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12/11/2018 11:14 CET | Aktualisiert 12/11/2018 14:39 CET

Flixbus-Gründer Daniel Krauss über die Mobilität der Zukunft

"Ich wünsche mir die Liberalisierung die im Fernbusmarkt stattgefunden hat in noch viel mehr Bereichen der Mobilität."

Daniel Krauss

Was wir im Zeitalter der Digitalisierung brauchen, um erfolgreich zu sein, ist Beweglichkeit. Im Kopf, wie auf unseren Straßen.

Um nämlich in Zukunft noch mehr Menschen zu noch günstigeren Preisen und vor allem endlich umweltfreundlich nicht nur von A nach B, sondern auch von X nach Y und somit an wirklich jeden erdenklichen Ort zu befördern, muss sich noch einiges tun.

Und ja, sicherlich heißt das zu großen Teilen, dass die technologische Entwicklung weiter voranschreiten muss.

Gerade beim Thema autonomes Fahren werden wir hier noch sehr viel Fortschritt beobachten. Jedoch auch noch sehr viel Wasser die Isar hinunter fließen sehen, bis wirklich nur noch vollautonome Autos auf den Straßen unterwegs sind. Denn faktisch wird das nicht passieren, solange wir Menschen noch als “Problemfälle” mit unterwegs sind.

Busfahrer steuern ihr Fahrzeug von zu Hause per VR-Brille

Die Diskussion, ob ein Roboter lieber ein Kind oder einen alten Menschen in der schlimmsten aller Entscheidungen überleben lassen soll ist hinfällig, wenn Roboter unter sich die Straßen bevölkern. Nur so können wir Unfällen wirklich dauerhaft entgehen.

Das viel Spannendere ist meines Erachtens jedoch der Weg dorthin.

►  Die Kombination halbautonomer Systeme mit Technologien wie der virtuellen Realität oder Augmented Reality.

Stellt euch vor, ihr müsstet als Busfahrer keine Schichten im eigentlichen Sinne mehr schieben oder nicht die Nächte abseits eurer Familie in einem Hotel verbringen; sondern ihr steht morgens auf und trinkt einen Kaffee, während ihr euch die AR/VR-Brille aufsetzt, den Bus aus dem Depot zur ersten Haltestelle bewegt und ihn dann später am Tag auf die Autobahn “entlasst” – wo Maschinen sicherlich als erstes sicher und zuverlässig vollautonom fahren werden.

Damit steigert KI in der Mobilität nicht nur die Lebensqualität vieler unserer großartigen Kollegen, sondern gleichzeitig auch das Servicelevel gegenüber unseren Kunden, denen das Personal an Bord dann mehr Aufmerksamkeit widmen kann.

Die E-Mobilität ist nicht Allheilmittel

Der zweite technologische Teil der Beweglichkeit der Zukunft wird sicher das Thema Nachhaltigkeit sein.

Allerdings ist auch hier der Fokus auf ein einziges Thema, die batteriebetriebene Elektromobilität nicht nur naiv, sondern wirtschaftlich gefährlich. Das einzige, was man den guten alten Herrn Diesel und Otto uneingeschränkt mit ihren Erfindungen zu Gute halten kann: es sind zu 100 Prozent generalistische Lösungen, sprich “one fits all”.

Das wird es in der Zukunft nicht mehr geben, im Gegenteil, wir werden sehr viel mehr Lösungen als nur das Model S und seine Brüder und Schwestern sehen. Gerade in der “langen” Mobilität, dem modernen E-Bus oder LKW von morgen, stehen meiner Meinung nach Brennstoffzellen, synthetische Kraftstoffe oder in Teilen selbst Gas besser zu Gesicht als der reine batteriebetriebene Elektromotor.

Verschiedene Technologien haben unterschiedliche Vorteile, bei Gas und gegebenfalls Wasserstoff, sowie synthetischen Kraftstoffen könnte man die bestehende Tankstellen-Infrastruktur sehr gut weiterhin nutzen.

Wohingegen im städtischen Raum Reichweite nicht so elementar ist und Fahrzeuge ohnehin die meiste Zeit nur herumstehen Batterien und deren Ladestationen sicherlich einen großen Benefit haben.

Gesetze müssen schnell reformiert werden

Zu guter Letzt müssen die Vorzüge von hybriden Lösungen durchleuchtet werden, denn Oberleitungsbusse die gleichzeitig mit Batterien ausgestattet sind, kann ich mir durchaus nicht nur in osteuropäischen Hauptstädten sondern auch auf deutschen Autobahnen vorstellen.

Nur meint Beweglichkeit nicht nur die Beförderungsleistung alleine, sondern auch ein Stück weit Flexibilität.

Und genau das ist es, was wir von der Politik noch in wesentlich größeren Stücken erwarten müssen, um gemeinsam die Mobilität der Zukunft gestalten zu können.

Natürlich bin ich als Gründer dankbar für die Liberalisierung des Fernbusmarktes in Deutschland, das war allerdings nur ein erster kleiner Schritt. Nach wie vor sind alte Gesetze und Regularien die größten Hindernisse für zukunftsweisende Lösungen in der Mobilität.

Das Personenbeförderungsgesetz muss weiter zukunftsfähig angepasst werden und es Deutschland ermöglichen, bei dem Thema Mobilität des 21. Jahrhunderts eine Führungsrolle einzunehmen. Ich spreche von innerstädtischem Verkehr, privatem Bahnverkehr, Ausschreibungsverfahren, föderalistischen Hürden und Ähnlichem.

Es ist nicht hilfreich Uber einfach nur zu verbieten um bestehende Gewerbe zu schützen. Es sollte vielmehr darum gehen, den Kunden zuzuhören und herauszufinden, was sie wollen.

Wo liegt der Bedarf einer modernen Gesellschaft?

Vielleicht haben wir künftig fliegende Busse

Es geht darum, verschiedene Lösungen zu verknüpfen und auszuprobieren. Den Ridesharing-Markt haben wir weitgehend verschlafen. E-Scooter und Micromobilität findet auch fast ausschließlich in den USA statt.

Beim Thema Flugtaxis hingegen bin ich hoffnungsvoll, dass mindestens zwei deutsche Unternehmen vorne mit dabei sind. Hoffentlich werden wir deren Produkte dann auch frühzeitig bei uns und nicht nur in China und im Nahen Osten sehen.

Unterm Strich wäre mein Wunsch, dass Politik zuallererst Dinge möglich macht, dabei gute und maßvolle Rahmen setzt, aber nicht erstmal jahrelang diskutiert, gar nichts macht oder zumindest zu wenig (wie unsere allseits beliebte GroKo) oder im schlechtesten Fall nur verbietet.

Ich wünsche mir die Liberalisierung die im Fernbusmarkt stattgefunden hat in noch viel mehr Bereichen der Mobilität: Vor allem, um als Land nachhaltig beweglich zu bleiben.