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13/03/2018 21:20 CET | Aktualisiert 13/03/2018 21:20 CET

Familienunternehmen: Digitalisierung als Generationenkonflikt

Digitalisierung ist für 83 Prozent der Familienunternehmen zwar der zentrale Trend 2018, aber die Bereitschaft zur Verantwortungsabgabe an die junge Generation endet häufig dort, wo über strategische Entscheidungen und Investitionen beschlossen wird. Die umfassende Veränderungsdynamik der Digitalisierung wird häufig leider noch nicht erkannt, dabei liegt die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle überwiegend bei der Nachfolge-Generation, deren Einfluss häufig beschränkt ist. Das ist das Ergebnis der Umfrage „Generationenkonflikt Digitalisierung“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, an der mehr als 300 Geschäftsführer, Inhaber und Vorstände von inhabergeführten Unternehmen ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz teilgenommen haben. Bei nur knapp einem Drittel der befragten Unternehmen hat hier die Nachfolgegeneration das Sagen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

· Mehr als acht von zehn befragten Familienunternehmen sind der Meinung, dass Digitalisierung ihr Unternehmen am meisten beeinflussen wird.

· Lediglich 14 Prozent geben an, dass sie Geld schwerpunktmäßig für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ausgeben werden, und 27 Prozent wollen neue (digitale) Geschäftsfelder entwickeln.

· 21 Prozent wollen ihr bisheriges Geschäftsmodell prüfen, ob es durch die digitale Transformation noch Bestand hat.

· 18 Prozent wollen verstärkt mit anderen Unternehmen/Start-ups zusammenarbeiten.

· 56 Prozent möchten in Cyber Security investieren, in die Digitalisierung der Arbeitsabläufe (45 Prozent) und in digitale Technologien (44 Prozent).

· 51 Prozent wollen in IT-und Datensicherheit investieren.

· 41 Prozent möchten ihre IT-Landschaft umbauen/anpassen.

· 31 Prozent wollen bei Mitarbeitern verstärkt auf digitale Fähigkeiten achten, und 44 Prozent wollen sie intensiv weiterbilden.

· 38 Prozent wollen vermehrt digitale Technologien einsetzen (z.B. Big Data, Data Analytics, AugmentedReality, SocialMedia, Mobile Apps, Cloud Computing).

· 35 Prozent wollen ihre internen Abläufe und Prozesse im Vertrieb digitalisieren.

· 32 Prozent wollen ihre internen Abläufe und Prozesse in der Produktion digitalisieren.

· 30 Prozent wollen ihre Produkte digitalisieren.

· 29 Prozent möchten ihre internen Abläufe und Prozesse im Bereich HR digitalisieren.

· 29 Prozent wollen ihre internen Abläufe und Prozesse bei den Finanzfunktionen digitalisieren.

· 29 Prozent wollen die Digitalisierung für neue Service-Angebote nutzen.

· 22 Prozent möchten mit externen Partnern kooperieren.

· 14 Prozent beabsichtigen, inhousedigitale Think-Tanks oder Vergleichbares aufzubauen.

· Für 2 Prozent der Befragten hat die Digitalisierung keine Bedeutung.

Quelle: „Generationenkonflikt Digitalisierung“ (Januar 2017)

Insgesamt konzentrieren dass sich die Unternehmen vor allem auf technologische Aspekte. Auch der Sammelband „CSR und Digitalisierung“ zeigt, dass es noch zahlreiche Digitalisierungsblockaden im Mittelstand gibt – häufig fehlt eine umfassende Strategie, außerdem behindern große Sicherheitsbedenken die Umstellung. Im Mittelpunkt steht deshalb die Frage, wie sie gegenüber der digitalen Transformation offener werden können. Familienunternehmen müssen ihr ihr Geschäftsmodell heute erneuern, „bevor es andere morgen obsolet machen. Diese Dringlichkeit ist nur den wenigsten bewusst“, sagt Dr. Peter Bartels, PwC-Geschäftsführungsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand. Wer als Nachfolger Unternehmen in die Zukunft führen soll, muss auch entscheiden können. Wo dies nicht möglich ist, wächst das Konfliktpotenzial – dies betrifft jedes zweite befragte Unternehmen. Die globale PwC Next Gen Study kam zu einem ähnlichen Ergebnis.

Weiterführende Informationen:

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.