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06/03/2018 15:57 CET | Aktualisiert 06/03/2018 15:58 CET

Facebook befragt Nutzer zum Umgang mit Sex-Bildern von Kindern

"Finden Sie es ok, wenn ein Mann ein Mädchen nach Nacktbildern fragt?"

  • Facebook-Umfrage sollte die Meinung der User zu Beiträgen von Pädophilen und Extremisten erfassen
  • Damit suggerierte das Unternehmen, solche Inhalte auf der Seite zu erlauben – wenn die User nichts dagegen haben

Eigentlich hat Facebook eine klare Haltung gegenüber Inhalten von Pädophilen oder gewalttätigen Extremisten. In den sogenannten Gemeinschaftsnormen des Unternehmens steht geschrieben: “Wir entfernen alle Inhalte, in denen sexuelle Gewalt oder Ausbeutung gefördert oder mit dieser gedroht wird. Dies schließt sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen und sexuelle Übergriffe ein.”

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►  Jedoch ließ das soziale Netzwerk nun Zweifel aufkommen, inwiefern es beabsichtigt, entsprechende Inhalte weiterhin zu verbieten. 

Umstrittene Fragen und Antworten

Facebook führte kürzlich eine Umfrage bei einigen Nutzern durch, um deren Meinung bezüglich extremistischer Inhalte und pädophiler Belästigung (Grooming) zu erfassen, wie das Nachrichtenportal “The Guardian” berichtete. 

►  Dabei lautete eine der Fragen an die User – wie ein Screenshot des Newsportal zeigte:

“Wenn Sie über eine ideale Welt nachdenken, in der Sie die Facebook-Richtlinien festlegen könnten, wie würden Sie mit Folgendem umgehen: eine private Nachricht, in der ein erwachsener Mann ein 12-jähriges Mädchen nach sexuellen Bildern fragt.”

Die Antwort-Optionen bezogen sich weder auf die bestehenden Facebook-Richtlinien, noch schlugen sie den Usern zusätzliche Handlungsoptionen vor – wie entsprechende Inhalte an weitere Stellen melden zu können. 

Die User mussten lediglich auf einer Range zwischen “Dieser Inhalt sollte nicht auf Facebook erlaubt sein und niemand sollte ihn sehen können” bis hin zu “Dieser Inhalt sollte auf Facebook erlaubt sein und es würde mir nichts ausmachen, ihn zu sehen” eine Entscheidung treffen.

Nur, was wollte Facebook mit dieser Umfrage erreichen? Es wirkt so, als würde das Unternehmen suggerieren, solche Inhalte in Zukunft wieder zuzulassen – je nachdem, wie sich die Nutzer entscheiden.

Facebook räumt Fehler ein

Das soziale Netzwerk zog die Umfrage zurück, nachdem “The Guardian” sie aufgedeckt hatte. Guy Rosen, Vize-Präsident für Produktmanagement, räumte kurz darauf auf Twitter ein: “Das war ein Fehler.” 

In seinem Statement erklärte Rosen, dass es bei solchen Umfragen nicht um den Standpunkt des Unternehmens gehe, sondern darum, wie die Nutzer die Richtlinien von Facebook bewerten würden.

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Weiter erklärte er: “Diese Art von Verhalten ist und wird immer auf FB inakzeptabel sein. Wir arbeiten regelmäßig mit Behörden zusammen, sobald solche Inhalte erkannt werden. Es hätte nicht Teil der Umfrage sein dürfen.”

 

Auch ein Sprecher des Unternehmens räumte die Umfrage als Fehlverhalten ein und stellte klar, dass Facebook auf keinen Fall die Absicht habe, bereits verbotene Inhalte in Zukunft wieder zu erlauben, wie “The Guardian” berichtete.

“Wir haben ‘Grooming’ (pädophile Belästigung im Internet) von Beginn an auf Facebook verboten; wir haben nicht die Absicht, dies zu ändern. Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen, um jeden vor Gericht zu bringen, der sich nicht daran hält.”

(ks)