POLITIK
09/10/2018 20:44 CEST | Aktualisiert 10/10/2018 13:00 CEST

Gauland-Text ähnelt Hitler-Rede – Historiker geißeln den AfD-Chef

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Im Video oben: “Das ist die Sprache Hitlers” – so resümieren Wähler die AfD und ihre Rhetorik nach einem Jahr im Bundestag. 

► Namhafte Historiker haben AfD-Chef Alexander Gauland vorgeworfen, in einem Zeitungsbeitrag für die “FAZ” Duktus und Argumentation einer Rede Adolf Hitlers übernommen zu haben.

► Der Zeithistoriker Michael Wolffsohn sagte dem Berliner “Tagesspiegel”: “Es ist schlimm, dass Gauland seinen gebildeten Anhängern signalisiert, dass er Rede und Duktus Hitlers kennt und dass er die gegen die Juden gerichteten Vorwürfe Hitlers nun auf die Gegner der AfD von heute überträgt.“

CHRISTOF STACHE via Getty Images
AfD-Chef Alexander Gauland

► Wer die Hitler-Rede dagegen nicht kenne, dem juble Gauland “Adolf Hitler light” unter.

► Der Antisemitismus- und NS-Forscher Wolfgang Benz kritisierte im „Tagesspiegel“, Gaulands Text sei “ganz offensichtlich eng an den Hitlers geschmiegt”

Was Gauland geschrieben hat:

Gauland hatte am Wochenende in seinem Gastbeitrag zum Thema Populismus die angebliche Heimatlosigkeit der Eliten angeprangert. Eine “globalistische Klasse” gebe kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder fühlten sich in einer abgehobenen Parallelgesellschaft als Weltbürger, schrieb der AfD-Politiker.

Ihnen gegenüber stünden “diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen”

Adolf Hitler hatte in seiner Siemensstadt-Rede 1933 gegen “eine kleine, wurzellose, internationale Clique” Front gemacht, die überall und nirgends zu Hause sei, heute in Berlin lebe und morgen in Brüssel. Das Volk aber könne ihnen nicht nachfolgen, es sei “gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation”.

Gauland selbst wies die Anschuldigungen zurück. „Ich kenne keine entsprechende Passage von Adolf Hitler“, sagte der AfD-Chef dem “Tagesspiegel”. 

Darum ist die Debatte um die Ähnlichkeit von Gaulands Artikel zur Rede Hitlers wichtig:

Es ist alles andere als das erste mal, dass Gauland mit pikanten Bezügen zur NS-Zeit auffällt:

► Bei einer Wahlkampf-Rede am 22. September in Frankfurt-Oberrad sagte Gauland: “Wir haben kein Interesse daran, Menschheit zu werden. Wir wollen Deutsche bleiben.” Der Satz ähnelt extrem einer Aussage des Publizisten und Verlegers Theodor Fritsch. Der schrieb in seinem antisemitischen “Handbuch der Judenfrage”: “Was nicht ‘Mensch’ werden, sondern Deutscher bleiben wollte, verfolgte Marx mit ingrimmigem Haß.” 

► Am 6. Juni erklärte der AfD-Chef bei einem Treffen der Jungen Alternative (JA) in Seebach in Thüringen: “Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.

► Gauland hatte zudem bereits im Bundestagswahlkampf über die NS-Zeit gesagt: “Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen.”

UPDATE, 10. Oktober:

► In der Diskussion um Parallelen zwischen einem Text von AfD-Chef Alexander Gauland in der “FAZ” und einer Rede von Adolf Hitler meldet sich nun AfD-Sprecher Christian Lüth zu Wort.

► Lüth suggerierte bei Twitter, Gauland habe nicht bei Hitler abgeschrieben, sondern viel eher bei der Berliner Zeitung “Tagesspiegel”. Lüth bezog sich dabei auf einen Artikel aus dem Jahre 2016 mit dem Titel “Die Globale Klasse - Eine andere Welt ist möglich – aber als Drohung”.

Alles dazu: