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10/04/2018 17:18 CEST | Aktualisiert 10/04/2018 17:25 CEST

Früher wurde ich gemobbt, heute kämpfe ich gegen Gewalt auf deutschen Schulhöfen

"Lehrer müssen Kindern auf Augenhöhe begegnen."

Sonja Belle / EyeEm via Getty Images
Auch auf deutschen Schulhöfen steigt die Gewalt

Gewalt unter Kindern ist ein wachsendes Problem an deutschen Schulen. Schüler lösen Konflikte untereinander immer häufiger mit brutaler Gewalt.

Auch als ich noch ein Kind war, spielte Gewalt eine Rolle. Aber wäre ich, als ich gemobbt wurde, auf die Idee gekommen, zu einem Gewehr zu greifen und meine Rachefantasien in die Realität umzusetzen? Ich denke nicht.

Eingesetzt wurden stattdessen Fäuste und Stöcke.

Aber seit der Jahrtausendwende kommt Waffengewalt in US-amerikanischen Schulen immer öfter vor.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Hemmschwelle, Konflikte in den Schulen mit noch brutalerer Gewalt zu lösen, signifikant gesunken.

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Entsprechend gestiegen ist der Einsatz von Schuss- und Stichwaffen.

Auch auf deutschen Schulhöfen werden heute Messer gezogen, es wird damit gedroht – und zugestochen. Unsere Lehrer tragen keine Waffen, wie möglicherweise bald in den USA, wo die Abstände zwischen den Massakern auf den Schulhöfen immer kürzer werden.

Auch ich war ein Mobbingopfer

Aber Kinder sind auch bei uns durch Schusswaffen auf Schulhöfen schon ermordet worden.

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Meiner Meinung nach gibt es einen Zusammenhang zwischen der wieder zunehmenden Aggressivität zwischen den Nationen und dem Verhalten der heranwachsenden Generation.

Regierungen handeln ebenfalls deutlich provokanter bei der Durchsetzung nationaler Interessen als noch vor einigen Jahren.

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, Mobbing zerstört Menschenleben!

In meinen Antimobbingkursen in Schulen setze ich auf konsequente Aufklärung durch Vermittlung von Erfahrungen aus meinem Leben. Ich nenne die Missstände beim Namen. Rede in einer Offenheit, die die Kinder von Lehrern nicht kennen, über meine schwere Zeit als Mobbingopfer.

Lehrer müssen Kindern auf Augenhöhe begegnen

Ich verschweige nicht, dass ich im Widerstand gegen meine Peiniger selber an Gewalt gefallen fand und mich vom Opfer zum gefürchteten Täter entwickelte.

Offenheit gegen Offenheit auf Augenhöhe eröffnet Möglichkeiten für einen lebendigen und konstruktiven Dialog zwischen Erwachsenen und Kindern.

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Gut gemeinte, im Ungefähren verlaufende Ratschläge hören sie zur Genüge. Lehrer sollten den Kindern offen und auf Augenhöhe begegnen.

Ich scheue mich nicht, eigene Fehler und Irrwege vor den Kindern einzugestehen – was Väter und Mütter nur selten fertigbringen, Lehrer so gut wie nie. Ich pfeife auf “professionelle Distanz”, die angeblich im pädagogischen Prozess unabdingbar ist und aus meiner Sicht den Zugang zu Kindern und Jugendlichen erheblich erschwert.

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, Mobbing zerstört Menschenleben!

Der Text ist zuerst bei Xing Klartext erschienen.