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29/01/2018 17:35 CET | Aktualisiert 29/01/2018 17:35 CET

Familiäre Führungskompetenzen – Das unterschätzte Potential Teil 15

„Perfekt sein“

Die Mutter spricht mit der Tochter über ein Referat, das sie in der Schule halten soll.

Die Tochter mag es nicht abschließen, weil sie es für nicht perfekt hält. Die Mutter hat es gelesen und findet es prima. Sie meint, es sei bereit zur Abgabe beim Lehrer.

Die beiden verstricken sich in eine Diskussion ´Für-oder-Wider-Perfekt sein`.

Die Mutter meint dazu: „Viele Jahre habe ich für mich gedacht, ich müsse ´perfekt sein`. Heute weiß ich, dass das nicht geht, dass das nicht wohl tut und dass das gar nicht nötig ist. Gut sein reicht völlig. Sein persönliches Bestes geben ist ausreichend. Vergleiche mit anderen sind nicht (zwingend) nötig.

Die Tochter antwortet: Ja, gut und schön. Doch irgendwie weiß ich gar nicht, wann es ´gut ist` und wann es ´Perfekt-Sein-Wollen` ist.“

Die Mutter nimmt ein Blatt Papier und fasst im Dialog mit der Tochter zusammen:

Definition Perfekt sein:

Der Mensch, der perfekt sein möchte, ist nie zufrieden.

Er kann kein Projekt wirklich abschließen und damit auch gedanklich loslassen.

Er hat die Gedankenschleife im Kopf: ´Ein bisschen besser geht immer noch!`

Wertung der Bezeichnung ´Perfekt sein wollen`:

´Perfekt-Sein-Wollen` ist gedanklich negativ besetzt. Es zeigt keine wirkliche Anerkennung. Es schwingt die Assoziation ´Streber` mit.

Wie erkenne ich, ob ich perfekt sein will?

Ich erledige stets auch am Sonntag noch Arbeiten.

Ich meine nach meinem beruflichen Arbeitstag noch alles perfekt putzen zu müssen.

Ich serviere ´5 Gänge Menüs` bei Einladungen. Salate und kleine, einfache Gerichte zu servieren, traue ich mich nicht.

Ich erzähle immer von meiner Arbeit. Kann nicht ´abschalten`.

Meine Wohnung muss aussehen wie aus dem Katalog photographiert. Unordnung gibt es nie.

Ich bin ´Helikopter Mutter / Vater` für meine Kinder. Kontrolle in allen Bereichen ist ´meine Pflicht`.

Ich bin wegen Fehlern und Schwächen verzweifelt.

Ehrgeizig ja, perfekt nein

´Perfekt-Sein-Wollen kann auch lähmen. Ehrgeizige Menschen geben ihr individuell Bestes. Menschen, die ´perfekt sein` wollen, können eventuell darum keine deadlines, Abgabefristen einhalten.

Frauen oder Männer – wer neigt eher zum ´Perfekt sein wollen`?

Eine generelle, verallgemeinernde Antwort ist schwierig.

Frauen neigen zum ´Perfekt-Sein-Wollen`, weil sie es ´Allen recht machen wollen`. Frauen können oft schlecht ´Nein sagen`.

Männer wollen oft ´perfekt sein`, damit in Superlativen von ihnen erzählt wird (`Er ist der Beste` ´Er ist immer der Erste.`.

Ursachen, Gründe, ´perfekt sein zu wollen`?

Ursachen können – wie so oft – häufig in unseren familiären Wurzeln liegen:

Unsere Eltern lebten ´Perfekt sein müssen` vor.

Als Kinder mussten wir uns Zuneigung und Zuwendung durch `perfekt sein` gleichsam ´erkaufen`.

´Nur `Spielen gab es in der Kindheit nicht. Handeln musste ´zweckgebunden` sein.

Beachte: Eltern sind jedoch deshalb nicht `schuld`! Auch sie haben ´ihr Bestes gegeben`.

Zusammenhang Selbstbewusstsein – Perfektionismus

Wenn ich mir meines Wertes bewusst bin, kenne ich meine Grenzen. Ich gebe dann mein Bestes und bin fertig mit der Handlung.

Ich kann ´Nein sagen`.

Als ´selbst-bewusster` Mensch reichen manchmal auch ´nur `80% der Leistung aus. Dann bin ich dennoch mit mir zufrieden.

Ich bin nicht vom Urteil anderer abhängig.

Wie beuge ich vor, ´perfekt sein` zu wollen?

Ich mag mich – wie ich bin. Nehme mich mit meinen Stärken und auch meinen Schwächen an.

Nur wenn ich mich selbst mag und gut behandle, kann ich auch andere Menschen mögen und gut behandeln.

Ich muss nicht immer ´der Beste` sein. Ich gebe mein persönliches Bestes. Ich kann ´Nein sagen`.

Quintessenz:

Ich strebe ´Gut-Sein` an.

Ich kenne meine persönlichen Grenzen.

Ich finde für mich mein richtiges Maß, Leistung zu bringen.

Ich habe den Mut ´zur Lücke`- den Umständen entsprechend.

Ich sorge für mich. Gebe auf mich Acht.

 

(<a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_12_b_18780148.html”>Hier finden Sie den Teil 14</a>,<a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_11_b_18355614.html”>Teil 13</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_10_b_17923368.html”>Teil 12</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_9_b_17507634.html”>Teil 11</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/family-business-familiaer_b_17049000.html”>Teil 10</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_8_b_16615958.html”>Teil 9</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_7_b_15910694.html”>Teil 8</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familie-fuhrung-business_b_15352574.html”>Teil 7</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_6_b_14925056.html”>Teil 6</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_5_b_14510062.html”>Teil 5</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_4_b_13924690.html”>Teil 4</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_3_b_13466646.html”>Teil 3</a>, <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_2_b_12983580.html”>Teil 2</a> und <a href=“https://www.huffingtonpost.de/stephanie-robbenbeyer-/familiaere-fuehrungskompe_b_12453968.html”>Teil 1</a>)