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13/06/2018 12:49 CEST | Aktualisiert 13/06/2018 17:46 CEST

"Ich habe nach dem Tod meines Vaters 19 Tage geweint – das hat mir geholfen"

Ohne ihre Freunde wäre Sheila O'Mally nicht wieder auf die Füße gekommen.

kitzcorner via Getty Images
Trauernden fällt es schwer um Hilfe zu bitten. (Symbolbild)
  • Nach dem Tod ihres Vater fiel es der Schriftstellerin Sheila O’Malley schwer klarzukommen. 
  • Dann überraschten ihre Freunde sie mit einer liebevollen Geste und halfen ihr damit, nach vorn zu schauen.

Die Amerikanerin Sheila O’Malley könne sich an vieles nicht mehr erinnern, was in dem Jahr passiert ist, als ihr Vater starb. Die Trauer war zu groß und die alltäglichen Aufgaben zu schwer für sie. 

Sie sei in eine neue Wohnung gezogen, aber auch hier wurde die Trauer nicht weniger. Stattdessen, so schrieb die Schriftstellerin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, sei sie nicht in der Lage gewesen, die Umzugskartons auszupacken. Und zwar für Monate. 

Solche Trauer ist schwer für die Betroffenen. Oft mischen sich Scham und Schuldgefühlen über die Unfähigkeit Dinge zu erledigen unter die Trauer. Viele Trauernde reagieren darauf mit Isolation, die zu mehr negativen Gefühlen führen kann. 

Daraus kann sich eine negativ Spirale entwickeln, die auch zu einer Depression führen kann. Wie geht man damit um, als Trauernder und als Freund? 

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Trauer ist nicht nur für den Betroffenen schwer

Auch für das Umfeld sind Trauer und Depression schwierige Situationen. Man kann Hilfe anbieten, aber jemand der trauert fragt selten selbst danach. Die Schuldgefühle und die Scham können einen davon abhalten, sich zu melden und die Trauer davon, am Leben aktiv teilzunehmen. 

O’Malleys Freunde standen vor dem selben Problem. Einer von ihnen habe deswegen einen Weg gewählt, der auch nach hinten hätte losgehen können, wie die Frau schrieb. 

Nachdem ihr guter Schulfreund ihr immer wieder gesagt habe, wie wichtig und geliebt sie sei, habe er zu extremeren Maßnahmen gegriffen. 

“Ich hätte mich wirklich angegriffen fühlen können, aber er ist das Risiko eingegangen”, schrieb sie in einem Post. Ohne ihr Wissen habe er eine Mail an ihre Freunde geschickt und ihnen gesagt, dass sie Hilfe brauchen würde. “Lasst uns alle zu ihr gehen und ihre Wohnung für sie fertig machen. Bringt Essen mit. Lasst es uns witzig machen.”

Zehn ihrer Freunde habe er animieren können und so habe es an einem Donnerstagabend ihrer Wohnungstür. Bewaffnet mit Essen und Putzzeug hätten ihre Freunde dort gestanden und, sich über jeden Protest hinwegsetzend, begonnen, die Umzugskartons auszupacken. 

“Sie packten meine Kartons aus. Räumten meine 1500 Bücher weg. Hängten meine Bilder für mich auf. Sie organisierten meinen Kleiderschrank und hängten all meine Kleider auf. Nebenbei baute jemand in meiner Küche eine Taco-Station auf. Menschen brachten Bier mit. Am Ende der Nacht, war meine Wohnung komplett fertig”, schrieb O’Malley. 

Da ihre Freunde wüssten, dass es ihr schwer falle, selbst Hand anzulegen, hätten sie alles übernommen. Eine ihrer Freundinnen habe sie sogar weg geschickt, als sie sich bemüht hätte, eine Entscheidung über den Platz für ein Bild zu treffen. 

“Und sie war so viel besser als ich darin, Bilder aufzuhängen. Hier sind meine Freunde, wie sie meine Bücher einräumen.”

“Als ich all meine verrückten Freunde sah, die sich in Weihnachtswichtel verwandelten, war ich überwältigt. Sie taten es für mich. Ohne, dass ich darum hatte bitten müssen. Sie tauchten einfach auf und kamen rein. Für ungefähr zehn Minuten war ich peinlich berührt, aber sie waren alle so pragmatisch und bestimmend, dass ich keine andere Chance hatte, als sie machen zu lassen.”

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Die Schriftstellerin erklärte auf Twitter, dass sie sich von ihren Freunden verstanden gefühlt habe. “Der ‘Frag nach Hilfe’- Ratschlag ist gut gemeint, aber nicht wirklich durchdacht. Da ist Scham, da ist auferlegte Hilflosigkeit, da ist das Gefühl, dass du es nicht wert bist, etc. Meine Freunde warteten nicht, bis ich um Hilfe bat. Sie kamen vorbei. Sie übernahmen. Sie haben nicht gefragt.”

Als sie nach vier Stunden wieder gegangen wären, hätte sich die Wohnung endlich wie ein Zuhause angefühlt. “Nicht nur, dass alles ausgepackt war – jetzt waren auch Erinnerungen mit der Wohnung verbunden, eine gemeinsame Erinnerung, Freunde, Lachen, schmutzige Witze, harte Arbeit. Das sind die Art von Freunden, die ich habe. Sei dieser Freund für andere.”

(ks)