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12/02/2018 10:13 CET | Aktualisiert 12/02/2018 10:13 CET

Führung im Wandel: Warum Unternehmen auf agile Vorgehensmodelle setzen sollten

Agilität als Treiber der Digitalisierung

Das Konzept ist bereits seit den 1950er Jahren als AGIL-Schema aus der Systemtheorie bekannt. Das Agile Manufactoring, das Kundenwünsche in den Fokus stellte und mit der Idee des virtuellen Unternehmens arbeitete, folgte in den 1990er Jahren. Diese Gedanken sind auch heute mit Agilität und den Herausforderungen verbunden, vor denen Unternehmen stehen:

· schnellere und dezentralisierte Entscheidungen

· mehr Transparenz

· mobiles Arbeiten

· digitales Denken

· Aufbruch von Hierarchien

· veränderte Verantwortlichkeiten.

Agile Arbeitsweisen einzuführen bedeutet, ein Umfeld zu schaffen, in dem in Zukunft den Herausforderungen von Mitarbeitern und Führungskräften optimal begegnet werden kann. Das erfordert die passende Dialogkultur und eine entsprechende Unternehmensstruktur. Besonders die IT-Bereiche sind hier gefordert und gehen bereits seit Jahren voran: 2001 verabschiedeten Software-Entwickler das „Manifest für agile Softwareentwicklung“ (agilemanifesto.org), das grundlegende Werte der neuen Arbeitsweisen enthält. 1985 wurde am MIT unter Leitung von J.P. Womack ein umfangreiches internationales Forschungsprojekt zu Produktionssystemen in der Automobilindustrie gestartet. Mit dem 1991 veröffentlichten Bestseller „The Machine that changed the World“ prägten er und seine Kollegen mit Lean Production und Lean Management Synonyme für „gesunden Menschenverstand“ im Bereich Unternehmensführung. Im Ergebnis wurden Judoka, Kaizen, Kanban & Co. weltweit rasch adaptiert.

Darauf aufbauend entstanden in den vergangenen Jahren eine Reihe von methodischen Ausprägungen und Managementframeworks für die Unternehmensführung. Anfang der 1990er Jahre entstand in den USA eine Vielzahl neuer Projektmanagement-Methoden für die Softwareentwicklung, darunter Software Kanban, Xtreme Programming, Crystal, Feature Driven Development (FDD) und „Scrum“ (der Begriff stammt aus dem Rugby und bedeutet „Gedränge“).

Scrum kann für Software sowie andere komplexe Projekte angewendet werden. Ursprünglich wurde er von den japanischen Wissensmanagementexperten Ikujirō Nonaka und Hirotaka Takeuchi in die Wissenschaft eingeführt. Ebenfalls 2001 wurde das erste Buch zu Scrum von Ken Schwaber veröffentlicht: „Agile Software Developement with Scrum“. Er war wie Jeff Sutherland Manifest-Unterzeichner. Beide gelten als Erfinder dieser Methode und haben sie bereits 1995 auf der IT-Konferenz OOPSLA vorgestellt. Scrum basiert auf den Werten des agilen Manifests, das eine neue Art des Projektmanagements darstellt.

Was Scrum und das agile Manifest verbindet

· Es wird ein Ziel definiert, aber kein Plan aufgestellt – man tastet sich voran.

· Das Reagieren auf Veränderung bedeutet mehr als das starre Befolgen eines Plans.

· Menschen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.

· Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation.

· Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als ursprünglich formulierte Leistungsbeschreibungen.

· Anstatt große Projekte zu schmieden, wird in kurzen iteraktiven Phasen („Sprints“) gearbeitet.

· Gearbeitet wird nach klaren Rahmenbedingungen, die Aufgaben der Teilnehmenden sind detailliert definiert.

· Wenige, feste Strukturen ermöglichen ein hohes Maß an Freiheit, Sicherheit und Selbstorganisation.

Um die Selbstorganisation der verschiedenen Bereiche zu gewährleisten, sind Unternehmen heute gefordert, die richtige Führungsmannschaft zu identifizieren, die als Übersetzer der agilen Vision in die Organisation hinein agiert und gewährleistet, dass die geschaffene Lern- und Anpassungsfähigkeit permanent aufrechterhalten wird.

Weiterführende Informationen:

Agilität erleben: Inkop 2017. Saxonia Systems AG, München 2017.

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.

Sebastian Purps-Pardigol, Henruk Kehren: Digitalisieren mit Hirn. Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter für den Wandel gewinnen. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2018.

Bettina Volkens, Kai Anderson: Digital human. Der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2018.