POLITIK
24/07/2018 19:03 CEST | Aktualisiert 25/07/2018 08:50 CEST

"Ausländer raus": Fußballteam nahe Frankfurt von Volksfest vertrieben

Ein Video zeigt die ungeheuerlichen Szenen.

  • Kewin Siwek war mit seiner Fußballmannschaft im Trainingslager und besuchte ein Volksfest.
  • Dabei kam es zu üblen rassistischen Angriffen, wie er auf Facebook schildert. 
  • Im Video oben ein verwandtes, tagesaktuelles Thema: “Multikulti ist Kuddelmuddel“: Das ist DFB-Boss Grindels Rede, die Özil scharf kritisiert.

 Das Bild ist undeutlich, die Worte jedoch umso deutlicher.

“Ausländer raus, Ausländer raus”, skandiert eine Menschenmenge in einem Ort in der Nähe von Frankfurt.

Andere schreien “Du Pisser” und “alle tot”.

Man kann nicht erkennen, wer da schreit. Das Video zeichnete Kewin Siwek mit seinem Handy in der Dunkelheit auf. 

Er war zu dieser Zeit mit seiner Fußballmannschaft “1. Spvgg Dietesheim” auf einem Volksfest im Main-Kinzig-Kreis.

“Lauft, lauft!”

Die rassistischen Angriffe, die auf dem Video zu hören sind, galten ihm und seinem Team. 

Man hört in dem Video weiter, wie sich die Jungs zurufen: “Auf, auf, alle rein, komm, komm. Lauft, lauft!”. Das Video verschwimmt, Siwek beendet die Aufnahme und flüchtet mit seiner Mannschaft ins Hotel.

Es sind ungeheuerliche Jagdszenen, die Siwek in einem Beitrag auf Facebook ausführlich beschreibt und zu denen nun auch die Polizei ermittelt.

“Im Trainingslager ist uns etwas widerfahren, was kaum in Worte gefasst werden kann”, schreibt er. Um den “Teamgeist zu stärken”, sei man auf ein Volksfest in der Nähe des Hotels gegangen.

“Arbeit macht frei”-Sprüche

“Wir merkten jedoch bereits am Eingang zum Festzelt an den Blicken der Einheimischen sehr schnell, dass wir dort aus unerklärlichen Gründen nicht ganz willkommen waren”, heißt es in dem Facebook-Post.

Einen Mannschaftskollegen mit “deutlich erkennbaren Migrationshintergrund” sei mit voller Absicht ein Getränk über seine Schuhe geschüttet worden.

Und T-Shirts mit dem Aufdruck “manche führen, manche folgen” trug man dort mit einer Selbstverständlichkeit eines lustigen Abiturspruchs.

“Doch als mir jemand dann weis machen wollte, dass er sich den Führer zurückwünscht und mit dem Satz: ‘Arbeit macht frei’ ankam, war uns klar, dass uns die Wahrnehmung am Eingang nicht getäuscht hat.”

“Wurden wie Schafe von Wölfen ins Hotel getrieben”

Später sei es zu einer Rangelei gekommen - “zwischen einem Mannschaftskollegen und einem eifersüchtigen jungen Mann.” Das habe das Ende des Besuchs ausgelöst.

“Wir wurden daraufhin wie Schafe von Wölfen ins Hotel getrieben und mussten uns jegliche Art von Beleidigungen und Androhungen anhören” – wie im Video zu hören.

Als Siwek im Hotel ankam, habe er erstmal geweint.

“Geweint, weil ich mich hier in Deutschland zu Hause fühle und dankbar dafür bin, welche Möglichkeiten man mir hier bietet. Geweint, weil ich die Werte, für welches dieses Land steht, mit Stolz vertreten habe und vertreten werde. Geweint, weil mir mein Jura-Studium Werte aus dem Grundgesetz vermittelt und solch ein Verhalten normalerweise unter Strafbarkeit stellt. Geweint, weil mir noch nie so viel Hass entgegengebracht wurde, nur weil mein Geburtsort und der Geburtsort paar wenigen Mannschaftskollegen ein anderer als Deutschland ist.”

Seinen Beitrag beendet er mit einem emotionalen Appell.

“Liebes Deutschland, bitte begehe nicht die gleichen Fehler, die vor nicht einmal 100 Jahren so viel Schaden und so viel Leid der Menschheit zugefügt haben”, schreibt er.

Und weiter: “Ich glaube an euch.”

(chr)