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03/05/2018 09:11 CEST | Aktualisiert 03/05/2018 09:11 CEST

„Frauen sind die Zukunft des Online Marketing!“

Sie gelten als kontaktfreudig, empathisch, teamfähig, neugierig und kreativ, trotzdem sind Frauen im Online Marketing mit gut 20 % deutlich unterrepräsentiert.

Foto: seosupport-Geschäftsführer Vincent Sünderhauf (li.) und Sebastian Petrov ©seosupport GmbH

Sie gelten als kontaktfreudig, empathisch, teamfähig, neugierig und kreativ, trotzdem sind Frauen im Online Marketing mit gut 20 % der Beschäftigten deutlich unterrepräsentiert. Vincent Sünderhauf und Sebastian Petrov, Geschäftsführer des renommierten Berliner PR- und Marketing-Spezialisten seosupport erklären, warum das so nicht bleiben kann.

  • Vincent, Eure Agentur zählt zu den führenden in Berlin, wenn es um Suchmaschinenoptimierung, Branding oder Reputationsmanagement geht. Welche Kompetenzen qualifizieren Frauen besonders für’s Marketing und wie hoch ist der Frauenanteil bei Euch?

Frauen sind intuitiv und spontan, das führt oft weiter als lange Konzepte und nüchterne Briefings. Das gilt auch für den persönlichen Umgang mit Kunden: er ist verbindlicher, natürlicher – und das schätzen nicht nur Männer. Natürlich sind alle Frauen bei seosupport gut ausgebildete Profis, aber das ist nur der Background. Verglichen mit unseren Jungs bringen die Frauen mehr Personality in Ihren Output. Bei PR ist das wichtig, denn aalglatte Slogans oder sterile Bilder merkt sich niemand, die individuelle Note bringt’s! Jeder erinnert sich an ‚da werden Sie geholfen‘ – sowas entsteht nicht in männlichen Pitches. Derzeit arbeiten bei uns zu gut 40 % Frauen, dem lebendigen Klima tut das gut und wir werden mehr Frauen einstellen. Auch wir mussten erst lernen, dass dadurch der Büroalltag turbulenter wird und nicht immer ist das konfliktfrei. Aber im kreativen Marketing misst sich Erfolg nicht an Arbeitszeit. Der lebendige Diskurs bringt auf Dauer die besseren Ergebnisse.

  • Sebastian, Frauen sind auf Facebook oder Twitter aktiver als Männer, entscheiden wesentlich über das Familienbudget und sind die bevorzugte Zielgruppe für zahllose Trends. Verstehen weibliche Online Marketer den Konsument Frau besser als ihre männlichen Kollegen?

Ja und nein. Natürlich würde ich meiner Freundin keine Kosmetik-Tipps geben oder Ihr nahelegen, was sie anzieht. Sie entscheidet auch über das neue Sofa und am Ende auch über den nächsten Urlaub. Trotzdem sind Frauen oft vorsichtig, vielleicht konservativer als Männer. Sie entscheiden nach ihren Möglichkeiten und bedenken meist die Konsequenzen. Entsprechend sind es seltener Frauen, die komplett neue Formen, Farben oder Sprachen als neuen Trend kreieren. Frauen entwickeln Vorhandenes weiter, Männer haben irgendeine Idee und probieren sie einfach aus. Beides besitzt keine Erfolgsgarantie. Aber im Online Marketing sind sowohl dynamische als auch sprunghafte Entwicklungen wichtig. Die erste sorgt für solide Zahlen, die zweite für USPs und ein neues Ziel.

  • Vincent, Frauen bewegen sind näher an der Lebenswelt der Konsumgruppe Kinder/Jugendliche und auch die Bedürfnisse der Männer gestalten und verstehen sie oft besser als viele Männer selbst. Warum dominieren immer noch Männer die Führungsetagen von PR und Werbung?

Im Marketing geht es darum, Vorhandenes zu verkaufen und Neugier auf neues zu wecken. Frauen können beides, Männer sind bei den Innovationen besser. Das kann sich ändern, manchmal fehlt Frauen heute noch der Mut zum Risiko. Das gilt auch für ihre Positionen in der Agentur. Bei uns stehen alle Mitarbeiter auf einer Stufe, ohne Hierarchien. Aber wer sich mehr traut, bekommt auch mehr Verantwortung. Das sind meist eher die Männer. Wir bevorzugen hier kein Geschlecht und jeder kann sich profilieren. Mir scheint, für Frauen ist ihr Standing im Büro oft wichtiger als die Karriere. Männer sind häufig Solisten, während Frauen sich gegenseitig in Schach halten und zur Ausgrenzung neigen, wenn sich eine profiliert. Um sich zu trauen müssen sie sich sicherer fühlen als Männer. Und sorry, die Chefposten bei seosupport sind nun mal schon von uns beiden besetzt.

  • Sebastian, Nutzt Ihr die Geschlechterunterschiede in Eurem Unternehmen oder ist es egal, wer an welchem Schreibtisch sitzt?

Wir machen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, trotzdem gibt es beispielsweise bei den Textern Unterschiede, welches Thema wem liegt. Und natürlich soll der oder die dann auch darüber schreiben. Bei den SEO-Analysen mussten wir dazulernen: hatten wir hier zunächst überwiegend auf Männer gesetzt, haben uns mehrere Mitarbeiterinnen inzwischen gezeigt, dass sie den Job nicht nur genauso gut erledigen, sie sind oft sogar gründlicher, ideenreicher und beharrlicher, als unsere Jungs. Auch wir sind nicht frei von Vorurteilen. Aber was die Frauen bei seosupport betrifft, haben sie uns immer wieder eines Besseren belehrt. Ich sag das noch etwas zögerlich, aber Frauen gehört die Zukunft im Online Marketing.

  • Vincent, Gleichberechtigung sollte 2018 eine Selbstverständlichkeit sein, das Marketing setzt aber oft auf die Unterschiede bestimmter Zielgruppen. Ist Werbung politisch rückwärtsgewandt?

Online Marketing will meist gar nicht politisch sein. Es spricht Neugier, Images und Konsumverhalten an und das natürlich so gezielt wie möglich. Beispiel: sucht jemand einen Strampler für sein Baby, kann er irgendeinen kaufen. Die Werbung bietet aber Strampler in rosa und in hellblau an und natürlich wird für das Mädchen pink gekauft. Das setzt sich bei Mode, Spielzeug, Hobbys etc. fort. Geschlechtsspezifisches Marketing eröffnet neue Märkte, schafft vielleicht auch unnötige Trends, aber der Markt entscheidet über Sinn und Unsinn. Produkte und Marken dienen selten nur einem Bedarf. Mit ihnen sind Images, Überzeugungen und Persönlichkeiten verbunden. Das macht sich der E-Commerce zu Nutze.

  • Sebastian, im Online Marketing gibt es viel frauenfeindliche Werbung. Gibt es für Euch moralische Grenzen oder ist bei Euch jeder Kunde König?

Natürlich machen wir keine frauenfeindliche Werbung. Aber im Online Marketing gibt es Grauzonen des guten Geschmacks und fließende Übergänge. Ab wann wird Werbung für eine Partneragentur schmuddelig? Wer bestimmt, welche Werbung auf der Website wechselt? Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und werben auch, etwa beim Reputationsmanagement, für Kunden, deren Ziele wir nicht teilen. Allerdings, ja, auch wir haben ethische Grenzen, und Frauenfeindlichkeit zählt nicht zu unserem Geschäft.

  • Vincent, eine Stärkung von Frauen im Marketing beginnt meist mit einer guten Ausbildung. Was tut seosupport für junge Frauen, damit sie sich in Eurer Agentur wohlfühlen?

Wir bilden junge Menschen zum Kaufmann/Kauffrau für Marketing Kommunikation aus. In den 10 Jahren unseres Bestehens haben zwei junge Frauen diese Ausbildung bei uns erfolgreich abgeschlossen, mit einer neuen Azubine sind wir gerade im Gespräch. Die Prüfungsnoten unserer weiblichen Auszubildenden waren durchweg besser, als die unserer männlichen Azubis und das entsprach auch ihrer Performance im Büro. Bei seosupport gibt es keine besondere Frauenförderung. Stattdessen achten wir darauf, dass jeder Mitarbeiter, egal ob Frau oder Mann, Azubi oder alter Hase, mit Respekt und Wertschätzung behandelt wird und Zeit und Raum bekommt, um sich auszuprobieren, Fragen zu stellen und stressfrei eigene Ideen zu entwickeln. Dazu zählen ein ruhiges Arbeitsumfeld in einem stilvollen Charlottenburger Altbau, Platz auch zum Zurückziehen, Pausen und gesunde Snacks. Natürlich muss am Ende auch der Output stimmen, aber durch das gute Klima im Team gelingt genau das. Die Mitarbeiter fühlen sich für die spannenden und vielseitigen Aufgaben, aber auch für die Kollegen verantwortlich. Deshalb ist unser ‚Wohlfühlprogramm‘ der kreative Freiraum für das Team, indem gerade Frauen gerne mitarbeiten.

  • Sebastian, Online-Unternehmen und Start-ups werden oft von unerfahrenen Optimisten getragen. Welche Rolle spielen Erfahrung und Kompetenz auch älterer Frauen in Eurer Agentur?

Anders als viele Start-ups im Online-Business setzen wir nicht auf Großraumbüro und wuselnde Nerds von Schule und Uni. Qualität braucht ein Mix aus Ruhe und Lebendigkeit, ständige Ablenkungen stören den Prozess. Dazu gehört auch eine gesunde Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Begeisterung. Bei uns gibt es weder Frauen- noch Altersquote, stattdessen ein ständiges Lernen. Die Älteren profitieren von unseren jüngeren Software-Profis, während die Jüngeren in der PR bei Stil und Context von den Älteren lernen, aber auch in Organisation, Verantwortungsbewusstsein und Beharrlichkeit sind Frauen über den magischen 30 den Jüngeren oft ein Vorbild. Das Team wächst mit den Anforderungen und Frauen haben dabei oft eine integrierende Rolle.

  • Vincent, lange wurde Männern eine größere Technik-Affinität nachgesagt. Inzwischen dominieren Frauen das Web-Design. Wann werden sie bei SEO oder PR gleichziehen?

Sie könnten es schon heute, wenn Frauen sich mehr trauen würden. Dabei sollten sich Frauen allerdings nicht darauf verlassen, wegen guter Leistungen befördert zu werden. Denn im Online-Business ist die Führungsriege meist bereits von den männlichen Gründern besetzt. Selber gründen heißt mein Tipp an Frauen. Im E-Commerce sind Ideen, Kreativität und Beharrlichkeit oft wichtiger als das Startkapital.

  • Sebastian, wohin wird sich das Online Marketing verändern, wenn der Frauenanteil in den nächsten Jahren signifikant wächst?

Ich glaube nicht, dass es ein männliches oder weibliches Marketing gibt. Vielleicht wäre manche Kampagne weniger provokant und frauenfeindliche Werbung ginge ein bisschen zurück. Aber Online Marketing bleibt ein offensives Business, in dem Cleverness, Geschwindigkeit, Taktik und Frechheit große Rollen spielen. Hier stehen viele Frauen Männern in nichts nach. Traditionell weibliche Attribute wie Harmoniebestreben oder Feingefühl mögen intern manche Unternehmenskultur verändern, durchsetzen werden sich im Online Marketing aber nur die, die Risiko und Provokation nicht scheuen.