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16/02/2018 11:19 CET | Aktualisiert 16/02/2018 15:24 CET

"Bares für Rares": Was bei der Trödel-Sendung echt ist – und was nicht

Die Sendung zeigt tatsächlich Komparsen – aber offenbar nur in bestimmten Szenen.

Frank Hoensch via Getty Images
Die von Horst Lichter moderiert die Sendung "Bares für Rares".
  • Ein Stellenangebot im Internet offenbart den Einsatz von Komparsen bei “Bares für Rares”
  • Der Sender hatte dies zunächst bestritten

Viel Wirbel gab es in den vergangenen Tagen um die ZDF-Sendung “Bares für Rares”: Sind die Menschenschlangen fake, die in der Sendung zu sehen sind?

► Denn: Die “Bild”-Zeitung berichtet jetzt von einer Annonce, die um Komparsen für die Sendung wirbt. Bereits zuvor hat auch ein Trödel-Experte aus der Show den vom ZDF gezeigten Ansturm öffentlich in Zweifel gezogen. 

“Bares für Rares” ist eine beliebte Reality-TV-Sendung. Nicht nur vor dem Fernseher, auch im Studio ist der Andrang offenbar groß. Denn Menschen stehen teils in langen Schlangen an und lassen dann ihre Raritäten von Experten schätzen. Finden diese den Trödel interessant, geben anschließend fünf Händler ihre Gebote ab. Wer möchte, kann seine Schätze dann an den Höchstbietenden verkaufen. 

Abou-Chaker: “Alles gestellt”

“Bares für Rares” wirkt unterhaltsam – und die Situationen echt. Doch daran kommen nun Zweifel auf.

Goldhändler Ahmed Abou-Chaker wirkte mehrmals als Experte bei der Trödelshow mit. Er sagte der “Bild”-Zeitung: “Alles gestellt.” 

Er wunderte sich über die langen Schlangen, in denen Menschen angeblich darauf warteten, dass Experten ihre Raritäten schätzten.

“Wo die herkommen, weiß ich nicht”, sagte Abou-Chaker.

► Das ZDF reagierte auf seine Anschuldigungen auf Facebook: “Tat­säch­lich sind aber auch die Leute in der Schlan­ge keine Kom­par­sen beziehungsweise auch sie müs­sen sich mit ihren Ob­jek­ten be­wer­ben, auch wenn die Sa­chen nicht zum Ver­kauf kom­men.“

Momentan ist dieses Statement nicht mehr auf der Facebook-Seite des ZDF zu finden. Der Sender bestätigte den Inhalt aber gegenüber der HuffPost.

Der Sender suchte aber wirklich nach Statisten

Doch damit nicht genug: Nun ist eine Online-Anzeige aus dem September 2017 aufgetaucht, in der eine Casting-Agentur nach 30 Komparsen für die Sendung sucht. Das Honorar für 4,5 Stunden betrage 50 Euro.

► Eine ZDF-Sprecherin bestätigte gegenüber der HuffPost, dass der Sender online nach Komparsen für “Bares für Rares” gesucht hat.

Die Verwirrung ist komplett. Das ZDF hilft beim Entwirren.

Denn bei dem Experten-Vorwurf und der Stellenanzeige spricht der Sender wohl von verschiedenen Szenarien bei “Bares für Rares”:

Szenarium 1: Die Schlange in der Experten-Halle 

Die Schlange in der Expertenhalle, auf die sich Abou-Chaker bezogen hat, besteht dem ZDF zufolge wirklich nicht aus Komparsen. Jedoch könnte ein filmischer Kniff die Verwunderung des Trödel-Experten erklären.

►  Denn tatsächlich ist nicht bei jeder einzelnen Sendung der Andrang so groß. Daher greifen die Produzenten auf Aufnahmen der öffentlichen Schätz-Tage zurück. Damals sind bis zu 250 Menschen in das Walzwerk in Pulheim kommen.

Daher gab es auf Facebook eben auch den Hinweis: Es gibt keine Komparsen. An dieser Stelle.

ZDF
Bei den Menschenschlangen in den Schnittbildern handelt es sich um Menschen mit Raritäten.

An einer anderen jedoch schon:

Szenarium 2: Die Menschen bei den Schätzern

Nach dem Warten kommen die Menschen zu Experten: Sie schätzen den Trödel zunächst ein. Mit ihren Anmerkungen gehen die Menschen dann zu den Händlern.

Aus “rein produktionellen Gründen” werde hier im Bildhintergrund auch Komparsen eingesetzt, betonen ZDF und die Produktionsfirma gegenüber der HuffPost. 

Hier im Bild sind die zwei Frauen rechts und links von Moderator Horst Lichter zu sehen: eine echte Expertin und ein Gast. Im Hintergrund können auch bezahlten Statisten stehen. 

ZDF

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Szenarium 3: Die Verkaufsgespräche

► “Die Komparsen sind nie direkte Beteiligte der in der Sendung gezeigten Expertisen und Verkaufsprozesse”, betont der Sender. Das heißt, die Käufer und Verkäufer, die die Folgen ausmachen, sind echt.

Eines bleibt dennoch unklar:

Warum hat das ZDF sein Statement zunächst so formuliert, als seien keine Komparsen in der Sendung zu sehen? Der Sender hätte den Sachverhalt nach den Vorwürfen auch direkt klären können.