POLITIK
14/02/2018 21:24 CET | Aktualisiert 15/02/2018 10:07 CET

Studie: Wie Facebook-Fans von CDU und SPD auf die GroKo-Verhandlungen reagierten

Der Hass der Mitte.

Axel Schmidt / Reuters
Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Politikerin Andrea Nahles. 
  • Eine Studie vergleicht, welche Inhalte Facebook-Fans von CDU und SPD während der GroKo-Verhandlungen geteilt und kommentiert haben

  • Die Ergebnisse geben einen spannenden Einblick in die Interessen der Partei-Gefolgschaft

Fassungslosigkeit in der SPD, Ärger in der CDU: Das GroKo-Chaos sorgt bei den Anhängern der zwei größten Parteien für großen Unmut.

Sie laden ihren Zorn nicht nur Interviews und Mails ab, sondern auch in sozialen Netzwerken - in öffentlichen Posts, Kommentaren, Likes und Shares.

Das Münchner Startup Crowdalyzer hat ausgewertet, was Anhänger von CDU und SPD in der Zeit der GroKo-Verhandlungen auf Facebook tatsächlich beschäftigte.

4080 analysierte Posts

Ein Algorithmus analysierte in 4080 öffentlich geteilte Posts vom 7. und 8. Februar, welche Textkombinationen mehr als einmal auftauchten.

Die Untersuchung ist nicht repräsentativ, gibt jedoch einen spannenden Einblick in die Interessen der Facebook-Gefolgschaft der beiden größten Parteien

Vor allem bei den Konservativen brach sich der Unmut Bahn – sie teilten Merkel-Kritik, Beiträge führender AfD-Politiker und Inhalte von Verschwörungstheorien.

Verschwörungstheorien und Merkel-Kritik

Die folgende Grafik zeigt, welche Themen an den zwei Tagen in der Facebook Community der CDU im Trend lag:

Crowdalyzer

► Top-Inhalt über Kanzlerin Angela Merkel war etwa ein Kommentar des Sat.1-Moderators Claus Strunz mit dem Titel: “So rot war schwarz noch nie”.

► Interessant ist, wie stark AfD-Spitzenpolitiker wie Alice Weidel und Jörg Meuthen diskutiert wurden.

► Auch die AfD-Kampagne “Unser Land” wurde in der CDU-Community rege kommentiert, geteilt und gelikt.

► Zu SPD-Chef Martin Schulz war ein Beitrag der Satireseite “Der Postillon” beliebt: “Martin Schulz wird Minister für Verarsche, Wortbruch und Wählerbetrug”.

Dieser Beitrag war auch in der SPD-Community beliebt.

Crowdalyzer

Die Wortwolke zeigt, welche Begriffe bei den SPD-Fans auf Facebook beliebt waren. 

► Über Schulz machte ein Video des ZDF die Runde, in dem er sein Versprechen abgab, nicht in die GroKo einzutreten. 

Ein Vorgeschmack darauf, was in den folgenden Tagen passieren sollte: Schulz musste wegen seines Wortbruches sein Ministeramt zurückgeben, weil der Ärger in der SPD darüber zu groß wurde.

► Auch das Thema NoGroko nahm einen beachtlichen Raum ein. Unter diesem Stichwort teilten die Genossen vor allem die Terminliste der von den Jusos angeführten Bewegung.

► Ebenfalls beliebt: Linken-Fraktionschefin Sarah Wagenknecht, die derzeit kräftig unter enttäuschten SPD-Mitgliedern für ihre neue linke Bewegung trommelt.

Keine Fake- und Hass-Inhalte in der SPD-Community

In der SPD-Community fanden sich allerdings – im Gegensatz zur CDU-Gefolgschaft – keine Beiträge von Seiten, die Verschwörungstheorien oder Hass verbreiten.

Eine Auswahl an Meldungen, die von CDU-Fans in dem untersuchten Zeitraum verbreitet und kommentiert wurden:

► Die Warnung einer Flüchtlingsbetreuerin auf der deutschsprachigen Seite des russischen Propagandakanals“Sputnik”, die sagt: “Es ist schon fast zu spät für Deutschland.”

► Ein Facebook-Bild der Gruppe “Bürger sagen Nein”, auf dem eine Massenschlägerei zu sehen ist. Darauf steht: “Bist du dafür, kriminelle Flüchtlinge sofort abzuschieben? Gefällt mir und teilen für Ja!”

► Immer wieder tauchten auch Inhalte der Facebook-Seite “Freie Medien” auf, die Verschwörungstheorien verbreitet. So erfährt man dort von Shampoos als “trojanische Pferde mit gefährlichen Invasoren” oder von der schleichenden Lebensmittelvergiftung der UNO.

Spannend ist, dass keine Inhalte mit direktem Bezug zur GroKo im beobachteten Zeitraum im Trend lagen, die von Fake- und Hass-Seiten publiziert wurden.

“Ventil für Kritik”

“Ich vermute, dass die meisten User dieser Community sich in diesem Fall auf die Beiträge seriöser Medien konzentriert haben, da auch dort die mögliche Neuauflage der Großen Koalition stark kritisiert wurde”, sagt Johanna Wild von Crowdalyzer dazu.

“Sie scheinen die unseriösen Seiten als Ventil für Kritik und negative Gefühle nicht mehr zu ‘brauchen’, wenn sie das Gefühl haben, dass seriöse Medien ihre Ängste und Kritikpunkte aufgreifen.”

(jg)