

Es gibt keinen einfachen Weg zum gemeinsamen Glück. Gebt alles oder das Risiko, dass Leidenschaft verschwindet wird zu groß.

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Jessica & Robert

 Jessica, 46 und Robert, 45 sind seit 21 Jahren verheiratet.

“Das Besondere an unserer Beziehung ist, dass wir sexuell nicht exklusiv sind”, sagt Jessica der HuffPost. “Wir haben ein sehr aktives, glückliches Sexleben, nur wir zwei, aber wir haben auch Sex mit anderen Partnern.”

Gab es in eurer Beziehung schon Dürreperioden? Wie habt ihr sie überwunden?

Mein Mann litt an Depressionen und hatte später eine schlimme Rückenverletzung. Diese Zeit könnte man als “Dürreperioden” bezeichnen. Ich war zu Beginn meiner zweiten Schwangerschaft auch depressiv, aber Sex war da sowieso schon eher selten.

►  Mit einer Kombination aus Kommunikation, Transparenz und Selbstvertrauen kamen wir durch diese Zeit.

Das Problem, das aufkommen kann und wird ist Vertrauen: Vertraue ich meinem Partner, wenn er sagt, dass es nicht daran liegt, dass er mich nicht mehr begehrt? Glaube ich ihm das wirklich?

Die Frage können sich immer in der Beziehung stellen und sexuell nicht exklusiv zu sein macht es noch viel komplizierter.

Dürreperioden gab es (zum Glück) wenige und mit großen Abständen, aber es gab immer eine faktischen, messbaren Grund dafür.

Wir hielten es aber immer für weise, während einer Dürreperiode keinen Sex mit anderen zu haben. Um durch so eine Phase zu kommen, haben wir immer auch einen Kokon um uns gesponnen, unseren gemeinsamen Raum, unsere Blase, um uns neu zu erkundet.

Es ist eine anstrengende Aufgabe, die komplette Ehrlichkeit und blindes Vertrauen erfordert.

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Hattet ihr einfach so regelmäßigen Sex oder musstet ihr daran arbeiten?

Wir kamen mit Anfang zwanzig zusammen. Keiner von beiden hatte viel Erfahrung, vielleicht zwei oder drei Liebhaber vorher. Bevor ich mit meinem Mann zusammen gekommen bin, war ich in einer missbräuchlichen Beziehung. 

►  Kurz gesagt, der Sex war anfangs schwierig. Wir haben eine Weile gebraucht, um unseren Rhythmus zu finden. Aber als wir in hatten, gab es kein Zurück mehr!

Dazu kommt unser Lifestyle. Mittlerweile hatten wir beide mit vielen Menschen Sex und fühlen uns viel ungezwungener als früher.

Das zeigt sich auch, wenn wir im Bett sind, weil wir selbstbewusster sind, wenn es darum geht zu sagen, was wir beim Sex wirklich wollen und .

Was haltet ihr vom Klischee, dass Paare weniger Sex haben, wenn ihre Beziehung länger andauert?

Ich glaube, wo Rauch ist, ist auch Feuer - es muss also ein bisschen Wahrheit daran sein. Tatsächlich haben wir genug Freunde und Bekannte (Swinger und Nicht-Swinger), die darüber murren, also stimmt es wohl.

Eine Partnerschaft, ganz egal welcher Art, braucht Arbeit.

Partner verlieren sich in Kleinigkeiten, lästigen Pflichten, tausend Sachen, die nötig sind um auf Kurs zu bleiben. Leider treten persönliche Angelegenheit dann oft in den Hintergrund.

► Die Menschen vergessen, dass alle Beteiligten, sie selbst eingeschlossen, echte Menschen sind und kein unbelebter Gegenstand.

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Anne & Austin

Anne, 30, und Austin, 35, sind seit zehn Jahren zusammen.

Hattet ihr immer gleich viel Sex in der Beziehung?

Ja und nein. Wir haben Phasen, in denen wir jede Nacht Sex haben und Phasen, in denen wir einen Monat keinen hatten.

Es ist gleichbleibend unterschiedlich, wenn das Sinn ergibt. Unsere Kinder versuchen auch immer noch, sich nachts in unser Bett zu schleichen. Das ändert natürlich alles!

Schaut ihr zusammen Pornos oder macht sonst irgendwas, um die Beziehung wieder anzuheizen?

Nicht zusammen. Er schaut Pornos und ich finde das ok. Ehrlich gesagt merke ich es, wenn er Pornos geschaut hat. Es wirkt sich auf mich aus und er probiert neue Sachen mit mir aus.

► Es ist aufregend. Ich profitiere davon, deswegen ist es für mich ok.

Welchen Rat gebt ihr Paaren, die durch eine Dürreperiode gehen?

Keine Panik! Ernsthaft. Wir hatten schon monatelange Dürren. Meiner Meinung und Erfahrung nach ist das total normal.

Es gefällt euch vielleicht nicht, aber es ist normal! Das muss nicht heißen, dass irgendwas an eurer Beziehung nicht stimmt oder dass jemand betrügt oder was auch immer man so glaubt.

Das Leben erwischt manchmal auch die besten von uns. Ob du jetzt gestresst, zu beschäftigt oder einfach nur gemütlich geworden bist und nicht mehr den Druck spürst, die ganze Zeit etwas zu leisten, es geht vorbei.

Lily & Gary

 Lily, 50, und Gary, 56, sind seit 18 Jahren zusammen.

Welchen Rat gebt ihr Paaren, die durch eine Dürreperiode gehen?

Ich glaube, viele Leute nutzen die Ausrede “Ich bin zu beschäftigt” oder “zu müde”, um um den Sex herum zukommen. Eigentlich könnte mehr Sex einem aber dabei helfen, sich besser zu fühlen.

Für mein Selbstvertrauen hat es Wunder gewirkt, mich begehrt zu fühlen, genauso wie für meinen Mann.

► Ich sehe Intimität als eine andere Form von Kommunikation. Wir sind dankbar für unser Sexleben. Leider entgeht es uns nicht, wenn wir von anderen Paaren hören oder Artikel lesen, dass wir die Ausnahme sind.

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Hat sich eure Vorstellung von gutem Sex über die Jahre geändert?

Ja. Guter Sex ist nicht erzwungen und jeder Partner sollte dem anderen Genuss verschaffen wollen. 

► Wir haben nie einen Kurs besucht, aber ab und zu schauen wir Pornos.

Mein Mann hat mir mein erstes Toy gekauft. Ich bin von einer sehr konservativen Mutter erzogen worden. Da war Sexspielzeug undenkbar!

Und als Latina betrachtete ich sie als Affront gegenüber den Männern in meiner Kultur. Wie kann ich es als Frau wagen, mit irgendetwas anderem als meinem Mann Spaß zu haben?

Dieser Text erschein zuerst  bei HuffpostUS und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt.  

(ks)