POLITIK
14/05/2018 18:15 CEST | Aktualisiert 14/05/2018 18:23 CEST

FDP-Politiker empfiehlt Wähler die AfD – und hat dafür einen guten Grund

“Auf solche Stimmen bin ich nicht scharf."

Martin Hagen
Martin Hagen – der Spitzenkandidat der FDP für die bayerische Landtagswahl im Oktober.
  • Der bayerische FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen hat auf eine rassistische und frauenfeindliche E-Mail clever reagiert.
  • Der Liberale empfahl dem AfD-Anhänger einfach bei seiner Partei zu bleiben. 

Wie viele andere Politiker wird auch Martin Hagen mit E-Mails überhäuft. 

► Bereits am Freitag hatte der bayerische FDP-Spitzenkandidat – wie das gesamte liberale Spitzenpersonal in dem Bundesland – eine wütende E-Mail eines AfD- und laut eigener Aussage Ex-FDP-Anhängers erhalten (die E-Mail liegt der HuffPost vor).

Der FDP-Politiker machte am Montag seine Antwort öffentlich, in der er im Namen der FDP-Bayern sprach.

Denn Joachim S. hatte in seinem langen Schreiben eine Wahlempfehlung für die anstehende Landtagswahl in Bayern 2018 gefordert. Und Hagen liefert sie ihm: “Wählen Sie am 15. Oktober (ja, am 15.) die AfD.” Dazu muss man wissen: Die Landtagswahl findet bereits am 14. Oktober statt.

Darüber hinaus begründet Hagen seine Empfehlung damit, dass es für ihn Wählerstimmen gebe, die er gar nicht haben wolle. “Mit ihren Positionen (...) sind Sie dort (in der AfD, Anm. d. Red.) in guter Gesellschaft”, schreibt der FDP-Mann Joachim S. zurück.

► Tatsächlich hatte der AfD-Fan Joachim S. in seiner E-Mail gegen Ausländer gehetzt (“keine kultur- und wesensfremde Personen wie Musels und Neger in Deutschland ansiedeln”), Frauen beschimpft (“vertrocknete Fotzen”), Gewaltfantasien geäußert (Mit 150 Negern werden zwei Polizeibeamte zur Not auch mit einem schönen MG42 fertig!”) oder klassisch rechte Verschwörungstheorien bedient (“Rechtsbrecherin und Hochverräterin Angela Merkel”).

“Liberalismus und Menschenfeindlichkeit schließen sich aus” 

“Ich glaube, dass es durchaus Menschen gibt, die aus Protest die AfD wählen, ohne rechtsradikal zu sein”, erklärt der Hagen der HuffPost. Um deren Stimmen lohne es sich zu kämpfen.

Mit Blick auf Joachim S. betont der FDP-Spitzenkandidat aber: “Liberalismus und Menschenfeindlichkeit schließen sich aus.” Wer davon spreche, deutsche Polizisten sollten mit Maschinengewehren gegen afrikanische Asylbewerber vorgehen, für den sei die FDP definitiv die falsche Partei. “Auf solche Stimmen bin ich auch nicht scharf”, erläutert Hagen.

Im Landtagswahlkampf sei es darüber hinaus wichtig, dass die Parteien der demokratischen Mitte “der AfD weder inhaltlich hinterherlaufen noch permanent darüber reden, wie schlimm sie ist”. Beides würde die Rechtspopulisten nur groß machen und ihr eine Bedeutung geben, die ihr nicht zustehe.

“Lösen wir lieber die Probleme der Menschen und diskutieren wir leidenschaftlich und kontrovers über die Themen, die wichtig sind für die Zukunft unseres Landes”, sagt Hagen.