POLITIK
26/07/2018 09:35 CEST | Aktualisiert 26/07/2018 09:39 CEST

Flüchtlinge: Was ein Satiriker zur Lage im Mittelmeer sagt, solltet ihr hören

Die Debatte bleibt hitzig.

SOPA Images via Getty Images
  • Im Mittelmeer sterben so viele Flüchtlinge wie seit Monaten nicht.
  • Derweil stehen Seenotretter vor Gericht. Ein Schweizer Satiriker fasst zusammen, wie absurd das ist. 

Auf dem Mittelmeer sterben weiter Menschen. So viele wie lange nicht.

1490 Flüchtlinge sind dieses Jahr bereits bei der Überfahrt nach Europa ums Leben gekommen. Allein im Juni waren es 629 Tote.

Die Zahlen schießen wieder nach oben, seit Seenotrettungsorganisationen die Arbeit systematisch erschwert wird. Mehrere Schiffe, darunter die “Lifeline”, wurden in Malta festgesetzt, die EU-Mission “Sophia” zudem zuletzt kurzzeitig unterbrochen.

“Lifeline”-Kapitän Claus-Peter Reisch steht bald auf Malta vor Gericht. Der Vorwurf: Das Schiff soll nicht ordnungsgemäß registriert sein. Für Reisch sind dies vorgeschobene Argumente. Das Schiff laufe regulär unter holländischer Flagge.

Es ist eine zunehmend absurde Debatte, zu der der Schweizer Satiriker Renato Kaiser nun passende Worte fand. Laut der Schweizer Zeitung “Der Bund” sagte Kaiser: “Zurzeit stehen Leute vor Gericht, weil sie Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben. Das ist etwa so, wie wenn Leute vor Gericht ständen, weil sie Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben.”

Es gibt keine Beweise für eine “Sogwirkung” 

Der Satz bringt auf den Punkt, welche untergeordnete Rolle Menschlichkeit in der Diskussion zuletzt spielte.

Privaten Seenotrettern wird so immer wieder vorgeworfen, als “Shuttle Service” für Migranten aus Afrika zu agieren. Durch das Retten der Menschen würde zudem eine “Sogwirkung” entstehen – mehr Menschen würden sich durch die gute Aussicht, nach Europa zu gelangen, auf den Weg machen.

Für solche “Anziehungswirkungen” gibt es allerdings keine Belege.

Im Gegenteil: Zur Zeit des EU-“Mare-Nostrum”-Programms kamen laut “Zeit Online” 45.446 Menschen in Europa an, etwa einer aus 49 Flüchtlingen starb.

Nachdem die Mission beendet wurde, erhöhte sich die Zahl der Ankünfte  sogar auf 63.637. Dafür stieg die Todesrate auf 1 aus 36.

Das zeigt: Durch schlechter koordinierte Seenotrettung kommen nicht weniger Flüchtlinge an, aber es sterben mehr.

Wie hilfreich die Verfahren gegen Reisch und seine Kollegen sind, sollte daher in Zweifel gezogen werden..