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18/01/2019 12:57 CET | Aktualisiert 19/01/2019 10:30 CET

"Game of Clones" zeigt Sex vor Kamera – das ist nicht das Schlimmste an der Show

Die antifeministischste Entscheidung, die RTL2 in letzter Zeit gefällt hat.

Screenshot / RTL2
Sechs (nahezu) identische Frauen treten bei "Game of Clones" gegeneinander an, um einen Mann von sich zu überzeugen
  • Wer denkt, dass “Naked Attraction” die schlimmste Datingshow aller Zeiten ist, hat “Game of Clones” noch nicht gesehen.
  • Die Show ist das menschenverachtendste und antifeministischste Konzept, das RTL2 je ausgeklügelt hat – und das heißt etwas.

Beruflich wie privat habe ich mir schon viele Dating-Trash-Formate angetan und dachte, ich hätte mittlerweile so ziemlich alles gesehen: Bei “Adam sucht Eva” haben sich Nackedeis auf einer Insel gesucht und teils auch gefunden und bei “Love Island” gab es neben seltsamen, perversen Showspielen auch Sex unter der Bettdecke. 

Im Kontrast zu “Schwiegertochter gesucht”, sämtlichen “Bachelor”-Formaten und “Bauer sucht Frau” schien lange Zeit allerdings “Naked Attraction” den Gipfel des Datingshow-Grauens unangefochten erklommen zu haben. 

In der RTL2-Sendung bewerten Kandidatinnen ihre potentiellen Dating-Partner anhand ihrer nackten Geschlechtsteile und erlauben ihnen erst zu sprechen, wenn auch das Gesicht dazu passt.

► Was an Oberflächlichkeit und Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen schien, überbietet der Sender nun aber mit  “Game of Clones”.

“Game of Clones” soll zeigen, ob Aussehen oder Charakter wichtiger ist

In der vergangenen Woche startete mit dem Dating-Format die wohl oberflächlichste und menschenverachtendste Show, die es bisher im deutschen Fernsehen gegeben hat – und das heißt etwas.

Der Sender verkauft das Prinzip pseudowissenschaftlich so:

“Aussehen oder Persönlichkeit – was ist wichtiger beim Traumpartner? Diese Frage muss sich jeweils ein Single in der einzigartigen Datingshow stellen”. 

Diese Beschreibung ist allerdings ein Widerspruch in sich. Denn die potentiellen Dating-Partner sehen allesamt komplett identisch aus, weshalb allein das schon die Frage beantworten sollte, was für den Single, der nach einem Partner sucht, wichtiger ist: Überraschung, es ist das Aussehen!

Denn für den sogenannten “Picker” kommt ja gar keine andere Optik des Traumpartners in Frage, als die des Avatars, den er am Anfang am Computer erstellt hat. Dort wählt der Kandidat Haarfarbe, Körperbau, Gesicht und sogar die Körbchengröße seines perfekten Partners aus.

Screenshot / RTL2
Am Computer erstellt sich Marco seine Traumfrau mit den "perfekten Brüsten"...

RTL2 demütigt mit “Game of Clones” alle Teilnehmer

Eine Datingshow zu konzipieren, in der die Teilnehmerinnen nach der Größe ihrer Brüste vorsortiert werden, ist wohl die antifeministischste Entscheidung, die RTL2 in letzter Zeit gefällt hat

Als wäre das alles nicht schon entwürdigend genug, müssen die Frauen auch noch die exakt gleichen Outfits tragen, sich die Haare genau gleich stylen und auch das gleiche Make-Up inklusive überlanger Fake-Wimpern auftragen. Dazu bekommt natürlich jede ein Namensschild, damit der “Picker” nicht den Überblick verliert, wem er jetzt schon alles die Zunge in den Rachen gesteckt hat und wem noch nicht.

Denn statt dem Kriterium des Charakters scheint er eher danach auszusortieren, wer die beste Zungenakrobatik vorweist und ihn auch im Bett überzeugt. Je billiger sich ein Klon präsentiert, desto besser!

Screenshot / RTL2
Wie wichtig Marcus Sexualität ist, bewies er mit Kandidatin Jasmin vor laufender Kamera.

Für Marco ist “Sexualität sehr wichtig”...

Der “Picker” (wer auch immer sich diesen Namen ausgedacht hat, sollte gefeuert werden) wohnt nämlich vier Tage lang mit den sechs “Klonen” im selben Haus und wählt dann aus, welche Frau ihm am besten gefällt. 

Marco ließ dabei in der vergangen Folge nichts anbrennen. Schon zu Anfang stellte er klar: “Sexualität ist mir sehr wichtig und ich bin da auch sehr offen und... experimentierfreudig.” Ah ja. 

Screenshot / RTL2
Marco und "Klon" Jasmin 

 ...und beweist das auch schnell vor laufender Kamera

Marco schaffte es dann auch schon im ersten Gespräch mit Klon Stefanie nach wenigen Minuten seine Zunge gekonnt in ihrem Mund zu versenken. Mit Jasmin ging er sogar noch weiter und vergnügte sich in seinem Bett vor laufender Kamera mit ihr unter der Bettdecke. 

Letztlich sollte er im Finale dann auch genau zwischen diesen zwei Kandidatinnen wählen – und entschied sich für Jasmin. Grund waren ganz sicher ihre inneren Werte und nicht die Tatsache, dass er zuvor mit ihr im Bett war und sie vor der Entscheidung für ihn Poledance getanzt hat.

Ähnlich grausam wie die Show war übrigens auch die Quote der zweiten Folge. Mit 0,37 Millionen Zuschauern sahen gerade einmal 2,6 Prozent der Zielgruppe zu.

Die bleiben dann wohl doch lieber bei Formaten wie dem “Bachelor”, wo die Frauen eher durch Zufall gleich aussehen und nicht, weil Andrej Mangold sie zuvor wie Sims am Computer erstellt hat. 

(kiru)

Screenshot / RTL2
Marco und "Klon" Stefanie.