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26/02/2018 20:44 CET | Aktualisiert 27/02/2018 10:55 CET

Britische Aktivistin erklärt, wieso Frauen jetzt eine Bewegung starten müssen

Mir ist klar, dass sich die Gesellschaft nicht über Nacht ändern wird.

Wenn ich Ungerechtigkeit sehe, werde ich unfassbar wütend. Dieses Gefühl hatte ich schon immer in mir.

Egal in welcher Form Ungerechtigkeit auftaucht – dumme Sprüche auf der Straße, Belästigungen in der U-Bahn oder Misshandlungen von Minderheiten. Es macht mich rasend.

Ich habe mich schon in Irland, wo ich geboren wurde, für Migranten, Menschen mit Behinderungen und unterschiedlichen Sexualitäten eingesetzt. Aber besonders für Frauen – 1983 habe ich gegen das Verbot der Abtreibung gekämpft. Ich bin froh zu sehen, dass sich seit dem in diesem Land etwas geändert hat.

Seitdem arbeite ich für unterschiedliche gemeinnützige Organisationen.

Emma Watson hat den Startschuss für unsere Kampagne gesetzt

Seit drei Jahren bin ich Direktorin des Rosa UK Fund for Women and Girls – wir sammeln Fördergelder für Frauen und Mädchen durch verschiedene Projekte und Fonds.

Das Geld fließt in über 20.000 Institutionen in ganz England, die sich für Sicherheit und Gleichberechtigung von Frauen einsetzen – Frauenhäuser, Projekte die sich um Gesundheit der Frauen kümmern, Präventionsarbeit.

Das größte Highlight in meiner Karriere hatte ich vor einigen Tagen: Wir haben für den Justice and Equality Fund 1,6 Millionen Pfund (rund 181.536,0000 Euro) durch Spenden gesammelt. Und das innerhalb weniger Tage.

Das ist vor allem Schauspielerin Emma Watson zu verdanken – sie hat mit einer Million Pfund den Startschuss für diese Kampagne gesetzt – aber auch andere Schauspielerinnen wie Keira Knightly oder Jodie Whittaker haben viel Geld gespendet.

Britische Schauspielerinnen wollten gemeinsam mit Rosa etwas ändern

Vor ein paar Jahren wäre so etwas noch nicht möglich gewesen. Da erntete ich von den meisten Menschen eher Unverständnis, wenn ich sie zum Spenden für Frauen aufforderte. Die dachten sich: “Wieso denn für Frauen spenden? Das ist ja nicht gerade eine Minderheit.”

Aber nachdem die schrecklichen Geschichten um Harvey Weinstein ans Licht gekommen sind, hat sich viel geändert – nicht nur in den USA, auch in England.

Hollywood-Produzent Harvey Weinstein soll seit Jahrzehnten Frauen sexuell belästigt haben – darunter auch Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Rose McGowan. Das enthüllte die “New York Times”. Außerdem soll Weinstein einflussreiche Kollegen nach den Enthüllungen gebeten haben, ein gutes Wort für ihn einzulegen, damit er nicht entlassen wird.

Hier haben zuerst die Frauen in der Politik ihre Stimme erhoben und über die sexuelle Belästigung, die ihnen widerfahren ist, gesprochen.

Mehr zum Thema: Wegen sexueller Belästigung: Britischer Verteidigungsminister Michael Fallon tritt zurück

Jetzt, kurz nach der Verleihung der Golden Globes, sind viele britische Schauspielerinnen auf mich und Rosa zugekommen.

Sie wollten ein britisches Pendant zum Time’s Up-Fond ihrer amerikanischen Kolleginnen ins Leben rufen.

Mehr als 300 amerikanische Schauspielerinnen wollen der Belästigung von Frauen in der Filmindustrie und im amerikanischen Berufsalltag ein Ende bereiten. Deshalb haben sie den Time’s Up-Fond gegründet.

Spenden von Reese Witherspoon, Meryl Streep und Steven Spielberg hätten einen Fonds für Rechtsbeihilfe ermöglicht, der bereits über 13 Millionen Dollar (knapp 11 Millionen Euro) verfüge, berichtete die “New York Times”.

Die Initiative will sich außerdem für mehr Gleichheit in Filmstudios und Talentagenturen einsetzen und Gesetze voranbringen, die Firmen für sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz bestrafen sollen.

Menschen wachen erst auf, wenn jemand, der ihnen nahe steht, leidet

Ich war begeistert und dachte mir: endlich. Langsam wachen viele Menschen auf und sehen, dass Frauen in unserer Gesellschaft immer noch benachteiligt sind. Und weil sich international bekannte Schauspielerinnen einsetzen, ist das Thema viel mehr im Gespräch.

Aber warum braucht es die? Warum sehen so viele Menschen nicht, dass Frauen in vielen Bereichen im Nachteil sind?

Es werden immer noch so viele Frauen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, Frauen werden überall auf der Welt belästigt und misshandelt. Aber die meisten Menschen machen erst dann ihre Augen auf, wenn jemand, der ihnen nahe steht, leidet.

Jetzt ist der richtige Moment um etwas zu ändern

Das habe ich besonders daran gesehen, dass sich viele Männer an Rosa wenden, wenn ihre Töchter ins Teenager alter kommen, aufs College gehen oder einen neuen Job anfangen.

Denn in diesem Moment bemerken sie: “Oh, meine Tochter wird ungerecht behandelt, die Gleichberechtigung hat Lücken.” Sie brauchen Rat oder wollen etwas an der Gesellschaft ändern und sich für ihre Töchter und für Frauen einsetzen. Dann spenden sie auch.

► Wir haben uns überlegt, wie wir das Thema größer machen können und mehr ins Bewusstsein der Menschen bringen. Der Moment war durch die #MeToo-Bewegung ja günstig.

Mehr zum Thema: Warum die Debatte um sexuelle Belästigung mehr Generationenkampf als ein Geschlechterduell ist

Mit den Schauspielerinnen gründeten wir den Justice and Equality Fond

Also haben wir uns mit den Schauspielerinnen zusammengesetzt und überlegt, wie wir gemeinsam etwas verändern können. So entstand der Justice and Equality Fond. Mit einem offenen Brief haben wir ihn bei der Verleihung der britischen Filmpreise BAFTA am vergangenen Sonntag in London vorgestellt.

Wir wollen das Geld aus dem Fonds verwenden, um darauf aufmerksam zu machen, dass sexuelle Belästigung immer noch als “normal” angesehen wird und schon vielen Frauen widerfahren ist – und das nicht nur in England, sondern überall auf dieser Welt. Und betroffenen Frauen helfen.

Das Geld wird in drei verschiedene Bereiche fließen:

►Beratung, Unterstützung und Beistand: Wir möchten sichergehen, dass die Menschen ihre Rechte kennen und Zugang zu qualitativen Unterstützung bei Problemen haben. Wir möchten eine Gesellschaft, in der jeder seine Rechte kennt und Unterstützung bekommt, wenn sie gebraucht ist.

► Juristische Arbeit: Wir unterstützen juristische Fälle um das Gesetz und die Politik zu verbessern um eine sicherere Zukunft für uns alle zu gestalten.
 
► Verteidigung und Prävention: Wir möchten Kampagnen und Schutzbündnisse schaffen, die Frauenrechte schützen, Gleichberechtigung fördern und eine sichere Umgebungen schaffen.

Die Fördergelder sollen alle Menschen in England erreichen, die Hilfe brauchen: Geringverdiener, Freelancer, Menschen die durch Herkunft, Alter, Klasse, Migrationsstatus, Behinderungen oder Sexualität benachteiligt sind.  

Das System zu verändern ist sehr schwer

Natürlich ist mir klar, dass sich die Gesellschaft nicht über Nacht ändern wird. Schließlich geht es hier um Machtstrukturen und um Probleme der Gesellschaft – und diese zu ändern ist wahnsinnig schwer.

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Darum müssen wir uns ein Bild davon machen, wie unsere Gesellschaft aussehen soll und vor allem WAS sich ändern muss. Wir wollen kein Land, in dem Menschen Angst haben und ihre Stimme nicht erheben dürfen.

Wir müssen zusammenhalten, wollen uns sicher fühlen. Dafür müssen wir alle zusammen kommen. Denn niemand hat etwas von dieser Ungleichheit, sie schadet uns allen – Männern, Frauen, Töchtern, Müttern.

Mehr zum Thema: Wie ein Satz, den alle Kinder kennen, dafür sorgt, dass sexuelle Gewalt so normal ist

Wenn wir nichts ändern, übernimmt das jemand anderes

Frauen waren lange Zeit noch um vieles benachteiligter als heute. Frauen haben sich während der Emanzipation im 20. Jahrhundert zusammengetan – und gemeinsam etwas verändert. Nur so konnten sie es schaffen.

Es ist jetzt der richtige Moment, um wieder zusammen zu kommen. Denn wenn wir nichts ändern, wird vielleicht jemand kommen das für uns übernehmen – und vielleicht so, wie es nicht in unserem Sinne ist.

Das kann man gut an der momentanen politischen Lage auf der ganzen Welt erkennen. In manchen Ländern – auch westlichen – verschlechtert sich die rechtliche Lage von Frauen gerade, anstatt dass sie sich verbessert.

Mit Rosa soll eine neue Bewegung entstehen

Darum müssen wir gegen sexuelle Misshandlung und die Ungleichheit kämpfen, da es die anderen nicht machen.

Aber es bringt uns nichts, wenn wir einfach nur wütend sind. Wir müssen etwas Positives und Neues schaffen.

Ich hoffe so sehr, dass wir diesen Moment, der gerade da ist, in eine Bewegung verwandeln können, die es schafft, etwas zu verändern.

Wenn ihr diese Bewegung auch unterstützen wollt, könnt ihr hier für den “Justice and Equality Fond” spenden. Zusammen können wir eine gerechte, sichere und gleichberechtigte Gesellschaft gestalten.

 

Dieser Beitrag wurde von Martina Zink aufgezeichnet und aus dem Englischen übersetzt.

(ks)