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13/03/2018 20:28 CET | Aktualisiert 13/03/2018 20:28 CET

Fahrverbote sind schlecht für Verbraucher

Peter Dazeley via Getty Images

Am 27. Februar sprach des Bundesverwaltungsgericht Leipzig das lang erwartete Urteil zu Fahrverboten für bestimmte Dieselfahrzeuge aus. Die Richter widersprechen den klagenden Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen und gaben damit den Kommunen Stuttgart und Düsseldorf recht Fahrverbote für Diesel-PKWs auszusprechen. Nun besteht die Gefahr, dass in Deutschland ein Flickenteppich aus Gebieten entsteht in denen man entweder mit einem Dieselfahrzeug fahren kann oder das man umfahren muss. Für Verbraucher sind das schlechte Nachrichten.

Spätestens seit der Abgasaffäre um Volkswagen stehen Dieselfahrzeuge in Europa aber auch Nordamerika unter heftigem Beschuss. Strikte EU-Grenzwerte zu Stickoxiden und deren Überschreitung in mehreren dutzend deutschen Großstädten haben zu Klagen von Umweltverbänden wie Client Earth oder der Deutschen Umwelthilfe geführt.

Ein gutes Drittel aller Fahrzeuge in Deutschland werden mit Diesel angetrieben. Der geringere Verbrauch, höhere Reichweite und niedrigerer Kraftstoffpreis hat viele Verbraucher zum Kauf von vergleichsweise teureren Dieselfahrzeugen gebracht. Doch Verbraucher, die sich für einen Diesel entschieden haben sind nun in der Zielscheibe von ideologisch motivierten Umweltverbänden, die am liebsten sämtliche Dieselfahrzeuge verbieten würden.

Die Kläger führen auf, dass zehntausende Menschen pro Jahr an der Abgasbelastung in Deutschland sterben würden. Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie Professor Dr. med Köhler widerspricht der Umweltlobby und sieht in Feinstaub und Stickoxiden nur eine untergeordnete gesundheitsgefährdende Rolle. Viele Studien würden falsch interpretiert und die Kosten die durch Dieselverbote entstünden stehen in keiner Relation zu ihrer Wirkung.

Zweifel an den Motiven der Deutschen Umwelthilfe kommen auch auf, wenn man sich ihre Spender genauer anschaut. Seit 20 Jahren erhält die Deutsche Umwelthilfe ca. 50.000 Euro jährlich von dem Automobilhersteller Toyota, dessen Dieselprodukte in Deutschland wenig erfolgreich sind und der mehrheitlich auf Benziner und Hybridmotoren setzt.

Viele Hersteller haben ihre Dieselmotoren bereits mit selektiv katalytischen Reduktoren (SCR) ausgestattet. Dieses Verfahren zur Reduktion von Stickoxiden fügt kontinuierlich eine wässrige Harnstofflösung mittels Dosierpumpe in den Abgasstrom ein. Dies minimiert den Ausstoß von Stickoxiden.

Während mehrere Fahrzeuge von Volkswagen die schwarzen Schafe in den Dieselflotten darstellen, muss man zwischen diesen und den legal zugelassenen Dieselautos unterscheiden. VW hat selber zugegeben, bei dem Abgastests betrogen zu haben. Anstelle nun weitere Restriktionen für Dieselfahrer auszusprechen würde eine Einhaltung geltender Gesetze bei der Abnahme von Fahrzeugtypen wahrscheinlich ausreichen. Andere Hersteller von Dieselmotoren dürfen hier nicht in Sippenhaft genommen werden.

Ferner haben Innovationen von Herstellern wie zum Beispiel selektiv katalytische Reduktoren bereits deutlich saubere Dieselfahrzeuge auf den Markt gebracht. Die Stickoxidbelastung ist in den meisten Städten zwischen 2016 und 2017 rückgängig gewesen und wird durch das Auslaufen alter Modelle weiter reduziert werden.

Gemeinden wie Stuttgart und Düsseldorf wären gut daran beraten die ausgesprochenen Fahrverbote wieder aufzuheben. Ein Flickenteppich aus No-Diesel-Zonen könnte am Ende der Umwelt noch teurer zu stehen kommen da durch Umfahrungen unnötig viele Kilometer gefahren werden müssten. Ein zweiter Punkt ist Rechtssicherheit für Verbraucher. Über Jahrzehnte wurden Anreize für den Anschaffung von Dieselfahrzeugen gesetzt und auf einmal fangen Kommunen an selbige zu verbieten. Berufspendler aus ländlichen Gegenden und Dienstfahrzeuge stünden am Ende auch schlechter dar. Für manch einen hiesse ein Fahrverbot, dass man sich entweder einen neuen Arbeitsplatz suchen müsse oder sich ein neuen Fahrzeug anschaffen muss.

Es gilt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung den oft wissenschaftlich fragwürdigen Beschwerden über Grenzwertüberschreitungen nicht nachgibt und Verbrauchern weiterhin die Wahlfreiheit zwischen Diesel und Benziner erlaubt.