BLOG
22/01/2018 15:40 CET | Aktualisiert 31/01/2018 16:58 CET

Freundin zeichnete ein Bild – danach hatte ich meinen 1. Orgasmus

Und dann hatte ich gleich 5 weitere Orgasmen.

Ich hatte meinen ersten Orgasmus erst mit 21 Jahren. Manche Leute sind überrascht, das zu hören, denn in meinem Freundeskreis gelte ich als sexuell sehr aufgeschlossener Mensch.

Ich war gerade mit meiner Freundin Clara beim Kaffeetrinken und wir unterhielten uns über Sex. Ich hatte mein erstes Mal mit 16 Jahren gehabt und war damals also seit fünf Jahren sexuell aktiv. Ich hatte jedoch noch nie einen Orgasmus gehabt. Und scheinbar hatte sich auch keiner der Männer, mit denen ich geschlafen hatte, ernsthaft darum bemüht, mir einen zu verschaffen.

(Im Video oben erklären Pornostars, wie sie am besten zum Orgasmus kommen)

Ich war damals zwar nie in längeren Beziehungen, doch dafür hatte ich sehr viel Sex in diversen Affären und One-Night-Stands. Na ja okay, eigentlich waren es hauptsächlich One-Night-Stands, die ab und zu auch mal einen Tag länger gingen. Aber trotzdem.

Mehr zum Thema: Von wegen nur vaginal und klitoral - Frauen können 12 verschiedene Typen von Orgasmen haben

Clara sah mich entsetzt an und ich lachte, weil ich verstehen konnte, dass mein Geständnis sie schockierte. Und dann stellte meine liebe Freundin mir eine einfache Frage, die mein Leben veränderte.

“Wie in aller Welt kannst du von irgendjemandem erwarten, dass er dich zum Orgasmus bringt, wenn du es selbst nicht einmal schaffst?”

Ich sah sie an.

“Guter Punkt”, gab ich zu.

“Wenn du einmal weißt, wie es geht, kannst du es immer und überall tun”, fuhr meine Freundin fort. “Du könntest zum Beispiel hier im Café sitzen und dich unterm Tisch selbst zum Orgasmus bringen.”

Wir lachten wie verrückt.

Dann erklärte sie mir die Techniken

Und dann tat Clara etwas ziemlich Ungewöhnliches: Sie malte mir eine Skizze auf. Ich wusste, wo meine Klitoris sich befand. Ich wusste genau, wo alles war. Ich hatte keine Probleme damit, die richtigen Stellen zu finden. Und es ging auch nicht darum, dass ich mich nicht selbst befriedigen konnte.

Ich hatte bereits als Kind damit angefangen, mich mit voller Absicht (und mit Erfolg) an den richtigen Stellen zu berühren. Doch ich hatte keine Ahnung, wie ich es schaffen sollte, die letzte Schwelle zu überwinden und zum Höhepunkt zu kommen. Es war in etwa so, wie wenn man ein kreatives Projekt anfängt und es dann nicht ganz fertig stellt.

Mehr zum Thema: Ich bin 32 Jahre alt und verheiratet - und ich hatte noch nie einen Orgasmus

Meine Freundin zeichnete also eine Skizze und erklärte mir die Techniken. Sie zeigte mir verschiedene Finger- und Hüftbewegungen und unterschiedliche Bewegungsabläufe. Ihre Beschreibungen klangen für mich wie Poesie und Philosophie.

Ich fuhr nach Hause und probierte ihre einfachen Tipps aus. Und als ich mit meinen Beinen an der Wand im Bett lag, hatte ich zum ersten Mal einen Orgasmus, der mich komplett um den Verstand brachte. Ich brauchte dazu nicht einmal zehn Minuten. Und danach hatte ich gleich noch fünf weitere Orgasmen.

Was mich dabei am meisten überraschte, war die Tatsache, dass das Ganze nicht wirklich kompliziert war. Es hatte mich nur noch niemand darüber aufgeklärt, wie meine eigenen Lustzentren funktionieren. Und das bei jemandem, der mit seinen Eltern so offen über Sex sprechen kann wie ich.

Die Orgasmus-Lücke

Nach Angaben der Non-Profit-Organisation Planned Parenthood hat sogar jede dritte Frau Probleme damit, beim Sex zum Höhepunkt zu kommen. Die Frauenzeitschrift Cosmopolitan hat im Jahr 2015 Frauen zum Thema Orgasmus befragt und herausgefunden, dass nur 57 Prozent aller heterosexuellen Frauen beim Sex mit ihrem Partner regelmäßig zum Orgasmus kommen.

95 Prozent der befragten Frauen gaben dabei jedoch an, dass ihre männlichen Sexpartner regelmäßig zum Höhepunkt gelangen würden.

Und das ist noch nicht alles: 50 Prozent der Frauen sagten, dass sie beim Sex zwar oft kurz vor einem Orgasmus stehen würden, dass ihre Partner es jedoch nicht schaffen würden, sie endgültig zum Höhepunkt zu bringen.

38 Prozent der Frauen gaben an, dass ihre Partner ihre Klitoris nicht genug stimulieren würden und 35 Prozent sagten, dass ihre Partner ihre Klitoris nicht auf die richtige Weise stimulieren würden. Wenn diese Zahlen nicht beweisen, dass es zwischen Männern und Frauen eine gewaltige Orgasmus-Lücke gibt, dann weiß ich es auch nicht.

Probleme mit der richtigen Technik

So einfach es auch klingen mag: Orgasmus-Probleme von Frauen sind darauf zurückzuführen, dass die Technik nicht stimmt. Das war ja auch der Grund, warum ich es selbst nicht geschafft hatte, mich zum Orgasmus zu bringen.

Wenn man bedenkt, welch wichtige Rolle die Klitoris beim weiblichen Orgasmus spielt, überraschen diese Statistiken nicht wirklich. Und obwohl Statistiken und Prozentzahlen nur bis zu einem gewissen Grad ein korrektes Bild der Realität abliefern, sind sich auch Experten einig, dass die meisten Frauen klitorale Stimulation brauchen, um zum Orgasmus kommen zu können.

Mehr zum Thema: Experten haben 1000 Frauen befragt, wie sie am besten zum Orgasmus kommen - das ist das Ergebnis

Nur acht Prozent aller Frauen kommen bei penetrativem Sex ohne zusätzliche Stimulation zuverlässig zum Orgasmus, während dies bei fast allen Männern der Fall ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2005 mit 833 Bachelor-Studenten hat ergeben, das sowohl Männer als auch Frauen Probleme damit hatten, auf einer Skizze zu zeigen, wo die Klitoris sich befindet. Das heißt also, dass ich im zarten Alter von 21 Jahren immer noch mehr Ahnung hatte als manch andere, obwohl meine Technik nicht ganz stimmte. Und das ist echt erschreckend.

 Frauen brauchen länger für den Orgasmus

Außerdem gaben 78 Prozent der Frauen in dieser Studie an, dass es ihren Partnern wichtig sei, dass die Frauen zum Orgasmus kämen. Doch 72 Prozent der Frauen hatten es auch bereits erlebt, dass ihr Partner zum Höhepunkt gekommen war ohne zu versuchen, sie ebenfalls zum Orgasmus zu bringen.

Dass Frauen beim Sex nicht zum Höhepunkt kommen, mag zwar durchaus daran liegen, dass ihre Partner zu wenig über die richtige Technik wissen. Die Orgasmus-Lücke zeigt jedoch auch, welch unterschiedlichen Stellenwert die sexuellen Bedürfnisse von Männern im Gegensatz zu den sexuellen Bedürfnissen von Frauen in unserer Gesellschaft haben.

So brauchen Frauen im Durchschnitt meist länger, um zum Orgasmus zu kommen. (Einige Experten glauben, dass es bis zu 20 oder sogar 40 Minuten dauern kann.) Und dennoch herrscht die gängige Überzeugung, dass Sex selbstverständlich mit dem Orgasmus des Mannes endet. Und die meisten Mainstream-Pornos bestätigen diese Einstellung.

Wie kann man die Orgasmus-Lücke schließen?

Für alle wirklich wichtigen Angelegenheiten gibt es meist keine schnellen Lösungen. (Es sei denn, man hat eine gute Freundin, die wahnsinnig gut Skizzen zeichnen und Vorträge halten kann.) Ebenso gibt es keine einfache Lösung dafür, dass Frauen ebenso einfach und häufig zum Orgasmus kommen können wie Männer.

Doch immerhin gibt es bereits erste Fortschritte. So beginnt die Frauen-Pornoseite Bellesa beispielsweise damit, diese zweifelhaften Überzeugungen ans Licht zu bringen, die momentan in unserer Gesellschaft vorherrschen.

Hier sind ein paar weitere Tipps, die du beachten solltest, falls du das nicht ohnehin bereits tust:

► Finde heraus, wie du dich am besten selbst befriedigen kannst

► Sei zu den Männern (und auch Frauen) in deinem Leben radikal ehrlich. Trau dich ruhig, ihnen zu sagen, was dir gefällt und was du brauchst. Denn das ist die Grundlage dafür, dass du zum Orgasmus kommen kannst.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der kanadischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

Wenn ihr die besten Liebe&Sex-Themen lieber einmal in der Woche gesammelt erhalten wollt, dann könnt ihr euch hier für unseren E-Mail-Newsletter eintragen.

(ks)