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01/03/2018 17:02 CET | Aktualisiert 01/03/2018 22:39 CET

Ich wusste, ich würde bei der Geburt meines Kindes sterben – fast hätte ich recht behalten

Mein Baby würde überleben, ich jedoch nicht. Da war ich mir sicher.

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Kurze Nachforschungen hatten ergeben, dass meine Krankheit zu “inneren Blutungen“ und zum “Ableben von Mutter und Kind“ führen könnte.

Und genau das hätte auch eintreffen sollen. Mein Baby würde überleben, ich jedoch nicht. Da war ich mir sicher. 

Ich war mir zu einhundert Prozent sicher, dass ich die Geburt meines Kindes nicht überleben würde. Nein, ich war mir nicht einmal nur sicher, sondern wusste sogar, dass ich sterben würde.

Ich heiße Stephanie Arnold, und während meiner Schwangerschaft durchlebte ich seltsame, aber hoch detaillierte Vorahnungen, dass ich die Geburt unseres Sohnes nicht überleben würde.

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Die Schwangerschaft mit meinem Sohn war nicht meine erste. Ich hatte davor schon ein Kind bekommen, das mir während der Geburt keinerlei Probleme bereitet hatte, bis auf dass es ein wenig zu groß gewesen war, und ich deshalb nach 14-stündigen Wehen einen Kaiserschnitt bekam.

Todesängste vor dem Ende der Schwangerschaft 

In der zwanzigsten Schwangerschaftswoche wurde mir dann bei einer Ultraschalluntersuchung die Diagnose Plazenta previa gestellt (also eine Plazenta, die sich ungewöhnlich tief in die Gebärmutter eingenistet hat).

Obwohl mir Ärzte und Freunde versicherten, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, bekam ich schreckliche Angst. Dabei hatte ich nicht einmal nur Angst vor dem Unbekannten.

Im Gegenteil, ich wusste ja, was auf mich zukam – und durchlitt gerade deshalb Todesängste.

Kurze Nachforschungen hatten ergeben, dass meine Krankheit zu “inneren Blutungen“ und zum “Ableben von Mutter und Kind“ führen könnte. 

Mein Baby würde überleben, ich jedoch nicht. Da war ich mir sicher.

Ich rief sämtliche meiner Freunde, Ärzte und Krankenschwestern an, und erklärte allen, was mit mir passieren würde. Meine Ärzte untersuchten mich gründlich.

Einmal fuhr ich sogar zum Leiter der Gynäkologischen Onkologie des Northwestern Memorial Hospital in Chicago (eines der besten Krankenhäuser der Vereinigten Staaten) und flehte ihn regelrecht um Hilfe an:

“Sie sind die führende Autorität im Gebiet der Hochrisikooperationen an Fortpflanzungsorganen, deshalb bitte ich Sie, begleiten Sie meine Geburt und führen Sie eine Gebärmutterentfernung durch.“

Er sah mich an, als wäre ich verrückt geworden, verschrieb mir aber trotzdem eine Kernspintomographie, um mir die Angst vor der Geburt zu nehmen.

Meinem Ehemann war die Situation peinlich. Wieso sollten wir diesen grandiosen Chirurgen mit Lappalien davon abhalten, anderswo das Leben von Frauen zu retten?

Stillschweigend dachte ich: Und was ist mit meinem Leben?

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Die Stunde des Todes rückte unaufhaltsam näher

Sämtliche meiner medizinischen Untersuchungen waren negativ ausgefallen, doch das hielt mich nicht davon ab, auf Facebook seitenlange “Abschiedsbriefe“ zu veröffentlichen.

Freunde und Familie kamen zu dem Schluss, ich sei komplett übergeschnappt. Doch mir war egal, was sie von mir dachten.

Mir lief die Zeit davon, und die Stunde meines Todes rückte unaufhaltsam näher.   

Meine Tochter Adina war zu diesem Zeitpunkt fünfzehn Monate alt, und meine Stieftochter Valentina acht Jahre. Ich habe einen Ehemann, in den ich noch immer abgöttisch verliebt bin.

Ich brauchte mehr Zeit, mehr gemeinsame Momente. Ich wollte die verbleibende Zeit genießen, aber konnte die tickende Zeitbombe in meinem Körper nicht ignorieren.

Mir war vollkommen bewusst, dass mir zum Sammeln schöner Erinnerungen nur mehr zwei kurze Monate blieben. Oder machte ich mich nur selbst verrückt? 

Schweigen beim Beratungsgespräch mit der Gynäkologin

Meine Gynäkologin Dr. Levitt sah ein, dass mir die medizinischen Tests keine Erleichterung gebracht hatten, und schlug stattdessen ein Beratungsgespräch mit der Anästhesie vor.

Ich sprach mit der Ärztin Dr. Lim, deren Ausführungen sich allerdings kaum von dem unterschieden was ich zuvor schon gehört hatte, und mir deshalb kein Stück weiterhalfen.

Stattdessen fragte ich die Ärztin, komplett außer Atem und mit rasendem Herzen: “Das weiß ich doch alles… aber was passiert, wenn meine Gebärmutter reißt, wenn ich Blutungen bekomme, und mir Gebärmutter und Zervix entfernt werden müssen, wenn ich in den Operationssaal komme und euch dort unter dem Messer wegsterbe? Was dann?“.

Schweigen. (“Klassischer Fall: Durchgeknallte Schwangere“ muss sich Dr. Lim damals gedacht haben. Zumindest vermute ich das.)

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Und dann kam der Tag der Entscheidung. Der Tag der Geburt, der Tag meines Todes.

Die Entbindung war aufgrund der Plazenta previa für die siebenunddreißigste Schwangerschaftswoche geplant gewesen, doch “glücklicherweise“ begann ich schon in der sechsunddreißigsten Woche zu bluten und ließ mich ins Krankenhaus einliefern.

Jonathan nahm das erste Flugzeug aus New York, doch er würde die Entbindung verpassen – ich war vor Angst wie gelähmt.

Dann wurde ich in das Zimmer geschoben, in dem das Leben meines Sohnes beginnen und mein eigenes Leben enden würde.

Sekunden später tot

Meine letzte Erinnerung ist, wie die Ärzte einen gesunden, glücklichen Jungen entbanden. Sekunden später war ich tot.

In meinem Körper ereignete sich eine sogenannte Fruchtwasserembolie. Dabei treten Fruchtwasserzellen in den Blutkreislauf ein, was mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 40.000 auftritt und bei einer entsprechenden Allergie der Mutter zu einem anaphylaktischen Schock führen kann.

In den allermeisten Fällen führt ein solcher Schock zum Tod des Patienten. Auch ich war 37 Sekunden lang klinisch tot (asystolisch, also ohne Blutdruck oder Herzschlag).

“Zufälligerweise“ war ein Notfallwagen im Raum, mit dessen Hilfe die Ärzte mich wiederbelebten, doch dann fing ich an zu verbluten. Ein normaler Erwachsenenkörper hat 20 Bluteinheiten.

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Im Laufe der Operation erhielt ich Transfusionen von insgesamt mehr als 60 Einheiten der äußerst seltenen Blutgruppe 0, die wie durch ein “Wunder“ im Krankenhaus zwischengelagert waren.

Ein “Wunder“, dass, wie sich später herausstellte, darauf zurückzuführen war, dass meine Ärzte mir tatsächlich zugehört hatten.     

Dr. Lim erzählte mir später, sie hätte bei unserem Beratungsgespräch ein mulmiges Gefühl gehabt. Aus reinem Bauchgefühl hatte sie meine Akte als potentiellen Notfall markiert, und einen Notfallwagen und die dazugehörigen Blutkonserven angeordnet.

Nur dank der Intuition von Dr. Lim von bin ich heute noch am Leben. 

Doch die Komplikationen waren noch lange nicht vorüber. Die Blutung konnte nicht gestoppt werden, und Stunden später wurde der Leiter der Gynäkologischen Onkologie ins Krankenhaus zurückgerufen, um eine Notfall-Hysterektomie an mir durchzuführen.

Die Gebärmutterpathologie zeigte, dass sich eine Plazenta accreta gebildet hatte, eine tiefe Verwachsung von Blutgefäßen und anderen Teilen der Plazenta in der Gebärmutterwand, die bei der Kernspintomographie nicht erfasst worden war.

Sämtliche meiner Vorahnungen hatten sich erfüllt. Das war zu viel für mich. Nach einem Herzinfarkt, einem Nierenversagen, zahlreichen Bluttransfusionen und einem sechstägigen künstlichen Koma wachte ich endlich auf. Die Ärzte meinten, es wäre ein Wunder. Ich war benommen und verwirrt, und wollte nichts als eine Erklärung.

Die Überwindung des Traumas nach der Geburt

Ich besorgte mir einen weiteren Arzt, dieses Mal einen Regressionstherapeuten. Bei der Regressionstherapie werden Menschen mithilfe von Hypnose in traumatische Situationen zurückbefördert, in der Hoffnung, dass das Beiwohnen als Beobachter ihnen dabei hilft, den Schmerz des Traumas zu überwinden.

Ich hatte keine großen Hoffnungen, wollte es aber trotzdem auf einen Versuch ankommen lassen. Ich filmte meine Therapiesitzungen mit einer Videokamera.

Im Hypnosezustand sah ich, wo meine Ärzte gestanden hatten, welche Handgriffe sie taten, was nach meinem Herzstillstand geschah, wie ich intubiert wurde.

Ich sah, was im Krankenhausflur geschah, sah, was alle Beteiligten anhatten. Ich sah meine Tochter im Entbindungssaal, und sah die Geister bekannter und unbekannter Menschen.

Alles wurde auf Videoband festgehalten, wie ich schrie, wie ich krampfte, wie ich um mich schlug. 

Meinem Ehemann war das Video zu explizit, zu heftig, und er konnte es sich nicht bis zum Ende anschauen, obwohl auch er verzweifelt nach Erklärungen suchte.

“Wie kannst du dir denn sicher sein, dass das alles auch so passiert ist? Du könntest all das doch genauso gut in irgendeiner Grey’s Anatomy-Folge gesehen haben.“ Damit hatte er Recht. Ich zog nun alle Register. Schließlich gab es Zeugen.

Ich zeigte den Ärzten, die an diesem schicksalsschweren Tag zugegen gewesen waren, meine Videoaufnahmen. Mit Tränen in den Augen bestätigten sie mir die hundertprozentige Genauigkeit meiner Beschreibungen.

Dieser Moment veränderte mich, meinen Ehemann und meine Ärzte für immer. 

Vertrau deinem 6. Sinn

Ich bin schon immer ein sehr spiritueller Mensch gewesen, aber diese Erlebnisse haben in meiner Seele ein Feuer entfacht, das meinen vorherigen Glauben um Längen übertrifft.

Es ist, als sei der Vorhang des Zauberers von Oz gefallen, und ich könnte endlich mit Klarheit sehen. Eine Klarheit, die mir bis heute nicht abhandengekommen ist.

Wie Sherlock Holmes, der berühmte Charakter des Schriftstellers Arthur Conan Doyle, einmal sagte: “Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrigbleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.”

Ich werde mich für all diejenigen stark machen, deren Stimme kein Gehör findet. Ich werde auch weiterhin Vorträge an Kliniken, medizinischen Instituten und Universitäten halten, und auch weiterhin diejenigen aufzuklären versuchen, deren Intuition ein so mächtiges Werkzeug ist, die die Macht haben, zuzuhören, und die anhand dokumentierter Fallbeispiele verstehen müssen, dass es dort draußen Dinge gibt, die Medizin und Naturwissenschaften nicht erklären können.

Und du, lieber Leser, darfst lernen, auf deinen sechsten Sinn zu vertrauen. Es gibt ihn wirklich. Da bin ich mir sicher. Hör auf dein Bauchgefühl. Es könnte dir das Leben retten.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf HuffPost UK und wurde von Lukas Wahden aus dem Englischen übersetzt.