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14/02/2018 13:45 CET | Aktualisiert 14/02/2018 13:45 CET

Ganz klar: Warum wir heute den Instinkt für das Richtige nicht verlieren dürfen

 

„Damit wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen können, muss auch etwas im Bauch drin sein – und zwar Vorwissen und Erfahrungen.“ Henning Beck, Neurobiologe

Als Bauchgefühl stellt die innere Stimme eine Orientierung in einer gemeinsamen Welt dar und unterstützt uns darin, den Instinkt dafür nicht zu verlieren, was richtig ist. In einem Doktorandenseminar an der Stanford University sagte Apple-Gründer Steve Jobs, nachdem bei ihm Leberkrebs diagnostiziert worden war: „Lassen Sie nicht zu, dass Ihre innere Stimme in den Stimmen anderer untergeht. Und was am wichtigsten ist: Haben Sie den Mut, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen.” Sein Bauchgefühl hat ihn nie im Stich gelassen. Auch Wladimir Klitschko sagte nach seinem Karriereende als Boxer, dass er immer auf seinen Bauch gehört hat.

Aber warum gehört für den Managementvordenker Prof. Fredmund Malik „Bauchgefühl“ zu den „gefährlichen Managementwörtern“, die richtiges Verstehen und vernünftige Kommunikation erschweren, und die Ursache von „fehlgeleiteten Erwartungen und falschem Verhalten von Menschen in Organisationen“ sind? Die Antwort ist simpel: Weil das Wort häufig genauso schlampig und unreflektiert verwendet wird wie „Management“ oder „Leadership“.

Wann immer Klitschko von seinem Bauchgefühl spricht, erwähnt er im Nachgang noch einen entscheidenden Aspekt: Er verließ sich grundsätzlich auf seine Erfahrungen und sein Wissen, das er über die Jahre gesammelt hatte, seine Expertise. Gesammeltes Erfahrungswissen ist das Fundament von Intuition (lat. intuitio, etwas unmittelbar ansehen), die zur Erkenntnis der Dinge führt, ohne dass man sich bewusst wird, „wie” sie erkannt werden. Laut Duden ist sie „das unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, erfassen eines Sachverhalts oder eines komplizierten Vorgangs“. Allerdings bestätigen neuere Studien, dass Intuition nur in jenen Bereichen wirklich treffsicher ist, in denen wir über viel Erfahrung verfügen. Unsere Komplexitätsgesellschaft macht heute vieles unvorhersehbar. Das bereitet vielen Menschen - wie zahlreiche neurowissenschaftlichen Forschungen belegen - mehr Angst als das „Negative”, das sie sich „ausmalen” können und dadurch scheinbar mehr Kontrolle haben. Wenn es jedoch ums Unbekannte geht, sind sie häufig hilflos, weil es an Wissen und Erfahrungen fehlt. Dadurch schwindet auch die Verlässlichkeit der Intuition als Mittel der Beurteilung.

Erfahrung ist heute eine der wichtigsten Ressourcen – darauf verweist auch Malik: „Erfahrene Führungskräfte können komplexe Sachverhalte schneller erfassen und geistig durchdringen als unerfahrene.“ Sie haben oft einen großen Vorrat an Erfahrungswissen, auf dem sie aufbauen können. Der inneren Stimme (Intuition) gibt er deshalb eine andere Position im Entscheidungsprozess - als Prüfstein des Denkens:

Intuition soll nicht am Anfang eines Entscheidungsprozesses stehen, sondern an dessen Ende.

Weiterführende Literatur:

Fredmund Malik: Gefährliche Managementwörter. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2017.

Wladimir Klitschko (mit Stefanie Bilen): Challenge Management. Was Sie als Manager vom Spitzensportler lernen können. Mit einem Nachwort von Arnold Schwarzenegger. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2017.

Alexandra Hildebrandt: Kopf oder Bauch? Wie wir heute die richtigen Entscheidungen treffen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle 2017.