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29/07/2018 15:55 CEST | Aktualisiert 29/07/2018 15:55 CEST

Future of Work - Eine neue Ära bricht an

Vasyl Dolmatov via Getty Images

Wie weit werden technische Fortschritte in unserem Leben eingreifen? Was wird in unserem Arbeitsumfeld bleiben und was wird sich verändern? Brauchen wir Angst haben unseren Arbeitsplatz zu verlieren? Definitiv klar ist, dass viele Veränderungen stattfinden werden und wir uns bereits in einem stetigen Prozess der Veränderung befinden. Die einen betreffen uns weniger, die anderen mehr.

1. Eine neue Ära des Arbeitsplatzes

Sterile, farblose Räume, wie die klassischen grellen Großraumbüros hemmen die Kreativität des Beschäftigten. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Arbeitsplatz nicht länger mit Produktivität einhergeht. Wenn jemand bessere Leistungen erbringt, während er im Park sitzt, dann soll er dort auch arbeiten dürfen. Es werden zukünftig trotzdem Orte zum Treffen geben, denn ein physisches Zusammenkommen ist immer noch essentiell für interaktive Arbeit. Das Office der Zukunft wird nicht mehr nur der einzige Ort der Datenbearbeitung sein, denn das geht im Zeitalter der Technologie mittlerweile von überall aus. Es wird vielmehr zu einem Treffpunkt, zu einem Kommunikationszentrum für innovativen Ideenaustausch und Team-Besprechungen, oder als Fläche für Projekte.

“Hat das starre, grelle Büro mit festen Sitzplätzen und Druckerräumen noch lange Zukunft?”

Julian Jost, der Gründer der Buchungsplattform für Workshop- und Kreativspaces Spacebase sagt:

„Die Nachfrage nach kreativen und einzigartigen Offsite Meetingräumen steigt rasant an, denn die Leute suchen nach neuen Orten, um ihrer Kreativität freien Raum zu lassen. Die gewohnten Räumlichkeiten können eine wahre Blockade darstellen. Insgesamt braucht der Mensch immer wieder neue Eindrücke und neuen Input, um Innovatives generieren zu können.“

Tilman Santarius ist Professor für Sozial-Ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin und am Einstein Center Digital Futures. Er sagt:

In vielen Berufsfeldern werden sich Arbeitsplätze immer mobiler und flexibler gestalten. Aber es wird weiterhin Millionen Jobs geben - von den Amazon-Lagerhallen-Arbeiter*innen über verbleibende Fabrikarbeiter bis zu Jobs im Management von Wissenschaft, Forschung, Projektentwicklung, die starre Arbeitsplätze und Büros haben.”

Serena Borghero, Director Marketing Communications, EMEA bei Steelcase:

„Menschen brauchen Arbeitsorte, die ihre individuellen Arbeitsweisen unterstützen während sie zwischen konzentrierter Einzelarbeit, kreativer Zusammenarbeit und Erholungsphasen wechseln. Statt dem traditionellen fest zugeordneten Arbeitsplatz, sind vernetzte und vielfältige Arbeitsumgebungen in vielen Fällen die bessere Alternative. Die besten Bedingungen finden Arbeitnehmer in Umgebungen, die ihnen stets die passenden Räume und Technologien bieten.“

2. Eine neue Ära des Lernen

Weniger machen, mehr denken: Damals hat man den Vorgesetzten nach einer Teilnahme eines Seminars, einer Weiterbildung gefragt. Danach hat man etwas „gelernt“ und versucht das neu Gelernte anzuwenden. Oftmals korrelieren diese Versuche. Die Theorie weicht eben doch oft sehr von der praktischen Umsetzung ab.

In einer Bildungslandschaft, in der Wissen durch das Internet Gemeingut wird, lernt man kontinuierlich, ständig und immer. Angetrieben durch das Internet entstand die Vision des selbstorganisierten, freien und partizipativen Lernens, was sich auf alle Lebenssituationen erstreckt. Das Lernen ist ein anhaltender Prozess und auch zukünftig wird nie ausgelernt sein.

3. Eine neue Ära der Mitarbeiter

Es gibt dystopische Vorhersagungen, die besagen, dass bis 2050 Maschinen die menschliche Arbeitskraft ersetzen werden. Doch ist das wirklich so? In Logistikunternehmen und Fabriken mit stark eingesetzter Fließbandarbeit und wo Algorithmen dominierende Faktoren sind, wird die menschliche Arbeitskraft wahrscheinlich zu einem Teil von Robotern übernommen. Roboter machen weniger Anwendungsfehler. Dadurch entstehen geringere Ausfallkosten und letztendlich kann eine größere Produktivität gewährleistet werden.

Nichtsdestotrotz wird der Mensch auch in der Zukunft weiterhin gebraucht: Bei immer kürzer werdenden Innovationszyklen ist es für die Kreativ- und Innovationsbranche eine große Herausforderung den Markt mit neuen Produkten zu füllen und hier ist der Mensch unabkömmlich. Kein Roboter kann adaptierendes und innovatives Gedankengut, wie der Mensch, bereitstellen.

“Könnten Maschinen in den kommenden 20 Jahren jeden zweiten Arbeiter in den USA ersetzbar machen, so wie es die Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michal Osborne prognostizieren?”

Tilman Santarius:

“Nein, das ist übertrieben. Erstens, weil das Rationalisierungspotential in diesen Studien etwas überschätzt wird. Zweitens, weil die Studien Tätigkeiten und Stellen gleichsetzen: es können sehr viele Tätigkeiten und damit Teile von Stellen ersetzt werden, aber nicht immer ganze Stellen. Damit dürfte die Zahl tatsächlich wegrationalisierter Stellen deutlich weniger als 50% liegen. Das heißt aber nicht, dass hier nicht trotzdem großer politischer Handlungsbedarf besteht, um künftiger Arbeitslosigkeit und sozialer Polarisierung vorzubeugen!”

Michael Held ist Design Director EMEA und APAC bei Steelcase:

„Maschinen und künstliche Intelligenz werden uns, vor allem im Rahmen kreativer Prozesse, nicht vollends ersetzen, sondern Seite an Seite mit uns arbeiten. Anstatt diese als Bedrohung wahrzunehmen, sollten wir uns auf die Chancen konzentrieren und die Möglichkeiten sehen, wie sie uns dabei helfen können, Ideen voranzubringen und Arbeitsprozesse zu vereinfachen.“

4. Eine neue Ära der Kommunikation

Wie wird in der Zukunft kommuniziert? Die Aufmerksamkeitsspanne wird beim Menschen aufgrund der Informationsüberflutung stetig kürzer. Nachrichten müssen immer kürzer und prägnanter verpackt werden, um wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit des Lesers zu bekommen. Dieses Prinzip gilt sowohl innerhalb des Unternehmens von Mitarbeitern zu Mitarbeitern (Live-Messengerdienste wie Slack werden immer häufiger nachgefragt), als auch vom Unternehmen zum Kunden (B2C): Informationen müssen in sekundenschnelle vermittelt werden, damit der Empfänger bereit ist, diese gestellte Information auch aufsaugt und versteht

Der Mensch wird mittlerweile auf ganz anderen Kanälen erreicht, als noch bis vor 20 Jahren. Das Internet ist fast nur noch das einzige Medium, Leute zu erreichen. Visuelle Impulse und Reize müssen noch krasser, noch intensiver sein, um im Zeitalter der regelrechten Informationsüberschwemmung einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

5. Eine neue Ära der Möglichkeiten

Das Ausüben eines starren Berufes ist lange nicht mehr möglich. Vermehrt werden Cross-functional und soft-skills wichtig. Teams werden sich nicht mehr aufgrund ihrer Professionalität zusammenfinden. Der Mensch wird als möglichst flexibler, formbarer Arbeitnehmer nachgefragt und er kann das auch: viel mehr zu sein, als was auf dem Abschlusszeugnis steht.

Statt der klassischen Gehaltserhöhung wird es zukünftig auch weitere Belohnungssysteme geben. Die Zeiten, in denen es sich in erster Linie um einen Aufschlag zum monatlichen Gehalt ging, ändern sich. Vielen Menschen ist mehr Zeit für Familie und Hobbies wichtiger als ein höherer Monatslohn. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey würden sich fast 50% der Arbeitnehmer für mehr Urlaub statt Geld entscheiden. Alternativen zur Gehaltserhöhung sind beispielsweise Prämien, Dienstwägen oder zusätzliche Altersversorgungen. Der agile Arbeitgeber der Zukunft muss sich diesen wechselnden Anforderungen seiner Beschäftigten bewusst und in der Lage sein, diese zu erfolgreich umzusetzen.

Vielleicht entstehen in der Zukunft auch Arbeitszeitmodelle, die eine 5 Stunden/Woche vorschreiben? Das amerikanische Start up Tower Paddle Boards in den USA lebt dieses Modell vor und es funktioniert – aufgrund der kürzeren Arbeitszeit von 8 bis 13 Uhr sind Mitarbeiter zur höheren Produktivität und Effizienz gezwungen. Langfristig führt das zu Entspannung im privaten Leben, mehr Energie und Motivation im Beruf und daraus resultiert eine leistungsstärkere Performance.