POLITIK
16/04/2018 16:04 CEST

Universität Bonn: Gabriel wird ausgebuht – dann bringt er den Saal zum Lachen

Er reagierte souverän.

  • Bei einer Rede an der Universität Bonn wurde der frühere Außenminister Gabriel mehrmals von Demonstranten unterbrochen 
  • Der reagierte gelassen – und erntete damit einige Lacher
  • Im Video oben seht ihr Gabriels Auftritt

Es ist eine Szene, die viele Redner aus dem Konzept bringen würde. Nicht so den früheren Außenminister Sigmar Gabriel.

Während eines Auftritts an der Universität Bonn unterbrachen ihn Demonstranten mehrmals, unter anderem auch mit Buhrufen.

Gabriel hatte gerade mit seiner Antrittsvorlesung zum Thema “Deutschland in einer unbequeme(re)n Welt – die deutsche Europa- und Außenpolitik vor neuen Herausforderungen” begonnen. In diesem Semester wird der Politiker als Gastdozent an der Universität in Bonn lehren.

Flugblätter fliegen durch den Hörsaal

Im Fernsehen war bei der Vorlesung zu sehen, wie dann Flugblätter in die vorderen Reihen der Zuhörer flogen.

Der SPD-Politiker sagte: “Sie müssen sich jetzt umdrehen, die hängen da ein Plakat zu Israel raus. Wenn sie sich das nicht anschauen, sind die enttäuscht.”

Die Studenten im Saal lachten. Auch einige Rufe waren zu hören.

Auf dem Plakat ist zu lesen: “Gegen Iran-Siggi. Für Israel.”

Der Hintergrund: Gabriel hatte als Wirtschaftsminister mehrfach den Iran besucht, was für Kritik gesorgt hatte.

Gabriel verteidigte Merkel

Als Antwort auf die Proteste sagte Gabriel: “Es gibt wenige Länder, zu denen ich so ein enges Verhältnis wie zu Israel habe.” Er wies unter anderem auch auf seinen verstorbenen Vater hin, der bis zu seinem Lebensende ein ”überzeugter Nationalsozialist” gewesen sei. Auch gebe es in der Familie seiner älteren Tochter Menschen, die im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben kamen.

Wer in einer Familie mit Auschwitz-Opfern lebe, sagte Gabriel, der könne nur ein intensives Verhältnis zu Israel haben.

“Hören Sie mal zu”

Als Gabriel dann den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte, wonach der Schutz und die Sicherheit Israels zur Staatsräson Deutschlands gehörten, wurde er wieder durch Rufe unterbrochen. 

Wieder reagierte Gabriel gelassen. “Hören Sie mal zu. Wenn Sie an einer Uni sind, müssen Sie sich angewöhnen, wenn Sie schon jemanden herausfordern, sich dessen Antwort anzuhören”, sagte Gabriel und erntete wieder Lacher vom Publikum.

(ll)