ELTERN
14/05/2018 10:55 CEST | Aktualisiert 14/05/2018 11:13 CEST

Studie: Frauen, die Kinder wollen, sollten sich sportlichen Mann suchen

Körperliche Aktivität ist nicht nur gut für das eigene Gehirn.

Halfpoint via Getty Images
Dass körperliche Aktivität und geistiges Training auch bei Menschen die Lernfähigkeit steigert, ist bekannt.
  • Forscher haben herausgefunden, dass Mäuse, die körperlich aktiv sind, klügere Kinder bekommen. 
  • Der Grund dafür sind bestimmte Moleküle im Sperma der Väter. 

Lange gingen Wissenschaftler davon aus, dass Eigenschaften, die Menschen erlernt haben, nicht vererbt werden können. Denn die DNA wird dadurch nicht verändert.

In den vergangen Jahren haben Wissenschaftler jedoch einige Beispiele gefunden, die diesem Prinzip widersprechen. Wenn sich die Eltern schlecht ernähren, ist zum Beispiel das Krankheitsrisiko der Nachkommen erhöht. Auch Stress bei Mutter und Vater kann sich auf die folgende Generation auswirken. 

Wissenschaftler nennen das epigenetische Vererbung. Epigenetik untersucht eine Veränderung des genetischen Materials weder durch Mutation noch durch Rekombination der DNA. 

Das eigene Verhalten beeinflusst das der Nachkommen

Jetzt haben Forscher aus Göttingen herausgefunden, dass nicht nur die elterliche Ernährung und Stress den Nachwuchs beeinflussen. Sondern auch, ob die Eltern regelmäßig Sport treiben. Das Ergebnis: Körperlich aktive Väter zeugen intelligentere Kinder.

Erforscht haben Wissenschaftler das am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Göttingen und München und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Die Ergebnisse wurden im April im Fachjournal “Cell Reports“ veröffentlicht.

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In einem Versuch mit Mäusen stellten die Wissenschaftler fest, dass körperliche und geistige Aktivität nicht nur gut für das eigene Gehirn sind, sondern auch die Lernfähigkeit der Nachkommen beeinflussen.

Die Forscher setzen die Mäuse in einer Umgebung aus, in der sie viel Bewegung hatten. Ihre Nachkommen profitierten davon: Die Nachkommen der Mäuse, die sich mit einer körperlich aktiven männlichen Maus paarten, schnitten – im Vergleich zu den Tieren einer Kontrollgruppe – in Lernfähigkeitstest besser ab.

Aktive Väter zeugten klügere Kinder

Darüber hinaus war bei den Mäusekindern der sportlichen Väter die sogenannte synaptische Plastizität im Hippocampus, einer wichtigen Lernregion des Gehirns, verbessert. Synaptische Plastizität ist ein Maß dafür, wie gut Nervenzellen miteinander kommunizieren und ist damit die zelluläre Grundlage für das Lernen.

Diese Mäuse lernten schneller und konnten sich Dinge besser merken – auch wenn die Nachkommen selbst nicht so körperlich aktiv waren wie ihre Väter.

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Danach untersuchten die Forscher, wie dieses Phänomen entsteht. Die Wissenschaftler konzentrierten sich dabei auf die Väter, die körperlich und geistig aktiv waren, und suchten nach der Grundlage der epigentischen Vererbung in deren Spermien – denn diese enthalten neben der väterlichen Erbanlagen auch sogenannte RNA-Moleküle.

Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass diese eine Rolle bei der Übertragung der Lernfähigkeit spielen: Die verbesserte Lernfähigkeit wurde durch die RNA in den Spermien übertragen.

MicroRNAs sind Verantwortlich für diese Vererbung

In weiteren Experimenten mit RNA-Extrakten konnten die Wissenschaftler genauer eingrenzen, welche RNAs für die epigenetische Vererbung verantwortlich sind.

Sie zeigten, dass zwei sogenannte microRNAs – miRNA212 und miRNA132 – zumindest einen Teil der vererbten Lernfähigkeit erklären können. MicroRNAs sind Steuermoleküle, die die Aktivierung von Genen beeinflussen.

“Unsere Arbeiten bringen zum ersten Mal ein ‘epigenetisches’ Phänomen konkret mit bestimmten microRNAs in Verbindung“, sagt Fischer, leitender Wissenschaftler am DZNE und an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG in deren Pressemitteilung.

Beim Menschen ist es noch nicht ganz klar

Die Forscher stellten fest, dass sich die microRNAs nach körperlicher und geistiger Aktivität im Gehirn der Mäuse anreichern – aber auch in den Spermien.

“Hier verändern sie vermutlich sehr subtil die Gehirnentwicklung, so dass die Nervenzellen besser vernetzt sind und die Nachkommen einen kognitiven Vorteil haben“, sagt Fischer.

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Dass körperliche Aktivität und geistiges Training auch bei Menschen die Lernfähigkeit steigert, ist bekannt. Allerdings ist es offenbar bei Menschen nicht ohne weiteres zu untersuchen, ob sich die Lernfähigkeit weiter vererben lässt.

Doch Fischer und seine Kollegen forschen weiter, um zu überprüfen, ob sich auch in menschlichen Spermien nach körperlicher oder geistiger Aktivität die miRNAs anreichern.

(ks)