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21/11/2018 13:18 CET | Aktualisiert 21/11/2018 13:19 CET

Obdachlos: Warum es schädlich sein könnte, wenn ihr einen Aufruf für Kältebusse teilt

"Auch in diesem Jahr wurden wieder Listen mit falschen Nummern für Kältebusse gepostet."

Sean Gallup via Getty Images
Kältebusse kommen Obdachlosen im Winter zur Hilfe.
  • Für Obdachlose wird es lebensgefährlich auf der Straße, wenn die Temperaturen in Deutschland sinken.
  • Zur Hilfe kommen den Obdachlosen sogenannte Kältebusse. Doch im Netz kursieren häufig falsche Telefonnummern.  

Jedes Jahr aufs Neue, wenn in Deutschland die Temperaturen sinken, kursieren im Internet diverse Notrufnummern für sogenannte Kältebusse.

Die Busse sollen Obdachlosen in eine warme Unterkunft bringen oder sie vor Ort mit warmen Speisen und Getränken, mit Decken und Schlafsäcken versorgen.

Das Problem: Bei vielen der vermeintlichen Hotlines handelt es sich um falsche Nummern.

Diakonie Hamburg warnt vor Falschmeldung

Auf Facebook kursiert derzeit wieder eine dieser Falschmeldungen, wie die Diakonie Hamburg auf Twitter erklärt:

“Auch in diesem Jahr wurden wieder Listen mit falschen Nummern für Kältebusse gepostet. ABER: Der Hamburger Mitternachtsbus ist kein Kältebus und nicht für Notfalleinsätze geeignet.”

In einer Pressemeldung weist der Verband darauf hin, dass auf Facebook fälschlicherweise die Büro-Nummer des Mitternachtsbusses genannt werde. 

Der Bus sei zwar 365 Nächte im Jahr unterwegs und würde sich um obdachlose Menschen kümmern, aber er sei eben nicht für Notfall-Einsätze ausgestattet. Außerdem ist laut der Diakonie Hamburg unter der genannten Nummer nachts niemand zu erreichen.

Für gefährdete Obdachlose verweist der Verband auf die Hotline der Sozialbehörde. Sollte der Obdachlose dringend Hilfe benötigen, solle man aber immer die Notrufnummer 112 wählen.

In Notfällen die 112 wählen

Bei den Beiträgen auf Facebook handelt es sich entweder um einen Screenshot von einer Mobile Facebook-App mit diversen Telefonnummern, oder um verschiedene selbst gebaute Bildchen mit einer Reihe von Städten und der entsprechenden Telefonnummer dahinter.

Auch die Fact-Checking-Website “Mimikama” weist regelmäßig auf selbst gebaute Bildchen hin, die mit entsprechenden Telefonnummern versehen sind. Und betont, dass diese Teilungsaufrufe, auch wenn sie in bester Absicht verfasst wurden, “kontraproduktiv” sind.

So kann man Obdachlosen helfen

860.000 Menschen waren Stand November 2017 laut der BAG Wohnungslosenhilfe deutschlandweit obdachlos. Bis zum Ende des Jahres wird ein Anstieg auf 1,2 Millionen prognostiziert. 

Viele Menschenleben sind angesichts dieser Zahlen in Gefahr. Mit diesen Hinweisen der Heilsarmee könnt ihr Obdachlosen helfen:

  • Wenn ihr einen Obdachlosen ungeschützt in der Kälte schlafen seht, ist es legitim, ihn zu wecken und Hilfe anzubieten. Ihr könnt karitative Organisationen anrufen, Kältebusse kontaktieren oder, wenn ihr euch um die Gesundheit der obdachlosen Person sorgt, auch einen Krankenwagen.
  • Gebt Lebensmittel, die ihr nicht mehr braucht, die aber noch genießbar sind, an Obdachlose ab. Am besten Obst wegen fehlender Vitamine oder abgepackte Backwaren für Kohlenhydrate. Auch ein warmes Getränk kann helfen.
  • Wenn ihr Jacken, Decken, Mützen, Schals oder Handschuhe übrig habt, gebt sie Obdachlosen oder gebt die Sachen bei Kleiderkammern oder der Diakonie ab.
  • Wenn ihr ein Ticket für den Nahverkehr nicht mehr braucht, dieses aber noch gültig ist, freuen sich Obdachlose oft darüber – so können sie sich eine Weile im Warmen in U- und S-Bahnen aufhalten.

(ll)