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29/06/2018 16:15 CEST | Aktualisiert 29/06/2018 16:15 CEST

Faszination Stimme

Shutterstock / ollyy

,Die Stimme. Seit ich zurückdenken kann, bin ich fasziniert von der menschlichen Stimme. Sie kann so unglaublich viel: Gedanken und Emotionen hörbar machen, in verschiedenen Sprachen und Dialekten reden, sie kann verstellt werden und Geräusche imitieren. Stimme kann kurze Befehle, Botschaften und Aufgaben aussprechen und einfordern, sie kann aber auch inspirieren, bewegen und - durch Geschichten und Gedichte zum Beispiel - in andere Welten entführen. Stimme kann anregen und aufregen, beruhigen und einschläfern. Sie tröstet und provoziert, ermahnt und führt.

Es gibt Menschen, die benutzen ihre Stimme einfach, weil sie eben da ist, so, wie sie die Hände benutzen, um etwas zu greifen. Dann gibt es die Meister der Stimme. Meister wie jene, die mit den Händen gestalten und erschaffen. Künstler. Begeisterer. Erzähler.

Es gibt Bilder und Kunstwerke, die so wundervoll sind, dass es schwer fällt, die Augen davon zu lösen, - immer noch einen kleinen Augenblick verweilen, eintauchen und versinken. Genauso gibt es auch Stimmen, an denen das Ohr kleben bleiben will, verharren im Wohlklang.

Es sind natürlich nicht die Hände des Bildhauers, die das Kunstwerk erschaffen, es ist der Bildhauer selbst. Er weiß jedoch seine Hände zu steuern.

Ein guter Erzähler nutzt seine Stimme

Es ist auch nicht die Stimme, die begeistert, es ist der Erzähler, der Vortragende. Er weiß seine Stimme einzusetzen und zu nutzen. Und während ein guter Erzähler seine Stimme nutzt, lenkt er damit seine Hörer. Und das ist, worum es bei guten Vorträgen geht. Ein Redner führt. Er übernimmt die Regie, während die Hörer sich darauf einlassen, sich von ihm (ver-)führen zu lassen.

Dazu muss der Redner zuvor eine Entscheidung treffen. Er muss führen und leiten wollen. Er weiß, dass seine Stimme das akustische Ergebnis seiner Entscheidung ist.

Ich bin überzeugt, Ihnen fallen sofort Beispiele ein, in denen Sie sich haben führen und leiten lassen von einem Redner, in denen Sie sich eingelassen haben. Genauso haben Sie sicher auch Situationen parat, in denen das Gegenteil der Fall war. Sie haben sich möglicherweise innerlich gewehrt und abgeschaltet.

Wenn Sie einen Augenblick lang den Gedanken zulassen, dass die Stimme die akustische Version Ihrer Persönlichkeit ist und das akustische Ergebnis Ihrer Entscheidung, - wie glauben Sie zu klingen? Einladend, inspirierend, wegweisend?

Und, wenn Sie mit ein wenig Arbeit an Ihrer Stimme noch besser klingen, wie wäre das für Sie?

Das Bild eines Künstlers oder seine Statue, die er erschafft, lebt zuvor in ihm. Ohne Lebendigkeit findet das Kunstwerk keinen Weg nach draußen. Da muss sich etwas oder jemand Ausdruck verleihen.

Ist das schön, dich zu sehen!

Ähnlich ist es beim Sprechen. Dem Benutzen der Stimme geht ein Impuls voraus, das Mitteilungsbedürfnis.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind zu Fuß unterwegs. Sie erspähen plötzlich einen Menschen, den Sie lange nicht mehr gesehen haben. Einen richtig netten Menschen. Was passiert? Sofort ist ein Impuls in Ihnen wach, diesen Menschen anzusprechen, unbedingt Hallo zu sagen. Die Muskulatur wird in Gang gesetzt, die Aufmerksamkeit erhöht, die Sprechatmung ausgelöst, das Sprachzentrum stellt die richtigen Wörter zu Verfügung (oder auch nicht, - fragen Sie mal Verliebte) und ein kleiner Bereich im Gehirn sagt: Nichts wie hin und dann entlädt sich die ganze Anspannung in dem einfachen Satz: „Ist das schön, dich zu sehen!“

Hören Sie diesen Satz in ihrem inneren Ohr? Hören Sie auch, dass der noch viel größer klingt, als es die Worte “schön dich zu sehen” alleine überhaupt ausdrücken können? Das Wesentliche sagt die Stimme!

Die Stimme. Seit ich zurückdenken kann, bin ich fasziniert von der menschlichen Stimme. Sie kann so unglaublich viel. Wenn Sie irgendwann einmal Gelegenheit haben, sich auf das faszinierende Medium Stimme einzulassen, nutzen Sie die Chance. Es wird Sie garantiert faszinieren und bereichern.