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06/12/2018 12:19 CET | Aktualisiert 06/12/2018 12:19 CET

Für eine freundliche Welt: Ein Stück vom Himmel

ohishiistk via Getty Images

Akte der Freundlichkeit

„Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“ Heißt es im Song "Stück vom Himmel" von Herbert Grönemeyer, der daran erinnert, dass Nachhaltigkeit und Freundlichkeit zusammengehören. Wer anderen mit Aufmerksamkeit, Respekt und Fürsorge begegnet, verändert auch sein Gehirn. Besonders wirksam sind Random Acts of Kindess („zufällige Akte der Freundlichkeit“). In einer Studie der Berkeley University heißt es, dass der Großteil der Teilnehmer berichtete, mehr Energie zu haben, nachdem sie anderen geholfen hatten. Sie fühlten sich optimistischer, stärker und selbstbewusster und verspürten mehr Gelassenheit. Freundliches Handeln schüttet den Neurotransmitter Serotonin aus und macht uns glücklich. Neben Serotonin wird auch mehr Oxytocin, das Bindungshormon im Gehirn, freigesetzt, das auch beim Kuscheln sowie nach dem Geschlechtsverkehr ausgeschüttet wird. Das Stresshormon Cortisol verringert sich um 23 Prozent.

Die University of California kommuniziert in einem Beitrag: „Wenn wir gut zu anderen Menschen sind, fühlen wir uns gut – als gute Menschen, optimistischer, positiver und moralischer.“ Wer Gutes tut, verbessert sein Selbstbild und ist nachweislich glücklicher. Eine Harvard-Studie konnte noch viele weitere positive Effekte nachweisen, wenn wir unsere Freundlichkeit kultivieren. Dazu gehören weniger Schmerzen und Bluthochdruck, weniger Ängste, Sorgen und Panikattacken sowie weniger Depressionen. Beispielsweise sollten Menschen mit starken sozialen Ängsten in einem Experiment der University of British Columbia einmal täglich etwas Gutes für Andere im Alltag tun: Türen aufhalten, den Abwasch machen oder das Essen eines Freundes bezahlen. Bereits nach vier Wochen waren die Teilnehmer in positiver Stimmung und viel zufriedener mit ihren Beziehungen. Ihr soziales Vermeidungsverhalten baute sich rasch ab.

Freundlichkeit kann die Welt verändern

Je regelmäßiger Freundlichkeit praktiziert wird, desto mehr baut sich unser Gehirn entsprechend um. Jeder von uns kann dies wie einen Muskel trainieren, sich selbst in seinem Tun zu verbessern und dafür zu sorgen, dass es nicht bei einem einmaligen Engagement bleibt. Klein und regelmäßig ist oft besser als groß und unbeständig. Das Glücksgefühl, etwas Positives für jemanden getan zu haben, macht alle Beteiligten froh. Die körperlichen und seelischen Auswirkungen verlängern nach Christine Carter, die das Buch „Raising Hapiness“ (2010) schrieb, sogar unser Leben: „Menschen über 55, die sich freiwillig in Organisationen einbringen, haben eine um 44 Prozent verringerte Wahrscheinlichkeit, verfrüht zu sterben. Dieser Effekt ist stärker, als viermal in der Woche Sport zu treiben.“ Freude erzeugt Freude, und aus einer guten Tat werden viele weitere.

Dass Menschen, die sich ehrenamtlich für andere einsetzen, glücklicher sind, haben auch Wissenschaftler im UN World Happiness Report herausgefunden. Studien bestätigen aber auch, dass Unternehmen, die nachhaltig ausgerichtet sind (dazu gehören Umweltfreundlichkeit, Klimafreundlichkeit, Kundenfreundlichkeit, Generationenfreundlichkeit, Familienfreundlichkeit) und sich überdurchschnittlich engagieren, erfolgreicher agieren: Sie haben weniger Probleme, gutes Personal zu finden, und sie sind besonders innovativ. Soziales Engagement ist für sie keine Kür, und erst recht kein reiner Altruismus. Zudem ist erwiesen, dass Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und dadurch Anerkennung erhalten, in der Arbeit weniger unter Stress leiden, da sie die Probleme dort als nicht so entscheidend für ihr Wohlbefinden einschätzen.

Menschen, die sich über das normale Maß hinaus engagieren, sind ein Gewinn für die Gemeinschaft. Ohne sie wäre die Gesellschaft ärmer, weil sie zu einer sinnstiftenden Gestaltung beizutragen und es so manches soziale Angebot gar nicht gäbe. Viele von ihnen möchten das, was sie von der Gesellschaft erhalten haben, auch an sie zurückgeben. Es geht ihnen um ein tätiges, selbstverantwortliches und sozial erfülltes Leben.

Zu ihnen gehört auch der Gummersbacher Gordon Weuste, Jahrgang 1991, der bei den diesjährigen Burgthanner Dialogen www.burgthanner-dialoge.de seinen gemeinnützigen Verein „Build and Grow“ vorstellte: Firmen reisen als Teambuildingmaßnahme nach Osteuropa, um dort innerhalb von nur drei Tagen ein Haus zu bauen und dieses anschließend einer bedürftigen rumänischen oder moldawische Familie zu übergeben. Die Menschen leben teilweise in Häusern ohne Fenster, bei minus 20 Grad im Winter. „Wenn man das gesehen hat, kann man auch diejenigen verstehen, die zu uns kommen, um die Kindergeldregel auszunutzen. Wenn man nichts hat und die Kinder vor Kälte zittern und frieren, was soll man denn anderes machen?“ Er ermunterte die Gäste zu mehr Selbstlosigkeit: „Man kann alleine nicht die ganze Welt retten. Aber wenn wir alle mal richtig anpacken würden, könnten wie eine Menge bewegen.“

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