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14/06/2018 16:34 CEST | Aktualisiert 14/06/2018 17:56 CEST

Forscher haben Amerikaner gefragt, wie Gott aussieht – mit überraschendem Ergebnis

“Menschen neigen dazu, an einen Gott zu glauben, der ihnen ähnlich sieht.”

  • Forscher der Chapel-Hill-Universität im US-Bundesstaat North Carolina haben 511 Amerikaner gefragt, wie Gott aussieht.
  • Das Ergebnis ist überraschend und erschreckend zugleich.

Plastische oder gemalte Gottesbilder gibt es in jeder Religion: “Von Michaelangelo bis Monty Python haben populäre Illustrationen immer wieder gezeigt, dass Gott ein alter und weißbärtiger Mann ist”.

Das schreibt das Team von Psychologen in der Einleitung ihrer Studie an der amerikanischen Universität in Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina.

Das Forscherteam hat sich mit der Frage beschäftigt: Wenn Gott ein Gesicht hätte, wie würde es aussehen?

Für die Studie befragten Forscher Amerikaner mit unterschiedlichen Abstammungen

Hierfür haben die Forscher knapp 511 Amerikaner befragt und sind zu folgender Antwort gekommen: Für die meisten Menschen sieht er wie ein jung wirkender, freundlicher, weißer Mann aus.

330 Männer und 181 Frauen, davon 26 Prozent schwarzer und 74 Prozent weißer Abstammung, haben an der Umfrage teilgenommen.

In ihrem Wissenschaftsjournal beschrieben die Forscher: “Zusammen tragen diese Ergebnisse dazu bei, ein Bild eines amerikanischen Gottes zu zeichnen, der vielleicht nicht biblischen oder historischen Darstellungen ähnelt. Das Gesicht dieses modernen Gottes erschien freundlicher und zugänglicher als die Gottesdarstellung der Sixtinischen Kapelle (...) des 16. Jahrhunderts.”

Gegenüber der amerikanischen TV-Sendung “NBC News” sagte Kurt Gray, Leiter der Studie: “Menschen neigen dazu, an einen Gott zu glauben, der ihnen ähnlich sieht.”

Da viele Teilnehmer nun mal männlich und weiß gewesen seien, sei es nicht verwunderlich, dass sich diese Menschen einen jungen, weißen Gott vorgestellt haben.

Was Gray allerdings verblüffte: Egal ob Männer, Frauen, weißer oder schwarzer Abstammung – alle gingen davon aus, dass Gott weiß ist.

Menschen lassen sich von den kirchlichen Ideologien beeinflussen

Das ist ein überraschendes, wenn nicht zugleich erschreckendes Ergebnis. Denn: Es zeigt, wie sehr wir Menschen uns von der Kirche beeinflussen lassen. Und, dass Religionen immer noch nicht frei in ihrem Denken sind, wenn es um ihren Gott geht.

Gray hat bereits eine Erklärung für dieses Ergebnis: “Ich denke, das liegt daran, dass Christen seit Jahrtausenden dazu gebracht werden, Gott als männlich und weiß zu betrachten. Es ändert sich jetzt ein wenig, aber die kirchlichen Hierarchien sind immer noch überwiegend männlich und größtenteils weiß.”

Als Beispiel nennt Kurt Gray die katholische Kirche: Hier sei der Papst männlich und die Priester alles nur Männer.

Auch die politische Gesinnung spielt eine Rolle dabei, wie wir Gott einschätzen

Aber nicht nur die kirchliche Prägung spielte bei der Wahrnehmung von Gott eine Rolle. Ebenso die politische Meinung.

So sahen Konservative in ihren Gott einen weißen und stark Mann. Währenddessen Liberale Gott als jüngeren, liebevollen Menschen einschätzten.

Wie Joshua Conrad Jackson, Hauptautor der Studie, erzählte: “Frühere Forschungen zeigen, das Konservative motivierter als Liberale sind, in einer wohlgeordneten Gesellschaft zu leben, die am besten von einem mächtigen Gott regiert wird.”

Zudem fügte er hinzu: “Auf der anderen Seite sind Liberale eher motiviert, in einer toleranten Gesellschaft zu leben, die von einem liebenden Gott besser geregelt wird.” 

(kru)