POLITIK
27/06/2018 20:15 CEST | Aktualisiert 27/06/2018 21:03 CEST

Wie eine 28-Jährige zum Symbol für die Anti-Trump-Bewegung wurde

Fünf Gründe, warum ihr euch Alexandria Ocasio-Cortez merken solltet

Scott Heins via Getty Images
Sie ist erst 28 und ist jetzt schon der neue Star der politisch linken Szene der USA. 

Es ist eine kleine Revolution in den USA.

Die linke politische Newcomerin Alexandria Ocasio-Cortez hat überraschend in den Vorwahlen zum US-Kongress in New York einen ranghohen Demokraten ausgestochen.

Die 28 Jahre alte Sozialistin stach mit rund 58 Prozent der Stimmen den 56-jährigen Joe Crowley aus – einen gestandenen Politiker, der bereits seit gut zwei Jahrzehnten im Abgeordnetenhaus sitzt.

Dazu kommt: Ocasio-Cortez hatte für ihre Kampagne etwa 600.000 Dollar (516.000 Euro) von kleinen Spendern gesammelt, Crowley etwa das Zehnfache.

Auch deshalb findet Ocasio-Cortez’ Geschichte bei vielen Wählern Anklang: Die 28-Jährige aus der Bronx ist neu in der politischen Szene. Und sie ist nicht durch Geld oder Einfluss dahin gekommen, wo sie jetzt ist. Während ihres gesamten Wahlkampfes Kampagne haben Medien kaum über sie berichtet – das ändert sich nun.

Hier sind fünf Gründe, warum Ocasio-Cortez’ Erfolg bemerkenswert ist – und warum sie bereits als das Symbol der Gegenbewegung zu Donald Trumps Politik gilt: 

1. Wenn sie gewinnt, ist sie die jüngste Frau, die je in den Kongress gewählt wurde 

“Der Kongress ist zu alt. Die sind raus aus dem Spiel”, sagte Ocasio-Cortez der US-Online-Nachrichtenseite “Elite Daily”. Wenn die 28-Jährige in das Repräsentantenhaus gewählt wird, wird sie gerade einmal 29 Jahre alt sein.

Sie arbeitete schon in den Wahlkampfteams der demokratischen Politiker Ted Kennedy und Bernie Sanders. Bis vor ein paar Jahren hatte Ocasio-Cortez keine politischen Ambitionen. Doch sie wollte den Bezirk, aus dem sie selbst stammt, nach vorne zu bringen – das motivierte sie, selbst in die Politik zu gehen. 

“In unserem Bezirk leben vor allem Farbige, Arbeiter und Migranten. Dieser Bezirk hat einfach nicht die Repräsentation, die er braucht”, erklärte sie der US-HuffPost.

2. Für ihren Lebensunterhalt arbeitete sie als Barkeeperin

Für ihren Lebensunterhalt arbeitete Ocasio-Cortez als Kellnerin und Barkeeperin in Manhattan. Mit dem Geld unterstützte sie auch ihre Familie, nachdem ihr Vater gestorben war und ihre Mutter gleichzeitig als Busfahrerin und Putzfrau arbeitete. 

Dem US-Magazin “Vogue” erzählte Ocasio-Cortez, dass ihre Mutter die Bronx verlassen und nach Florida ziehen musste, weil sie sich das Leben in der Bronx nicht mehr leisten konnte. 

3. Sie zahlt noch immer ihre Studienkredite ab

“Oh ja, ich muss immer noch meine Studienkredite abbezahlen”, sagte Ocasio-Cortez auf Nachfrage von “Elite Daily”.

Sie forderte in ihrem Wahlkampf unter anderem eine Erweiterung des Sozialprogramms Medicare, kostenloses Studium und Ausbildung sowie staatlich gesicherte Arbeitsplätze. 

4. Sie weigerte sich, Geld von Unternehmen anzunehmen

Von den hunderttausenden Dollar, die Ocasio-Cortez während ihres Wahlkampfes eintrieb, kamen nur 5.000 Dollar von Lobbygruppen. Zweidrittel des Geldes stamme aus kleinen Geldspenden mit Beträgen von weniger als 200 Dollar. 

“Nur dann, wenn wir kein Geld von Lobbyisten und stattdessen das Geld von Menschen aus der Arbeiter-Klasse nehmen, können wir auch für die Arbeiter-Klasse Gesetze machen”, sagte sie dem US-Sender CBS News.

Sie war gegen die großen Spenden von Unternehmen wie Google oder Facebook, die Crowleys Wahlkampf unterstützten. 

Scott Heins via Getty Images
Ein Poster von Alexandria Ocasio-Cortez auf ihrer Siegesparty in der Bronx.

5. Sie ist Mitglied der Demokratischen Sozialisten Amerikas

Ocasio-Cortez versucht, das Stigma von der Bezeichnung “Sozialistin” zu beseitigen. 

“Es ist so einfach und gruselig, Angst um eine Idee oder um einen Begriff zu konstruieren, wenn man keine Substanz hinzufügt”, sagte sie dem New Yorker Magazin “Cut”.

“Ich glaube, dass jeder Amerikaner ein sicheres und würdevolles Zuhause haben sollte, eine Gesundheitsvorsorge, Bildung – dass die wichtigsten Bedürfnisse, um ein modernes Leben aufrechtzuerhalten, in einer moralischen Gesellschaft garantiert sein sollten. Man kann das nennen, wie auch immer man das nennen will.”

Der Artikel erschien zuerst bei der HuffPost USA und wurde von Amelie Graen aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

(mf)