POLITIK
03/06/2018 10:00 CEST | Aktualisiert 03/06/2018 13:20 CEST

Gauland-Rede: Der Blick in die internationale Presse ist beschämend

HuffPost-These.

Im Video oben: Schulz nennt Gauland “Schande für den Bundestag“ – der rechtfertigt seine Nazi-Aussage

Es ist das vielleicht unrühmlichste Kapitel in einem Buch voller unrühmlicher Geschichten. AfD-Chef Alexander Gauland hat sich mit einer unmissverständlichen Bagatellisierung der NS-Verbrechen einen Tabu-Bruch geleistet, der sogar für die Rechtspopulisten beispiellos ist.

Gauland sagte bei einer Veranstaltung der AfD-Jugend in Thüringen: “Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.”

Auch wenn die AfD nun versucht, den Satz ihres Fraktionsvorsitzenden umzudeuten, betont, Gauland habe auch gesagt, man bekenne sich zur Verantwortung für die eigene Geschichte, war diese Rede fatal und unentschuldbar.

Wer den Massenmord an Millionen Juden, das Intrümmernlegen eines ganzen Kontinentes, einen Krieg mit über 50 Millionen Toten und das Zerschlagen der zivilisatorischen Gesellschaftsordnung als “Vogelschiss” bezeichnet, ist nicht nur emotional stumpf und historisch unsensibel, sondern eine potenzielle Gefahr für Verfassung und Rechtsstaat.

Mehr zum Thema: ARD-Journalist fordert Talkshowverbot für Gauland

Ein Blick in die internationale Presse zeigt zudem, dass Gauland mit seiner revisionistischen Deutschland-Folklore die Außenwirkung des Landes nachhaltig schädigt. Überall, in den USA, in Großbritannien, der Türkei, in Israel und Malta, schreiben die Zeitungen und Nachrichtenseiten an diesem Sonntag über den ultrarechten Parteichef und seine nur schwer erklärbare Entgleisung.

Google / Screenshot

Man wünscht Gauland, einen Holocaust-Überlebenden zu treffen

Welches Bild gerade in aller Welt von der doch eigentlich Offenheit und Fortschritt zugewandten Bundesrepublik entsteht, will man gar nicht recht zu Ende denken.

Deutschland sollte sich schämen. Für diesen Mann. Für alles, für was er steht. Dafür, dass so etwas noch einmal passieren konnte.

Gauland sollte sich schämen. Doch das wird nicht passieren.

Denn selbst der Gedanke an das Dritte Reich scheint diesen Mann nicht mit Reue oder Scham zu erfüllen. Diesen Mann, dem man wünscht, er würde einmal einen Holocaust-Überlebenden treffen – und ihm dann erklären müssen, sein Leiden wäre doch nur ein “Vogelschiss” gewesen gegen Bismarck und Goethe.  

Das Internationale Auschwitz-Komitee erklärte am Samstag: “Für Auschwitz-Überlebende wirken die kühl kalkulierten und hetzerischen Äußerungen Gaulands nur noch widerlich.”

Es ist noch milde formuliert. 

Die AfD macht Politik zum Ekel-Kabinett, macht Menschlichkeit zur Verhandlungsmasse. Wer einem Mann wie Gauland folgt, wird immer auf der falschen Seite der Geschichte stehen. 

(ame)