LIFESTYLE
14/03/2018 17:07 CET

Forscher versprechen ewiges Leben – die Sache hat nur einen Haken

Und der ist fatal.

Getty Images/iStockphoto
Das Start-Up Nectome will die Gehirne von Menschen für bis zu Tausende Jahre präservieren. 
  • Ein Startup aus den USA hat einen verwegenen Plan: Es will den Menschen die Unsterblichkeit ermöglichen
  • Paradoxerweise sieht der Plan des Unternehmens vor, seine Probanden zunächst einmal umzubringen

“Muss ich denn sterben, um zu leben?”, sang einst Falco. Die Antwort der Forscher eines futuristischen Startups in den USA ist ein eindeutiges: Ja. 

Denn die Firma Nectome verspricht zwar das ewige Leben – aber vorher will sie ihre Kunden noch umbringen. Es ist ein absurder Plan. 

Doch noch absurder ist: Er könnte funktionieren. 

Bewusstseinserweiterung: Vom Gehirn in die Cloud

Zumindest in der Theorie. Die sieht laut dem Fachportal “Technology Review” der Elite-Universität MIT bei Nectome wie folgt aus: 

► “Was wenn wir die sagen, dass wir dein Bewusstsein kopieren können?”, heißt es auf der Website von Nectome. Genau das ist der Kern des Plans für das ewige Leben, den das Unternehmen gefasst hat.

► Grundsätzlich geht es darum, eine perfekte Kopie des menschlichen Gehirns zu erstellen. 

► Nectome beruft sich bei diesem Vorhaben auf neue Erkenntnisse in der Neurologie: Laut diesen findet sich im Hirn das sogenannte Connectome – ein für jeden Menschen individuelles Netzwerk an Synapsen und Neuronen, aus denen sich Erinnerungen und Bewusstsein zusammensetzen sollen. 

► Die Forscher von Nectome wollen dieses Netzwerk konservieren, indem sie eine chemische Substanz in die Körper und Gehirne ihrer Kunden pumpen, die sie wie zu Glas erstarren lässt. So soll das Bewusstsein der Menschen bis zu Tausende Jahre erhalten werden – als Hardware, sozusagen.

► Die Hoffnung hinter der Idee ist, dass in (ferner) Zukunft Technologien existieren, um das Bewusstsein aus dem “eingefrorenen” Gehirn in einen Computer hochzuladen – und so ein ewiges Leben zu ermöglichen. 

Mehr zum Thema: Berliner Arzt findet heraus: Das passiert kurz vor dem Tod im Gehirn

Science – oder Science Fiction? 

Die von Nectome vorgeschlagene Prozedur hat laut dem Firmenmitgründer Robert McIntyre nur einen Haken. Er sagte “Technology Review”: “Sie ist zu 100 Prozent tödlich.” 

Es ginge jetzt darum, Menschen davon zu überzeugen, dass die Technologie funktioniere. “Die Erfahrung der Nutzer wird genauso sein wie bei einem ärztlich assistierten Selbstmord”, wirbt McIntyre für Nectome. 

Und tatsächlich scheint die Idee des hirngefrosteten ewigen Lebens bereits einige Interessenten anzuziehen. Laut der “Technology Review” haben bereits 25 Menschen für 10.000 US-Dollar einen Platz auf der Warteliste für die Prozedur gekauft. 

Ein 32-Jähriger Investor sagte “Technology Review”, er sei sich sicher, dass noch zu seinen Lebzeiten das menschliche Bewusstsein digitalisiert werden könne. “Ich gehe davon aus, dass mein Gehirn in die Cloud geladen wird.”

In der Tat hat Nectome schon fast eine Millionen Dollar Fördergeld von einem Wissenschafts-Fond der US-Regierung zugesprochen bekommen 

Doch es gibt auch deutliche Kritik an der Idee der Firma. Der Neurologe Michael Hendricks von der McGill University hatte schon 2015 in einem Beitrag für die “Technology Review” die Idee, das menschliche Bewusstsein zu digitalisieren, als “kläglich falsche Hoffnung” und “falsche Wissenschaft” beschrieben. 

Zu Nectome sagte er nun: “Zukünftige Generationen mit unseren Gehirn-Datenbanken zu belasten ist die pure Arroganz. Das ist ein Witz, oder? Das sind doch Bösewichte aus einem Cartoon.” 

(lp)