WIRTSCHAFT
25/02/2018 08:58 CET | Aktualisiert 25/02/2018 09:06 CET

Flüchtlinge können Fachkräftemangel lösen

Das bestätigen Unternehmer des Mittelstands in einer Umfrage.

CHRISTOF STACHE via Getty Images
Ein syrischer Flüchtling mit Verteidigungsministerin von der Leyen und einem Bundeswehr-Kommandanten (l.) 
  • Deutsche Unternehmer sagen: Flüchtlinge helfen, ihren Fachkräftemangel zu mildern
  • Die Stimmung im Mittelstand ist deutlich positiver als im Vorjahr

Immer mehr deutsche Mittelständler setzen im Kampf gegen den Fachkräftemangel auf Flüchtlinge.

► Zwei Drittel sind der Ansicht, dass geflüchtete Menschen mittelfristig dazu beitragen werden, den Fachkräftemangel zu mildern. Das ergab eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage der Beratungsgesellschaft EY.

► Vor einem Jahr erwarteten dies nur 45 Prozent der Mittelständler.

► Zehn Prozent der Betriebe gingen aktuell sogar von einer erheblichen Verbesserung der Fachkräftesituation durch die Flüchtlinge aus.

Deutlich mehr Firmen setzen auf Flüchtlinge

Die Zahl mittelständischer Betriebe, die Flüchtlinge beschäftigen, nahm zudem deutlich zu.

► Waren es vor einem Jahr noch 16 Prozent der Unternehmen, ist es nun bereits mehr als jeder vierte mittelständische Betrieb (27 Prozent).

► Weitere 52 Prozent der Betriebe sind demnach grundsätzlich bereit, Geflüchtete zu beschäftigen.

► Zehn Prozent der befragten Unternehmen lehnten dies grundsätzlich ab.

Der Fachkräftemangel werde für den deutschen Mittelstand immer bedrohlicher und koste massiv Wachstum, sagte EY-Mittelstandspartner Michael Marbler.

Noch nie sei es den Unternehmen so schwer gefallen, Fachkräfte zu finden.

► Der Anteil der Betriebe, die große Probleme bei der Rekrutierung haben, habe sich von 16 Prozent im Jahr 2015 auf aktuell 27 Prozent erhöht.

► Weitere 53 Prozent der Betriebe gaben an, dass ihnen die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern “eher schwer” fällt.

Mehr zum Thema: Rund 60 Prozent der Beschäftigten aus Asylländern arbeiten als Fachkraft

So hart trifft die Unternehmen der Mangel

Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Mittelständler beklage inzwischen Umsatzeinbußen aufgrund des Fachkräftemangels. 2017 waren es noch 53 Prozent. Dem deutschen Mittelstand entgingen dadurch hochgerechnet mehr als 50 Milliarden Euro im Jahr.

Nirgendwo ist ein solches Potenzial zu finden. EY-Mittelstandspartner Michael Marbler

Die Job-Integration von Flüchtlingen koste Zeit und Geld, betonte Marbler. Das könne sich im Kampf gegen den Fachkräftemangel aber lohnen: “Schließlich ist nirgendwo sonst ein so großes Potenzial an möglichen Beschäftigten zu finden.”

Für ihr Mittelstandsbarometer hat die Gesellschaft deutschlandweit 2000 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens einer Milliarde Euro Umsatz befragt.

Als wichtigstes Einstellungshindernis für Flüchtlinge sehen die Unternehmen weiter mangelnde Deutschkenntnisse: 83 Prozent nannten dies als größtes Problem - so viele wie im vergangenen Jahr.

Weitere Hindernisse sind mangelnde Qualifikation (55 Prozent; Vorjahr: 46 Prozent) und hoher bürokratischer Aufwand (34 Prozent; Vorjahr: 37 Prozent).

Vor allem in der Kraftfahrzeugbranche und in Transport- und Bauunternehmen mache sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Probleme bei der Personalsuche hätten Unternehmen in ganz Deutschland. Am besten sei die Situation noch in Nordrhein-Westfalen.

Am schwersten hätten es Mittelständler in den ostdeutschen Bundesländern.