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08/03/2018 12:31 CET | Aktualisiert 08/03/2018 14:13 CET

Angestellte hat Alzheimer: Supermarkt-Chef reagiert beispielhaft

Statt einer Kündigung bekommt sie einen neuen Job.

  • Eine Britin erkrankt an Alzheimer und kann deshalb ihren Beruf bei einer Supermarktkette nicht mehr ausüben
  • Statt ihr zu kündigen, findet ihr Arbeitgeber eine andere Lösung

Bereits mit Anfang 50 zeigt die Mutter des Briten Doron Salomon erste Anzeichen von Alzheimer. Sechs Jahre später bekommt sie dann die Diagnose. Das berufliche Aus für die Buchhalterin der Supermarktkette “Sainsbury’s”?Keineswegs.

Ihr Arbeitgeber hält jahrelang an der Frau fest, passt ihren Beruf immer wieder an ihren gesundheitlichen Zustand an und schafft sogar einen neuen Job für sie. 

► Der Sohn der Frau machte die rührende Geschichte jetzt auf Twitter öffentlich und bedankt sich bei der Supermarktkette.

Statt einer Kündigung erhält die Erkrankte einen neuen Job

► Früher sei seine Mutter eine sehr organisierte Person gewesen, die gut mit Zahlen umgehen konnte, schreibt Doron Solomon auf Twitter. Doch dann zeigten sich erste Symptome der Krankheit Alzheimer.

Schnell sei klar gewesen, dass sie ihren Job als Buchhalterin bei der Supermarktkette “Sainsbury’s” nicht mehr erfolgreich ausführen könne.

Deshalb bot ihr Chef ihr 2012 eine weniger anspruchsvolle Stelle als “Picker” an. In ihrem neuen Beruf stellte sie daraufhin die Online-Bestellungen von Kunden im Supermarkt zusammen.

Die definitive Diagnose Alzheimer bestätigten die Ärzte Solomons Mutter etwa ein Jahr später. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Arbeitgeber regelmäßig über den Gesundheitszustand seiner Mutter informiert, erklärt Solomon.

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Vorgesetzte und Mitarbeiter sorgen für ein geeignetes Arbeitsumfeld

Wie die Verantwortlichen bei “Sainsbury’s” auf die Alzheimer-Erkrankung seiner Mutter reagiert haben, sei herausragend gewesen, sagt Solomon.

► Ihre Vorgesetzten haben ihr regelmäßige Umschulungen angeboten, passten ihre Arbeitszeiten an und trafen sich regelmäßig mit Solomons Eltern, um gemeinsam über die berufliche Zukunft seiner Mutter zu sprechen, erklärt der dankbare Sohn auf Twitter.

Außerdem hätten die Verantwortlichen bei “Sainsbury’s” die Kollegen seiner Mutter informiert, damit diese ihr helfen konnten.

► Solomon sagt: “Jeden Tag im letzten Jahr ging meine Mutter so verwirrt in den Laden, als sei sie nie zuvor dort gewesen.” Trotzdem sei die Firma ihr beigestanden und habe dafür gesorgt, dass sie mit Würde in den Ruhestand gehen konnte.

 “Gefühl von Selbstwert und Stolz”

Zuletzt war seine Mutter für die Reinigung der Einkaufs-Körbe zuständig, erklärt Solomon. Ihre Berufsbezeichnung habe sich dennoch nie geändert.

► “Für meine Mutter wurde das Reinigen der Einkaufskörbe zur wichtigsten Aufgabe der Welt”, schreibt Solomon.

Außerdem ist er sich sicher: “Das Gefühl von Selbstwert und Stolz half ihr zweifellos, mit den Auswirkungen ihrer Alzheimer-Erkrankung umzugehen.” 

Der Arbeitgeber reagierte beispielhaft

Zuspruch und Anerkennung für den Umgang mit der demenzkranken Mitarbeiterin bekommt “Sainsbury’s” nicht nur von zahlreichen Twitter-Nutzern. Auch die Organisation”Alzheimer’s Research UK” lobt das Verhalten des Arbeitgebers.

► Die Experten betonen, wie wichtig es sei, Menschen mit Demenz dabei zu helfen, ein aktiver Teil ihrer Gemeinschaft zu bleiben. Das könne großen Einfluss auf ihre Lebensqualität haben.

Auch die Hinweise der “Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.” zum Umgang mit Betroffenen zeigen, dass sich die Verantwortlichen bei “Sainsbury’s” genau richtig verhalten haben.

► “Durch die Aufteilung von Handlungen in einzelne Schritte und durch geeignete Hilfestellungen kann oft ein hohes Maß an Selbständigkeit erhalten bleiben”, schreiben die Experten der Organisation.

(ujo)