POLITIK
14/12/2017 11:51 CET | Aktualisiert 14/12/2017 13:55 CET

Im Rollstuhl durch den Krieg: Wie zwei syrische Jungs ihr Leben als Flüchtlinge meistern

An einem verregneten Tag blieb Hikmat mit seinem Rollstuhl im Schlamm stecken. So lernte er Abdullah kennen.

  • Im Flüchtlingslager Zataari in Jordanien leben 80.000 syrische Flüchtlinge
  • Zwei davon sind der 11-jährige Abdullah und der 12-jährige Hikmat, der im Rollstuhl sitzt
  • In dem Video oben und der HuffPost UK haben die beiden die besondere Geschichte ihrer Freundschaft erzählt

“Als ich Hikmat das erste Mal gesehen habe, hat es geregnet. Niemand war da, um seinen Rollstuhl zu schieben, also habe ich ihm geholfen”, erzählt der 11-Jährige Abdullah.

Seit seine Familie vor fünf Jahren aus Syrien geflohen ist, lebt er im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien. Derzeit sind dort 80.000 syrische Flüchtlinge untergebracht. In Zataari hat Abdullah seinen besten Freund Hikmat kennen gelernt.

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Hikmat hat eine körperliche Behinderung. Er sitzt im Rollstuhl. “Zuhause komme ich alleine zurecht”, sagt Hikmat. “Wenn ich auf’s Klo muss, krieche ich dorthin.” Den Weg vom Lager zur Schule kann der 12-Jährige mit dem Rollstuhl meist gut bewältigen. Nur, wenn es regnet, kann es sein, dass er im Schlamm stecken bleibt.

So wie am Tag, an dem er Abdullah kennenlernte. “Am nächsten Tag habe ich ihn wieder geschoben und wir haben uns besser kennen gelernt”, erzählt Abdullah. “Es macht mir Spaß mit Hikmat auf Erkundungstour zu gehen.”

Andere Kinder hänseln Hikmat wegen seiner Behinderung

Abdullahs Mutter erzählt, ihr Sohn hätte früher öfter Ärger gemacht. Durch die Freundschaft mit Hikmat sei er jedoch viel höflicher geworden. “Abdullah ist nett zu mir. Er ist ein guter Junge”, findet Hikmat.

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Die Kinder besuchen eine Schule, die von der Hilfsorganisation Unicef gesponsert wird. Andere Mitschüler hänseln Hikmat wegen seiner Behinderung, aber Abdullah ist immer da, um ihn zu verteidigen.

“Die anderen Jungs nennen ihn einen Krüppel und sagen, dass er dumm sei. Das finde ich nicht in Ordnung”, berichtet Abdullah. “Wenn ich höre, dass sie soetwas sagen, nehme ich ihn in den Schutz, weil er mein Freund ist.”

Der Krieg in Syrien zieht sich bereits über sieben Jahre und hat mehr als eine halbe Million Tote gefordert. Über fünf Millionen Menschen mussten fliehen. Und der blutige Konflikt dauert an.

In Syrien benötigen sechs Millionen Kinder dringend humanitäre Hilfe – das sind zwölfmal mehr als noch im Jahr 2012. Und in den Nachbarländern wie der Türkei, dem Libanon, Ägypten, Irak und hier, in Jordanien, leben noch einmal zweieinhalb Millionen Kinder als Flüchtlinge.

Dieser Text erschien zuerst bei HuffPost UK und wurde von Anna Rinderspacher übersetzt und editiert.

(jg)