LIFESTYLE
11/01/2018 15:57 CET | Aktualisiert 11/01/2018 16:24 CET

Junger Anwalt gesteht: Ich hatte Spaß daran, Frauen psychisch zu misshandeln

"Ich isolierte sie von denen, die ihr die Wahrheit hätten sagen können."

  • Einige Menschen zerstören mit Absicht das Selbstbewusstsein ihrer Partner – dieses Phänomen nennt sich Gaslighting
  • Auch der junge Anwalt Grag bediente sich dieser Methode und schildert, wie er seine Ex-Freundinnen gezielt manipulierte
  • Im Video oben berichtet eine Frau: “Ich habe mich geschämt, dass ich mich so erniedrigen ließ”

Gaslighting macht Menschen kaputt. Der Begriff steht für eine Form von psychischem Missbrauch. Die Opfer werden gezielt manipuliert – so lange, bis ihr Selbstbewusstsein zerstört ist.

Das hat auch Vanessa Freitag durchleben müssen. In einem Gastbeitrag für die HuffPost beschreibt sie, wie schrecklich es war, von dem eigenen Partner auf diese Weise missbraucht zu werden.

► Doch was denkt ein Mensch, der seinem Partner so etwas Schreckliches antut?

Einblicke in die Psyche eines Gaslighters gibt ein junger Anwalt namens Grag in einem Interview mit der britischen BBC. Er gesteht, was er vielen Frauen angetan hat.

Doch Grag scheint mittlerweile zumindest teilweise verstanden zu haben, dass sein Verhalten für die Frauen grausam war. Denn nun will er Menschen vor potenziellen Tätern wie ihm warnen. Denn es gibt Anzeichen, die in einem frühen Stadium helfen können, solche Maschen schneller zu durchschauen.  

“Blicke ich heute zurück, ist mir klar, dass ich bei vielen Frauen Gaslighting angewandt habe und sie dadurch immer mehr ihre eigene Realität hinterfragt haben”, sagt der 28-Jährige der BBC, der mittlerweile eine Therapie begonnen hat.

Er betrog seine Ex-Freundin – dann manipulierte er sie, damit der Betrug nicht auffliegt

Grags erstes Opfer war seine Ex-Freundin Paula. Die vier Jahre ältere Master-Studentin beschreibt Grag als sehr intelligent. Sie hätte schnell herausfinden können, dass ihr Partner sie betrügt – was Grag zu der Zeit auch tat.

Also musste er sich etwas einfallen lassen, damit sein Betrug nicht auffliegt. Ihm war klar, dass sie in sozialen Medien Spuren finden würde, die zu der anderen Frau führen.

Also versuchte er gezielt, Paula vom Computer fernzuhalten. Er unterstellte ihr, sie sei süchtig nach dem Internet. Er redete ihr das solange ein, bis sie ein immer schlechteres Gewissen bekam – und Schuldgefühle. “Irgendwann glaubte sie mir”, sagt Grag.

Anderen Menschen glaubte sie dafür immer weniger. Dank Grag. Er fing an, andere Frauen schlecht zu machen – auch Freundinnen von Paula, mit denen er eine Affäre hatte.

“Ich isolierte sie von denen, die ihr die Wahrheit hätten sagen können.”

Irgendwann ging die Beziehung zwischen Paula und Grag in die Brüche, der junge Anwalt blieb aber nicht lange alleine. Bis heute hatte er elf feste Beziehungen.

Auch bei anderen Frauen bediente er sich der ekelhaften Masche des Gaslightings.

Nicht nur unsichere Frauen fielen auf Grag rein

“Ich kann nicht bestätigen, dass nur verletzliche oder unsichere Frauen empfänglich für Gaslighting waren”, sagt Grag. Ihm gelang es, auch selbstbewusste Frauen zu manipulieren. “Darunter waren auch erfolgreiche Frauen.”

Eins ist dem Kanadier wichtig, sagt er: Er sei niemals aggressiv oder gewalttätig gegenüber seinen Ex-Freundinnen gewesen. “Es hätte also nichts gegeben, was diese Frauen davon abgehalten hätte, mit mir Schluss zu machen. Aber keine von ihnen hat das jemals getan.”

Der junge Anwalt will sich ändern

Es gab keinen speziellen Auslöser, der Grag klargemacht habe, dass sein Verhalten falsch war. Irgendwann aber habe es ihn einfach “müde” gemacht. Geheilt sei er noch nicht, sagt er. Aber er hofft, dass er auf dem richtigen Weg ist.

(ks)