WIRTSCHAFT
05/11/2018 17:53 CET

Flugtaxi-Unternehmer aus Bayern: "Wir wollen das nächste Daimler werden"

Daniel Wiegand arbeitet seit 2013 an seiner Idee eines Flugtaxis – mit der er den Verkehr revolutionieren will.

Niklas Scheuble

Als Dorothee Bär im März in ihr Amt als Staatsministerin für Digitalisierung startete, löste sie sofort eine Debatte aus. Allerdings nicht über die Digitalisierung in Deutschland, sondern über Flugtaxis, die die CSU-Politikerin sich wünschte.

Viel Häme schlug Bär entgegen. Dabei ging es ihr eigentlich um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands, zu der eben auch neue Mobilitätskonzepte gehören.

Das Flugtaxi kam dabei auch nicht von ungefähr. Bär kannte das Startup Lilium aus München. Einer der vier Gründer des Startups ist Daniel Wiegand, der seit 2013 an der Idee des Flugtaxis arbeitet.

“Glauben nicht an das Next-Big-Thing”

Die Idee: Das Flugtaxi kann senkrecht starten wie ein Helikopter und soll künftig auf kurzen und mittleren Strecken Autos ersetzen.

Angetrieben werden die Lilium-Taxis mit einem E-Motor. 2017 hob ein unbemannter Prototyp ab, für 2019 ist ein bemannter Flug geplant. Wenn es nach Wiegand geht, soll 2025 jedermann ein Flugtaxi buchen können.

Flugtaxis sollen die Fahrtzeiten in urbanen Gebieten extrem verkürzen. Von Manhattan in New York bis zum Flughafen JFK sollen die Flugtaxis im Vergleich mit einem normalen Taxi bis zu zehn Mal schneller sein. 

Dass Startup-Gründer radikale Ideen wie die von Lilium verfolgen, ist selten in Deutschland. Grund genug für Dorothee Bär bei ihrem Einstand als Gastchefredakteurin in der HuffPost-Redaktion Lilium-Gründer Wiegand zu interviewen: Zum Stand seiner Innovation und zur Startup-Landschaft in Deutschland.

Dabei lobte Wiegand zuerst einmal den Technologiestandort Deutschland: “Wir haben uns aktiv überlegt, ins Silicon Valley zu gehen”, erklärte Wiegand. Aber sie hätten sich am Ende für den Standort München entschieden. Viel Know-How sei da und die wichtigen Zulieferer.

Lilium soll das nächste Daimler werden

Das war es aber dann auch schon mit dem Lob für den Startup-Standort Deutschland. Wiegand kritisierte, dass Deutschland trotz Technologieführerschaft in Bereichen wie der Raumfahrt diese nicht aktiv vorantreibe.

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Das Flugtaxi des Münchener Startups Lilium.

 

Das sei oft auch ein kulturelles Problem, technische Innovationen würden in Deutschland zu zögerlich adaptiert.

Dabei sei nicht mal Technikskepsis per se das Problem. Vielmehr fehle die Begeisterung für Visionen; wie eben die, den Verkehr in den Städten und urbanen Einzugsgebieten mit Flugtaxis zu revolutionieren.

“Wir tun uns schwer, an das Next Big Thing zu glauben”, klagt Wiegand.

Daniel Wiegand, einer von vier Lilium-Gründer. 

Er selbst tut es offensichtlich. Auf die Frage von Bär, ob er mit Lilium zum Daimler der Flugtaxi-Hersteller werden wolle, antwortete Wiegand: “Absolut”. 

An die Adresse der Politik richtete Wiegand konkrete Forderungen. Studenten bräuchten mehr Geld, um eigene Projekte umsetzen zu können. So habe Wiegand sein erstes Elektrotriebwerk mit dem Geld der Eltern und Sponsoren bauen müssen. Von der Uni bekam er nur 200 Euro.

Das sei auch der entscheidende Vorteil der US-Universitäten: Sie würden viel mehr Geld für innovative Projekte zur Verfügung stellen.

Wiegand wünschte sich auch einen kulturellen Wandel: Gründer zu werden, brauche mehr Ansehen. Dann würden auch mehr junge Menschen den Schritt wagen. Außerdem forderte Wiegand mehr Unterstützung und Mut von Investoren. Viele seien in Deutschland zu zögerlich, zu konservativ und radikalen Idee zu wenig aufgeschlossen.

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