POLITIK
31/12/2018 20:47 CET | Aktualisiert 31/12/2018 20:48 CET

Mehr Flüchtlinge im Ärmelkanal: Großbritannien ruft Schiffe aus Mittelmeer zurück

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dpa
Mitglieder des Grenzschutzes patrouillieren im Hafen von Dover auf einem Schlauchboot.

► Die britische Regierung hat zwei Schiffe für Patrouillenfahrten im Ärmelkanal aus dem Mittelmeer abberufen. Das teilte der britische Innenminister Sajid Javid am Montagabend in London nach einer Krisensitzung mit.

► Eines der beiden Schiffe ist bislang in humanitärer Mission für die europäische Grenzschutzagentur Frontex im Einsatz.

► Grund für den Schritt ist die steigende Zahl der Flüchtlinge, die versuchen mit kleinen Booten von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen. “Es geht darum, Menschenleben zu schützen, aber auch um den Schutz unserer Grenzen”, sagte Javid.

Darum ist die Verlegung der Schiffe in den Ärmelkanal wichtig:

Der Einsatz der Schiffe im Ärmelkanal ist umstritten, er gilt als einer der befahrensten Seewege der Welt. Aber auch das verhältnismäßig milde Wetter gilt als Grund für die Häufung der Fälle.

Nach Ansicht von Kritikern könnte die erhöhte Präsenz britischer Schiffe einige Migranten erst dazu ermutigen, die Überfahrt anzutreten, weil sie eher darauf hoffen können, gerettet und nach Großbritannien gebracht zu werden.

Labour-Innenexpertin Diane Abbott warf der Regierung hingegen am Montag vor, die Lage für die Mitte Januar anstehende Parlamentsabstimmung über das mit Brüssel ausgehandelte Brexit-Abkommen auszunutzen. “Die Leute werden mit Einwanderungsfragen aufgestachelt, weil die Regierung denkt, dass es der beste Weg ist, um die Leute dazu zu bringen, für ihren Deal zu stimmen”, sagte Abbott dem “Guardian”.

Der Schlüssel zu dem Problem liege in der Kooperation mit den französischen Behörden und darin, Migranten an der Reise zu hindern sowie kriminelle Organisationen zu bekämpfen, betonte Javid.

Was ihr über noch über die Flüchtlingszahlen am Ärmelkanal wissen müsst:

Im Jahr 2018 haben dem britischen Innenministerium zufolge 539 Menschen probiert, die Meeresenge in kleinen Booten zu überqueren, 434 davon allein seit Anfang Oktober. 227 Migranten seien noch von den französischen Behörden gestoppt worden.

Viele der Migranten geben an, aus dem Iran zu stammen. Laut einem BBC-Bericht werden sie von Schleppern wegen des anstehenden EU-Austritts unter Druck gesetzt, die gefährliche Überfahrt noch in diesem Winter zu unternehmen. Danach, so die Drohung, würden die Kontrollen weiter verschärft.