NACHRICHTEN
29/08/2018 09:04 CEST

Gefährder bei "Markus Lanz": "So haben die Islamisten mich geködert"

"Man fängt mit einem harmlosen Video an ..."

ZDF/Markus Lanz/Screenshot
Eren Recberlik gilt noch immer als islamistischer Gefährder. 
  • Bei “Markus Lanz” berichtet ein islamistischer Gefährder, wie er in die Szene gekommen ist. 
  • Unter anderem gibt er Beamten und dem Internet die Schuld. 

Er bricht in Tränen aus, als er bei “Markus Lanz” alte Bilder von sich sieht. Als er die Worte hört, die er gesagt hat. Dass er “null Mitleid” mit Polizisten habe, die von Islamisten angegriffen wurden, zum Beispiel, auch von ihm.  

Eren Recberlik gilt als islamistischer Gefährder. Doch er hat den Ausstieg aus der gewaltbereiten Islamisten-Szene geschafft. Bei “Markus Lanz” ist Recberlik anzumerken, dass es ihm mit seiner Reue ernst ist. Aber auch mit der Islamisten-Szene, mit dem Hass, war es ihm ernst. 

“Wie kam es dazu?”, will der Moderator wissen. “Wie hat Pierre Vogel Sie gekriegt?” 

Der islamistische Prediger Pierre Vogel war einer von vielen Menschen, die Recberlik zu einer gewalttätigen Auslegung des Islams gebracht haben. 

“Der ist eben ein Kölner Junge”, sagt Recberlik. Vogel sei “cool und locker drauf”, wisse genau, wie er die jungen Leute für sich gewinnt. “Alles, was die jungen Leute möchten, hat er.” 

“Plötzlich schaut man sich Enthauptungsvideos an” 

Recberlik ist in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen. Seine Mutter brachte ihn mit 19 zur Welt, gab ihn dann ab, weil sie um die Welt reisen wollte. Recberlik wuchs bei Pflegeeltern auf, bis seine Mutter ihn mit 13 auf einmal wieder aus seiner Pflegefamilie entriss. 

Die Islamisten-Szene habe ihm Halt gegeben, sagt Recberlik. Aber auch dem Internet gibt er die Schuld für sein Interesse am islamistischen Terror. Wenn man sich ein Video anschaue, komme man in eine Spirale, schaue sich immer mehr Videos an. 

“Da wird einem ja immer wieder was Neues vorgeschlagen”, sagt Recberlik. “Man fängt bei einem harmlosen Video über den Islam an, landet dann im Irak bei Enthauptungsvideos.” 

Als er durch Kontakte zu extremen Anführern der Szene den Gefährder-Status bekam, versetzten Beamte den bis dahin Kleinkriminellen von der JVA in Iserlohn in eine neunmonatige Isolationshaft. “Das hat meinen Hass noch mehr geschürt”, sagt Recberlik über diese Zeit.

“Die JVA war wie eine Jugendherberge, eine tolle Zeit” 

Die JVA Iserlohn beschreibt er hingegen als “Jugendherberge”. 

“Das war eine echt tolle Zeit. Da haben wir viele Faxen gemacht, habe ich schöne Erinnerungen dran.” 

“Wollen Sie sagen, Sie haben es nicht ernst genommen?”, hakt Lanz nach. 

“Ja, das ging nicht.”

In der Isolationshaft sei er dann noch extremer geworden. Zum Ausstieg habe ihm vor allem der Fußball geholfen. 

“Ich habe gemerkt, dass ich Talent habe”, sagt Recberlik und strahlt. 

“Aber wer hat Sie endlich zum Umdenken gebracht?” 

“Eine Frau”, sagt Recberlik. “Bei anderen Leuten war es mir immer egal, was sie mir gesagt haben. Bei ihr habe ich angefangen, darüber nachzudenken.”

(jg)