LIFE
03/08/2018 18:21 CEST

Arztfehler bei Geburt: Schwangere erlebt Kaiserschnitt ohne Betäubung

"Die Patientin schrie aus vollem Leib um Hilfe."

kieferpix via Getty Images
Internationalen Studien zufolge erfahren zwei Drittel aller Mütter bei der Geburt ihres Kindes Gewalt.
  • Ein Paar aus dem US-Bundesstaat Kalifornien hat das Krankenhaus verklagt, in dem sein Kind zur Welt kam.
  • Laut Anklageschrift führten die Ärzte bei der Frau einen Kaiserschnitt ohne Betäubung durch.

Es ist eine absolute Horror-Vorstellung: Du liegst auf dem OP-Tisch und der Arzt setzt das Skalpell an, obwohl die Betäubung noch nicht angefangen hat, zu wirken. Oder noch schlimmer – obwohl du gar keine Betäubung bekommen hast.

So soll es im Fall der Amerikanerin Delphina Mota gewesen sein. Die 25-Jährige und ihr Verlobter haben Anklage gegen das Tri-City Medical Center im US-Bundesstaat Kalifornien erhoben.

► Mota wirft den Ärzten Pfuscherei vor, wie das Portal “Buzzfeed” berichtet. 

Kaiserschnitt ohne Anästhesie 

Da der Geburtstermin im November 2017 überfällig war, sei die junge Frau in der 41. Schwangerschaftswoche von ihrem Mann ins Krankenhaus gebracht worden. Das Paar hatte offenbar gehofft, dass die Geburt eingeleitet werden würde. 

Einige Stunden später hätten die Ärzte jedoch keinen Herzschlag bei dem Kind gefunden. Sie rieten Mota dazu, einen Not-Kaiserschnitt durchzuführen, berichtet "Buzzfeed" und bezieht sich dabei auf die Anklageschrift.

Die werdende Mutter sei in den OP gebracht, der Anästhesist kontaktiert worden – allerdings reagierte dieser nicht auf seinen Pager.  

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, habe Motas Ärztin, Sandra Lopez, daraufhin beschlossen, den Kaiserschnitt ohne jegliche Betäubung durchzuführen. 

Mutter schrie aus vollem Hals um Hilfe 

“Schnallt sie fest”, habe Lopez das OP-Team angewiesen.

Nachdem Motas Arme und Beine an den Tisch geschnallt worden waren, habe die Ärztin das Skalpell angesetzt.

“Die Patientin schrie aus vollem Hals um Hilfe”, heißt es in der Anklageschrift. 

“Sie flehte die Ärzte an, sie nicht weiter aufzuschneiden, da sie noch alles spüren könnte.”

Doch Lopez fuhr damit fort, die Bauchdecke der jungen Frau zu durchtrennen.

Auch ihr Verlobter, der an der Tür zum OP gestanden habe, hätte versucht, einzugreifen. Er sei jedoch von Mitgliedern des OP-Teams aufgehalten worden.

► Schließlich sei die schwangere Mota vor lauter Schmerzen ohnmächtig geworden, berichtet “Buzzfeed”.

Mota und ihr Verlobter fordern nun fünf Millionen Dollar Schadensersatz vom Tri-City Medical Center. Ihrer Tochter Cali, die heute sieben Monate alt ist, gehe es bestens, sagte das Paar gegenüber der Zeitung Los Angeles Times.

Gewalterfahrungen bei der Geburt sind keine Seltenheit

Internationalen Studien zufolge erfahren zwei Drittel aller Mütter bei der Geburt ihres Kindes Gewalt. Auch in Deutschland.

Der Stiftung “Roses Revolution”, die diese Problematik an die Öffentlichkeit tragen will, wurden – allein im Jahr 2017 – 174 verschiedene klinische Geburtshilfestationen in Deutschland gemeldet, wo Frauen bei der Geburt ihres Kindes Gewalt ausgesetzt waren.