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05/09/2018 13:16 CEST | Aktualisiert 06/09/2018 13:11 CEST

Frauen sollten wissen, was bei einer Geburt wirklich passiert

Ich sah Blut, spürte die Tränen und fühlte mich, als könnte ich jede Sekunde in Ohnmacht fallen.

Image taken by Mayte Torres via Getty Images
Vielleicht war ich naiv oder einfach glückselig ignorant, aber ich war definitiv keineswegs auf die Geburt vorbereitet (Symbolbild).

Ich habe nie wirklich über Geburtstrauma oder über die Wichtigkeit der Aufklärung nachgedacht – und niemals hätte ich mir vorstellen können, eine Fürsprecherin für solche Themen zu sein.

Aber meine eigene Erfahrung, die ich bei der Geburt gemacht habe, ließ mich erkennen, dass es einen bedauerlichen Mangel an der Bildung für Frauen im Bezug auf die Geburt gibt und wie sie wirklich ist – und es ist Zeit für eine ernsthafte Veränderung.

Meine Tochter Seren kam vor zweieinhalb Jahren auf die Welt und ich spüre immer noch die Auswirkungen der Schwangerschaft und Wehen.

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Ich wurde mit Streptokokken diagnostiziert

Die Wahrheit ist, dass eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und ein Geburtstrauma sehr, sehr üblich sind. Die Wehen können für Stunden andauern, sogar Tage – aber die körperlichen und psychologischen Auswirkungen können viel länger anhalten.

Meine Schwangerschaft verlief ziemlich normal, bis auf ein paar kleine Komplikationen, die aber nicht schlimm waren. Gegen Ende wurde ich zufällig mit Streptokokken der Gruppe B diagnostiziert.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, was das bedeutet. Ich hatte noch nie von dieser Infektion gehört und ich wusste nichts über die Auswirkungen und Risiken, die sie auf Neugeborene haben kann.

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Ich war nicht auf die Geburt vorbereitet

Mir wurde gesagt, ich müsste mir meine Sorgen machen, das Krankenhaus würde sich um alles kümmern.

Vielleicht war ich naiv oder einfach glückselig ignorant, aber ich war definitiv keineswegs auf die Geburt vorbereitet und all die anderen Geschehnisse, die sich damit entfalten würden.

Es gibt eine Kultur, in der schwangere Frauen nicht verängstigt werden sollen – und das ist ein Konzept, das ich nachvollziehen kann.

Doch die Wahrheit ist, dass Frauen keine Kontrolle über die Erfahrung der Geburt haben können, solange sie nicht gebildet und sensibilisiert werden.

Wehen verlaufen selten nach Plan

Ohne Vorbereitung kann es extrem überwältigend werden, wenn etwas schief geht – und das kann sehr oft passieren.

Die Wehen verlaufen selten nach Plan und in der Realität sind einfache, gut geplante Wehen eine Seltenheit. Darum ist Bildung der Schlüssel.

Während meiner Schwangerschaft und meinen Wehen hatte ich leider keine Bildung und kein Selbstvertrauen. Zwei Wochen nach dem eigentlichen Geburtstermin wurde meine Geburt eingeleitet.

Später sollten wir herausfinden, dass ich überempfindlich auf die Hormone reagierte, die dafür benutzt wurden.

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Ich schrie innerlich, doch keiner konnte mich hören

Das bedeutete, dass meine Wehen sehr intensiv waren, mit kleinen Pausen zwischen den Krämpfen. Ich musste fast durchgängig Höllenqualen ausstehen – und über Stunden hinweg. Als es Zeit wurde, zu pressen, war ich erschöpft.

Viel Entlastung bekam ich während meinen Wehen nicht, was ziemlich grausam erscheint. Mir wurde das Schmerzmittel Pethidin angeboten, doch darauf habe ich schlecht reagiert.

Ich erinnere mich daran, dass ich leblos dalag, ich fühlte mich paralysiert und versuchte, verzweifelt um Hilfe zu rufen. Ich konnte hören, wie jemand sagte, wie friedlich ich aussähe, doch im Inneren schrie ich.

Ich bereitete mich darauf vor, zu sterben

Als ich dann zur Geburtsstation gebracht wurde, war ich vollkommen außerstande alles zu bewältigen. Ich fühlte keine Erleichterung und hatte schreckliche Schmerzen.

Es fühlte sich an, als würde mein Bauch aufgerissen werden und ich hörte die Schreie auf der Station – ich erinnere mich, dass ich dachte, ich würde es nicht mehr schaffen. Ich erinnere mich, dass ich akzeptierte, dass das der Ort sein würde, an dem ich sterben werde.

Die Wehen waren sehr hart – dadurch ist es natürlich auch kein Wunder, dass das Baby in Not geriet.

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Ich kann die Narbe heute noch fühlen

Ich flehte meinen Arzt an, mir zu helfen. Wir haben in unserem Geburtsvorbereitungskurs Operativ-vaginale-Entbindung zwar besprochen, aber ich war nicht auf die Realität vorbereitet.

Ich spürte, wie der Arzt mit einer chirurgischen Schere an meiner Haut schnitt. Ich weiß, dass ich mich völlig geschlagen fühlte und total in Schrecken versetzt war.

Ich sah Blut, spürte die Tränen und fühlte mich, als könnte ich jede Sekunde in Ohnmacht fallen. Die Narbe kann ich nach knapp drei Jahren immer noch spüren.

Als mir die Ärzte endlich das Baby in die Arme legten, weinte ich. Aber ich war nicht glücklich, ich war erleichtert. So erleichtert, dass diese Tortur endlich vorbei war.

Ich träumte von der Geburt

Die folgenden Tage waren grauenvoll. Mein Partner durfte nicht bei uns über Nacht bleiben – ich fühlte mich alleine und verlassen. Ich zeigte Symptome der postnatalen Depression und PTBS auf.

Ich hatte Panikattacken und konnte kaum Atmen. Als ich ein paar Tage nach der Geburt endlich schlief, träumte ich von dieser Erfahrung.

Ich wachte schreiend auf, schrie nach Hilfe, suchte weinend nach Trost. Zu dieser Zeit dachte ich, ich wäre der einzige Mensch auf dieser Welt, der sich so fühlte. Und das Krankenhaus bot keine Unterstützung an.

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Dem Baby ging es schlecht

Wenige Tage später wurde das Baby sehr krank. Sie hatte sich eine Infektion eingefangen und ich wusste, sie kam von mir. Wir haben die falschen Antibiotika für die Streptokokken bekommen, darum ging es dem Baby jetzt sehr schlecht.

Ich gab mir selbst die Schuld und fragte mich, ob mein Partner mich auch beschuldigen würde.

Meine Tochter brauchte nun regelmäßig Antibiotika und bekam eine Infusion gelegt. Die Nadel sah in ihrer winzigen Hand so riesig aus. Sie musste so viele Tests und Prozeduren über sich ergehen lassen, um herauszufinden, was nicht stimmte.

Frauen müssen aufgeklärt werden

Der Klang ihrer Schreie während der Lumbalpunktion suchen mich bis heute noch heim.

Glücklicherweise hat sich ihr Zustand verbessert – doch als wir das Krankenhaus verließen, fühlten wir uns verändert und zerbrochen.

Jetzt teile ich meine Erfahrung, um darauf Aufmerksam zu machen. Und ich möchte Frauen dazu bringen, sich selbst während ihrer Schwangerschaft zu bilden.

Der Schlüssel, um die Kontrolle zu behalten und Selbstbewusstsein zu bekommen, ist Bildung.

 

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffPost UK und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und angepasst.

(nc)