WIRTSCHAFT
31/01/2019 11:20 CET | Aktualisiert 31/01/2019 12:13 CET

"Financial Times": VW arbeitet an einem Tesla-Killer – und es ist kein Auto

Volkswagen hat viel vor.

Jason Lee / Reuters
"Financial Times": VW arbeitet an einem Tesla-Killer.
  • Die britische “Financial Times” hat die E-Auto-Strategie von Volkswagen unter die Lupe genommen.

  • Für den durch den Diesel-Skandal in die Kritik geratenen Konzern hat die Zeitung viel Lob über.

Der Diesel-Skandal hat Volkswagen Milliarden Euro gekostet – gleichzeitig steht der gesamten Branche ein enormer Wandel bevor.

Volkswagen stockt deswegen seine Investitionen in Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung kräftig auf. In den kommenden fünf Jahren sollen es knapp 44 Milliarden Euro sein.

► Das beeindruckt auch die renommierte “Financial Times” (“FT”) , die den deutschen Autohersteller einen möglichen “Tesla Killer” nennt – also ein Unternehmen, das es mit dem US-amerikanischen E-Autobauer aufnehmen kann.

“Allerdings ist der mögliche Killer kein E-Auto. Es ist die zugrundeliegende Plattform bzw. Karosserie, auf der bis 2025 50 verschiedene VW-Modelle aufbauen sollen”, heißt es bei der “FT”.

“Herz und Seele von Volkswagen”

Rein optisch ähnelt die Plattform einem Skateboard, schreibt die Zeitung. Sie umfasst im Wesentlich die Batterie im Unterboden, die Räder und den E-Motor. Alles andere wird darauf buchstäblich gesetzt.

Die Kalkulation dahinter: In der E-Auto-Zukunft schauen Kunden nicht mehr nach Unterschieden in der Motorleistung, sondern etwa bei der Software im Auto.

Diese Plattform, zitiert die “FT” einen Analysten, werde “Herz und Seele” von allem sein, was Volkswagen in der Zukunft unternehme. Und weiter:

“Es ist nicht nur ein Designprinzip, eine Vorlage für ihre neuen Autos. Dies hat Auswirkungen auf die gesamte Organisation, die Lieferkette und die Fertigungsqualität – so ziemlich alles.”

So wolle Volkswagen zum größten Hersteller für E-Autos werden – und damit nicht nur Tesla vom Thron stoßen, sondern auch den Erfolg wiederholen, den Volkswagen mit Verbrennungs-Motoren erreichte.

Volkswagen hofft auf einen “industriellen Standard”

“Mehr noch: Volkswagen hofft, dass die Plattform der industrielle Standard der Autoindustrie wird, so wie VHS einst der Standard für Videokassetten war”, zitiert die “FT” Insider.

Volkswagen hofft darauf, dass auch andere Autohersteller die Plattform lizenzieren und darauf ihre Modelle aufbauen. 

Ob es nun klug ist oder nicht, seine Ambitionen mit einem ausrangierten Video-Standard zu vergleichen: Volkswagen will schon Ende 2019 sichtbare Fakten schaffen.

► Dann will der Konzern nämlich die Produktion der E-Autos hochfahren und das erste rein elektrische Modell der sogenannten ID-Familie in Zwickau vom Band laufen lassen. 

► Bis 2025 wollen die Marken des Autobauers zunächst 50 neue vollelektrische Modelle an den Start bringen.

► In Hannover soll der elektrische Kleinbus ID Buzz entstehen, aber auch der “Bulli” wird weiter dort gebaut.

► Zusätzlich soll dort laut Konzernbetriebsrat ein großes Elektrofahrzeug vom Band rollen.

Die Investitionen an dem Standort liegen demnach bei über 1,5 Milliarden Euro, in Emden sollen es mehr als eine Milliarde Euro sein, in Wolfsburg 2,7 Milliarden Euro.

(ll)