WIRTSCHAFT
24/03/2018 12:06 CET | Aktualisiert 24/03/2018 13:58 CET

Das Ende von Facebook? Warum der Daten-Skandal für den Konzern so gefährlich ist

Auf den Punkt gebracht.

Justin Sullivan via Getty Images
Für ihn ist es derzeit mehr als kompliziert: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Der Skandal um die Firma Cambridge Analytica hält die Daten-Krake Facebook weiter gefangen.

Und die Lage ist kritisch für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und sein Team: Eine neue Umfrage zeigt, wie misstrauisch die Nutzer gegenüber sozialen Netzwerken geworden sind. In der Nacht zum Samstag gingen zudem die Facebook-Seiten des Elektroauto-Herstellers Tesla und der Raumfahrt-Firma SpaceX vom Netz.

Laut Experten und Beobachtern ist Facebook gerade dabei, seine Zukunft zu verspielen. Wie der Daten-Skandal droht, das Unternehmen im Netz der Vorwürfe zu ertränken – auf den Punkt gebracht.

Um was es bei dem Daten-Skandal geht:

Facebook steht in der Kritik, seit britische Medien enthüllten: Die umstrittene Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica erhielt durch einen App-Entwickler von Facebook unberechtigten Zugang zu Informationen von rund 50 Millionen Nutzern.

► Facebook wusste seit 2015 davon, gab sich aber mit der Zusicherung der Firma zufrieden, dass die Daten gelöscht worden seien.

► Der Skandal ist für viele Nutzer, aber auch Politiker ein weiteres Beispiel für den schlampigen Umgang von Facebook mit den Daten seiner Nutzer.

Es ist bei weitem nicht der erste Skandal des Tech-Giganten. Doch nach der Enthüllung um Cambridge Analytica sieht sich Facebook mit einer Welle des Protests konfrontiert, die die Zukunft des Unternehmens gefährden könnte.

Mehr zum Thema: Alle Hintergründe zum Daten-Skandal um Cambridge Analytica und Facebook lest ihr hier 

Die gefährlichen Entwicklungen für Facebook:

Öffentlich wirksam ist etwa die Aktion des Elektroauto-Herstellers Tesla und der Raumfahrt-Firma SpaceX, ihre Facebook-Seiten einzustellen.

► Bei Twitter macht seit Tagen der Hashtag ”#deletefacebook” (“lösche Facebook”) die Runde. Er wurde auch von WhatsApp-Mitgründer Brian Acton aufgegriffen, der seine Messaging-App einst für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft hatte und bis vor kurzem dort auch beschäftigt war. 

Laut einer Umfrage des Instituts Emnid für das Nachrichtenmagazin “Focus” erwägt jeder zweite Nutzer von sozialen Medien in Deutschland aus Sorge um den Datenschutz, sein Profil auf Facebook, Instagram und Co. zu löschen.

Brisanter für Facebook ist allerdings eine andere Entwicklung: Unternehmen stoppen ihre Werbung bei dem Netzwerk. Die Haupteinnahmequelle von Facebook ist daher in Gefahr.

► Facebook versuche nun, hinter den Kulissen Werbeagenturen zu beruhigen und ihnen zu versichern, dass die Daten ihrer Kunden sicher seien, berichtete am Freitag das “Wall Street Journal” unter Berufung auf informierte Personen.  

Was ein Experte dazu sagt:

Der amerikanische Fondsmanager Scott Freeze hält Facebook für das nächste MySpace. Soll heißen: für ein sterbendes soziales Netzwerk.

► Seine pessimistische Einschätzung: Die Lebenserwartung eines jeden sozialen Netzwerks sei ohnehin begrenzt, betonte Freeze gegenüber dem US-Portal “Marketwatch”. Der Skandal um Cambridge Analytica werde aber “den Niedergang beschleunigen”

► Freeze glaubt auch nicht, dass Facebook-Aktien wieder zu alter Stärke zurückfinden werden. Seit Montag verlor Facebook bis zu 50 Millionen US-Dollar des Unternehmenswerts an der Börse.

Wie das Unternehmen jetzt handeln müsste:

► Freezes Einschätzung zu Facebooks Zukunft ist wohl die düsterste Meinung derzeit. Die Wirtschaftszeitung “The Economist” geht in ihrer Titelgeschichte nicht so weit – kommentiert aber, welche Schritte das Unternehmen nun einleiten müsse, um das Vertrauen der Nutzer, der Wirtschaft und der Politik zurückzugewinnen.

Facebook müsse eine “unabhängige Untersuchung seines Ansatzes zu Inhalten, Datenschutz und Informationen” einleiten. Besonders die Rolle von Facebook beim Brexit und während der US-Präsidentschaftswahlen müsse analysiert werden, heißt es im “Economist”. 

Die Techindustrie brauche generell einen Ombudsmann, der Regeln für Datenschutz umsetze.

► Doch Facebook-Gründer Zuckerberg habe bisher nicht mehr als minimale Eingriffe und pauschale Versprechen angekündigt. “Facebook scheint zu glauben es müsse seinen Ansatz optimieren. Tatsächlich muss es (...) annehmen, dass das komplette Geschäftsmodell auf dem Spiel steht.”

Auch das deutsche “Handelsblatt” kommentiert den Daten-Skandal in ähnlicher Weise: Facebook ergehe es wie den deutschen Autobauern beim Diesel-Skandal. Die Kontroversen offenbarten “einen dysfunktionalen Konzern”

► Zu Facebook kommentiert das “Handelsblatt”: “Der intransparente Umgang mit Nutzerdaten gehört zum Kerngeschäft des Konzerns.” Sollte Zuckerberg das Misstrauen seiner Werbekunden nicht ausräumen können, riskiere das soziale Netzwerk seine Zukunft.

Auf den Punkt gebracht:

Der Ruf von Facebook leidet seit Längerem. Der neuerliche Daten-Skandal aber scheint das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben.

Das Ansehen des Unternehmens ist lädiert – und die Haupteinnahmequelle, die Werbeanzeigen, sind bedroht, sollte es dem Unternehmen nicht gelingen, Vertrauen zurückzugewinnen.

(nmi)