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17/11/2018 15:30 CET | Aktualisiert 17/11/2018 15:30 CET

Fliegen und die Umwelt schonen? Diese 3 revolutionären Ideen machen es möglich

Fliegen gehört zu den größten Umweltsünden unserer Zeit. Aber das muss nicht so bleiben.

jim Schlett via Getty Images

Bio kaufen, Gemüse kochen, Fahrrad fahren – immer mehr Menschen in Deutschland achten auf die eigene Klimabilanz. Wenn es aber darum geht, auf eine Flugreise zu verzichten, knicken viele ein. Wer würde schon ernsthaft darauf verzichten wollen in Südostasien backpacken zu gehen, wenn er die Möglichkeit dazu hat? Nur weil dadurch mehr CO2-Ausstoß entsteht?

Das Ergebnis: Jedes Jahr steigen mehr Menschen in Flugzeuge. 2017 war ein neues Rekordjahr: 4,1 Milliarden Flugpassagiere weltweit, mehr als je zuvor. Ein Großteil davon kommt aus Europa. Auch in Deutschland wird immer mehr geflogen: 234 Millionen Flugpassagiere 2017, mehr Starts und Landungen als je zuvor.

Dabei wissen wir alle, wie umweltschädlich Fliegen ist. Auf einem durchschnittlichen Economy-Flug von Düsseldorf nach New York und zurück entfallen 3,65 Tonnen C02-Ausstoß auf jeden Passagier.

Das ist mehr als ein Drittel des CO2s, das ein Deutscher im Durchschnitt in einem ganzen Jahr produziert. Ein Passagier stößt pro 100 Kilometer, die er im Flugzeug zurücklegt, 30 Prozent mehr CO2 aus, als wenn er Auto fährt und mehr als fünfmal so viel wie im Zug.

Was sollten wir daraus schließen? Heißt das, wir müssen auf alle Ewigkeit in der Heimat Urlaub machen? Oder, wenn überhaupt, nur noch in Zügen durch die Welt reisen?

Nicht unbedingt. Es gibt Ideen, die das Fliegen umweltfreundlicher machen. Wir von “The Buzzard” haben drei Vorschläge für euch zusammengefasst:

The Buzzard

1. Elektro-Flugzeuge 

Es ist ein schönes Versprechen. Leise über den Himmel gleitende Flugzeuge ohne Kerosin, ohne Luftverpestung, ohne schlechtes Gewissen. Mit Elektro-Flugzeugen könnte dieser Traum wahr werden.

Seit Jahren wird deshalb viel Geld in die Entwicklung gesteckt. 2019 möchte EasyJet das erste Elektroflugzeug für Testflüge starten, Boeing plant den ersten Hybrid-Regionaljet ab 2022 zu fliegen.

Nach jetzigem Stand sind Batterien zu schwer, um genug Energie für den Bedarf eines Passagierflugzeugs zu bieten. Elektroflieger sind deshalb Hybrid-Modelle: Die Flugzeuge generieren den Strom während des Flugs größtenteils selbst. Das läuft über Gasturbinen, ähnlich wie Flugzeugturbinen, die dann wieder Kerosin verbrauchen. Allerdings deutlich weniger, als ein herkömmliches Flugzeug.

Es wird noch viele Jahre dauern, bis solche Elektroflugzeuge im großen Stil unterwegs sind. Frank Anton, Flugzeugexperte bei Siemens, prognostiziert im Wochenmagazin Die Zeit, dass die neuen Maschinen bis 2050 den Markt erobern könnten. EasyJet möchte bereits in zehn Jahren alle Kurzstrecken mit Elektroflugzeugen abdecken. Wenn es so weit ist, werden CO2-Ausstoß, Kosten und Lärm in Zukunft erheblich eingespart werden.

Mehr zum Thema: Du möchtest wissen, wie hoch der CO2-Ausstoß deiner nächsten Flugreise ist? Die Antwort findest du im CO2-Rechner der NGO Klimaktiv.

2. Zuckerrohr statt Kerosin

Forscher experimentieren schon seit Jahren mit verschiedenen Formen von Bio-Treibstoff. Ähnlich wie bei Biodiesel für Autos wird bei einigen Fluglinien schon jetzt dem Treibstoff Bioethanol beigemischt, der aus Pflanzen gewonnen wird. Das Problem: Regenerative Treibstoffe müssen auf riesigen industriellen Anbauflächen produziert werden. Ähnlich wie bei Soja, werden dabei Naturgebiete zerstört, Wälder abgeholzt und riesige Monokulturen aufgebaut.

Wissenschaftler der University of Illinois sind deshalb auf eine neue Idee gekommen: Zuckerrohr. Die Forscher verändern die Genstruktur von Zuckerrohr, sodass die Pflanze an Stelle von Zucker Öl produziert. Dieses Öl könnte als Flugzeugtreibstoff künftig Kerosin ersetzen.

Der Vorteil: Es schlägt die Effizienz vergleichbarer Pflanzen um Längen. Die amerikanischen Forscher haben berechnet, dass Zuckerrohr auf gleicher Fläche vier Mal ertragreicher ist als Soja. Damit würden die Anbauflächen kleiner werden und das Tanken effizienter. Offen ist noch, ob Zuckerrohr-Öl auch so günstig gewonnen werden kann, dass Fluglinien es eines Tages flächendeckend anstelle von Kerosin nutzen.

Auch interessant:Airlines fördern bis heute martialische Tierversuche.

3. Flugmeilen als Tauschgut

Man kann nicht erwarten, dass Menschen freiwillig aufs Fliegen verzichten, meint die britische Journalistin Sonia Sodha. Und es wird noch lange dauern bis Fliegen dank Elektromotoren oder regenerativen Treibstoffen deutlich umweltschonender wird.

Deshalb schlägt sie vor: Man könnte sich ein Vorbild am Emissionshandel der EU nehmen. Emissionshandel funktioniert so: Firmen und Organisationen dürfen nur eine bestimme Menge an Emissionen ausstoßen.

Dafür erhalten sie Zertifikate. Wenn sie mehr als die vorgegebene Menge an Emissionen ausstoßen, müssen sie Zertifikate hinzukaufen. Das bringt ihnen einen finanziellen Nachteil gegenüber anderen Firmen. Firmen, die weniger Emissionen ausstoßen als erlaubt, können dagegen ihre Zertifikate an andere verkaufen und haben so einen finanziellen Vorteil.

Ähnlich könnte es beim Fliegen funktionieren, meint Sonia Sodha. Man könne die Anzahl an Flugstrecken, die jeder Person zusteht, limitieren. Flüge würden dann zu einer Handelsware. Jeder kann nur eine bestimmte Anzahl an Strecken im Jahr fliegen. Wer mehr fliegen möchte, muss Strecken hinzukaufen. Wer seine zugeteilten Strecken nicht verwenden möchte, kann sie verkaufen. Das Ganze könnte man über eine staatlich regulierte Online-Plattform regeln. 

Flüge können so zur direkten Einnahmequelle werden. Der Urlaub im Heimatland würde zur lukrativen Alternative. Außerdem hätten Unternehmen durch den finanziellen Druck einen Anreiz, Alternativen zu umweltschädlichen Geschäftsreisen zu entwickeln: Technik, die virtuelle Meetings leichter macht, zum Beispiel.

Auch interessant:Warum es nichts ändert, wenn wir als Privatpersonen aufs Fliegen verzichten

Unabhängig von diesen großen Ideen kann jeder individuell dazu beitragen, die eigenen Flugreisen klimafreundlicher zu machen. Wir empfehlen:

1. Buche Flüge ohne Zwischenlandung!

Je öfter ein Flugzeug startet, desto mehr Kerosin wird verbraucht. Laut einem Report von der NASA aus dem Jahr 2010 entstehen etwa 25 Prozent des CO2-Ausstoßes vom gesamten Flug bei Start und Landung. Nonstop-Flüge schonen deshalb das Klima im Vergleich zu Flügen mit vielen Zwischenlandungen. 

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2. Kompensier deine Flugreisen!

Dienste wie Atmosfair berechnen den CO2-Ausstoß für deine Flugstrecke. Danach kannst du dir einen entsprechenden Gegenwert in Euro anzeigen lassen und diesen dann an Umwelt-Projekte zur Reduktion von CO2-Ausstoß spenden. Über Plattform wie Atmosfair kannst du die Spende direkt abwickeln.

3. Entscheide dich für energieeffiziente Airlines!

Airline ist nicht gleich Airline. Einige Flugunternehmen haben Maschinen, Treibstoff und Routen auf Energieeffizienz optimiert. Hier kannst du sehen, welche Airline wie effizient ist und dich bei der nächsten Buchung für eine Fluglinie entscheiden, die weniger verbraucht.

4. Nimm leichtes Gepäck mit!

Je mehr Gepäck ein Flugzeug transportieren muss, desto mehr CO2-Ausstoß. Du kannst deinen Fußabdruck einfach reduzieren, indem du weniger einpackst. Dein Minimalismus kommt der Umwelt zuliebe.

5. Flieg Economy!

Laut einer Studie der Weltbank, ist der CO2-Ausstoß bei einem Business-Class-Flug rund dreimal so groß, wie wenn man in der Economy Class fliegt. Der Grund: Die Sitze in der Business-Class sind größer, deshalb transportiert die Airline weniger Menschen, stößt aber genauso viel CO2 aus.

Wenn du jetzt voller Tatendrang bist, solltest du unbedingt einen Blick in unsere aktuelle Debatten-Übersicht werfen. Wir bieten einen Überblick zu den wichtigsten Stimmen von Klimaaktivisten, Flugforschern und Journalisten im Netz. Sollten wir als Privatpersonen öfter aufs Fliegen verzichten? Oder ist das sinnlos, so lange Wirtschaft und Industrie ihr Verhalten nicht ändern?

► Antworten findest du auf TheBuzzard.org.

The Buzzard