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22/12/2017 15:54 CET | Aktualisiert 23/12/2017 13:09 CET

Frau will Schwarzen nicht sitzen lassen: Berliner Busfahrer wirft sie raus

"Wenn ich Leute wie Sie angucke, kriege ich Gänsehaut."

  • Ein Berliner Busfahrer hat eine Rassistin des Busses verwiesen

  • Auf Twitter jubeln die Nutzer für dieses Zeichen der Courage und Menschlichkeit

  • Oben im Video: So alltäglich ist Rassismus in Deutschland

Ein Berliner Busfahrer hat offenbar einen rassistischen Fahrgast aus dem Bus geworfen. Und wird nun auf Twitter dafür gefeiert.

Lena Rohrbach twitterte am Freitagvormittag über einen Vorfall, den sie in der Metrobuslinie 41 beobachtet hatte. Der Bus pendelt im Herzen von Berlin.

Danke an den Busfahrer der M41 (of all places), der die Frau, die einen Schwarzen Mann nicht auf dem einzigen freien Platz neben sich sitzen lassen wollte und beleidigt hat, des Busses verwiesen hat. @BVG_Kampagne

— Lena Rohrbach (@Arte_Povera) 22. Dezember 2017

Rohrbach, die bei der Hilfsorganisation Amnesty International arbeitet und am Freitag privat unterwegs war, schildert der HuffPost am Telefon, was sie im Bus beobachtete. Anfangs noch eher nebenbei, später mit Abscheu. 

“Eine Frau stieg ein und fragte eine Dame, die einen Sitzplatz hatte und ein Kopftuch trug, wie weit sie noch fahre und bat sie dann aufzustehen. Offenbar wollte sie sich hinsetzen, weil sie es noch weiter hatte. Ich fand das irritierend, konnte es aber noch nicht einordnen”, erzählt Rohrbach.

“Sie setzen sich hier nicht hin”

Einige Haltestellen später sei dann ein schwarzer Mann zugestiegen und wollte sich auf den offenbar einzigen freien Platz setzen – neben der Frau von vorhin.

“Sie setzen sich hier nicht hin”, sagte die Frau laut Rohrbach. Als der Mann gefragt habe, warum nicht, habe sie so etwas geantwortet wie: “Wenn ich Leute wie Sie angucke, kriege ich Gänsehaut.” Laut und aggressiv sei die Frau da gewesen.

Der Mann, sagt Rohrbach, “wirkte getroffen, hat sich aber nicht weiter geäußert”. Rohrbach sei eine Reihe weiter vorne gesessen und habe dem Mann den Platz angeboten, “aus symbolischen Gründen”, wie sie sagt. Der Mann habe das Angebot aber nicht annehmen wollen.

“Dann kam auch schon der Fahrer und sagte, entweder lasse die Frau den Mann sich hinsetzen oder sie müsse aussteigen”, sagt Rohrbach.

Die Entscheidung der Frau: “Sie stieg aus.”

“Egal, wo du herkommst - bei uns bist du willkommen”

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ist der Vorfall noch nicht im Detail bekannt, wie es auf HuffPost-Anfrage heißt. Man versuche gerade, den Fahrer ausfindig zu machen.

In jedem Fall aber verurteile man Rassismus aufs Schärfste. “Sowohl für unsere Fahrgäste als auch für unsere Kolleginnen und Kollegen, die übrigens aus circa 50 Nationen stammen, gilt: Egal, wo du herkommst, wie du aussiehst, wen oder wie du liebst, an wen oder was du glaubst (oder auch nicht glaubst) – bei uns bist du willkommen.”

Insofern habe der Kollege, wenn sich der Fall bestätigen sollte, “aus unserer Sicht richtig reagiert”. Die Vorstandsvorsitzende, Sigrid Evelyn Nikutta, lässt mitteilen: “Diese Zivilcourage ist vorbildhaft.”

Der BVG weist darauf hin, dass die Entscheidung des Busfahrers auch dann gedeckt sei, wenn sich die Frau nicht einer strafrechtlich relevanten Beleidigung schuldig gemacht habe. Die Beförderungsbedingungen verlangen rücksichtsvolles Verhalten von den Fahrgästen. Halten sie sich nicht daran, darf der Fahrer das “Hausrecht” ausüben. Also: Leute rauswerfen.

“So geht das!”

Auf Twitter gibt es Lob für den Busfahrer: “So geht das! Rassismus im Alltag bekämpfen”, schreibt Benedikt Muhle. Mona Elise jubelt: “Dieser Busfahrer hat menschliche Klasse bewiesen.”

🙂 Dieser #BVG-Busfahrer hat menschlich Klasse bewiesen❣️

— Mona Elise (@MonaMonaelise) 22. Dezember 2017

Folgt man Rohrbach, dann saß im Bus M41 ein sehr souveräner Fahrer am Steuer. “Jetzt sortiert er die völlig überfüllte Weihnachts-M41 liebevoll neu, damit noch ein Rollstuhlfahrer reinpasst. Sind dabei auch noch pünktlich”, schreibt sie kurz darauf.

Jetzt sortiert er die völlig überfüllte Weihnachts-M41 liebevoll neu, damit noch ein Rollstuhlfahrer reinpasst. Sind dabei auch noch pünktlich. I'm in 💘

— Lena Rohrbach (@Arte_Povera) 22. Dezember 2017

Wer die Kommentare der Twitter-User liest, bekommt das Gefühl, als hätten sie sich nach einem solchen Zeichen des Anstands und der Nächstenliebe gesehnt. Sie schreiben: “Frohe und gesegnete Weihnachten! Es tut so gut zu lesen, dass es solche Menschen auch gibt!”

(ll)