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05/04/2018 10:46 CEST | Aktualisiert 05/04/2018 10:46 CEST

femassist: So möchte die Generation Z missbrauchten Frauen helfen

Eine App für gedemütigte und sexuell missbrauchte Frauen.

Die Generation Z wird als pragmatische Generation bezeichnet, weil für sie Immaterielles und Soziales genauso wichtig ist wie Partizipation. Die zwischen 1995 bis 2010 Geborenen werden aber auch Generation Alpha genannt, weil sie sich aufmacht, die positive Freiheit zu finden.

Zu ihnen gehört Luisa Kewitz. Sie wurde 1998 in Landau in der Pfalz geboren und wuchs in der näheren Umgebung auf. Schon sehr früh engagierte sie sich gesellschaftlich und gewann 2013 mit einigen Mitschülern den 1. Platz beim Schüler- und Jugendwettbewerb des Landtages RLP „mitgedachtmitgemacht“.

2014 absolvierte sie eine Ausbildung zur Streitschlichterin und gab jahrelang Nachhilfeunterricht. Während ihrer Schulzeit absolvierte sie einen Austauschmonat in Warminster/PA in den USA und lernte neben Englisch auch Französisch und Latein.

Nach dem Abitur im März 2017 begab sie sich für zwei Monate auf den Jakobsweg im Norden Spaniens. Seit Oktober 2017 macht sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital und Print (Schwerpunkt Konzeption und Visualisierung) in Neustadt an der Weinstraße.

Außerhalb ihrer Berufstätigkeit gilt ihre Leidenschaft der Kunst und dem Sport, sie geht gern wandern und liebt es zu backen.

Luisa Kewitz

Als sie im Internet nach Unterstützung für ihr Projekt „App femassist“ suchte, stieß sie auf die Non-Profit Initiative STARTUP TEENS. Die Online-Plattform ist an 14- bis 19-Jährige gerichtet, die eigene Geschäftsideen umsetzen und unternehmerisches Wissen erwerben wollen.

Dahinter stehen 300 namhafte Unternehmerinnen und Unternehmer. Online werden kostenlose Trainings für unternehmerisches Denken und Handeln angeboten, zusätzlich werden Events organisiert sowie Initiative Workshops an Schulen und ein Mentoring-Programm angeboten.

Dies bietet ihr die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen. Das Online Training vermittelt die wichtigsten Grundlagen nebenbei. Das Konzept hat sie überzeugt: „Ich kann mich jederzeit an STARTUP TEENS wenden. Dort werden mir alle Fragen beantwortet, die ich habe. Es wurden für mich Mentoren ausgewählt, und im Online Training lernt man, was man noch braucht, um erfolgreich zu gründen.“

Sie möchte eine App für gedemütigte und sexuell missbrauchte Frauen anbieten, denn: „Fast jeden zweiten Tag wird in Deutschland einen Frau von ihrem Partner getötet, 40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr sexualisierte Gewalt erlebt (die Dunkelziffer ist noch viel höher). Meistens ist der Tatort die eigene Wohnung. Betroffen sind alle sozialen Schichten. Da zu wenig Schutzwohnungen und Fachberatungsstellen vorhanden sind, sprechen viele Betroffenen kaum darüber aus Angst oder Scham. 50 Prozent hat nie mit jemandem darüber gesprochen“, sagt Luisa Kewitz.

Immer, wenn wieder ein Fall von häuslicher Gewalt, Vergewaltigungen oder Übergriffen an Frauen in Partnerschaften bekannt wurde, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. „Die Vorstellung, dass das jedem, jederzeit passieren kann und man nichts dagegen tun kann, beschäftigte mich schon eine ganze Weile, und ich suchte nach einer Lösung.“ Diese kam ihr, als sie einen Artikel über eine App las, die es den Frauen in Lateinamerika ermöglicht, schnell Hilfe zu holen, wenn Gewalt angewendet wird. Da Hilfe oft zu spät kommt, ist es ihr ein dringliches Anliegen, die App femassist so schnell wie möglich zu entwickeln. Sie soll Kommunikation und Vernetzung mit schneller Hilfe verbinden:

• Mit einem Knopfdruck kann Hilfe angefordert werden (Polizei oder Vertrauensperson)

• neutrales Design oder automatische Installation auf das Handy, sodass Rechtfertigungen vermieden werden

• Platz zum Austausch mit anderen Betroffenen (anonym)

• Möglichkeiten, um Gewalt zu dokumentieren (auch Bilder)

• Psychologen (direkte Ansprechpartner für die Betroffenen) können sich einen Account erstellen

• Informationen über Hilfsangebote.

In Österreich gibt es die App femHelp, die Kontakt zu Helplines und Hilfseinrichtungen beinhaltet sowie eine Möglichkeit zur Dokumentation. „Ansonsten gibt es keine weiteren Angebote – weder in Deutschland noch in Europa. Nur in Lateinamerika gibt es eine App, mit der man einen Notruf absetzen kann.“ Nachdem sie mit Hilfe von Recherchen die grundlegenden Funktionen festgelegt hat, befindet sich die App aktuell in der Design-Phase. Das Design und den Prototypen wird sie selbst gestalten und aufbauen. Unterstützung wird noch bei der Programmierung und der Frage benötigt, wie die App auf den Markt gelangen kann. Viele Unternehmen erweitern momentan ihr Bewusstsein für die Generation Z, die ihre Stärken erkennt und daran arbeitet, immer besser zu werden. Die Freude an dem, was sie tut, wird so zur Leidenschaft. Damit sie nicht erlischt, ist es wichtig, dass Türen aufgehen.