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24/06/2018 23:41 CEST | Aktualisiert 24/06/2018 23:41 CEST

EZB macht deutlich: Kein Ende der Nullzinspolitik in Sicht

Liebe Leser,

am 14. Juni hat die Europäische Zentralbank verkündet, dass sie ihre schon seit Jahren andauernde Nullzinspolitik mindestens bis zum Sommer 2019 fortführen wird. Erinnern Sie sich: Die verantwortlichen Zentralbankbürokraten sprachen bei der Einführung von Nullzinspolitik und Anleihenkaufprogrammen von kurzfristigen Notfallmaßnahmen, die sie mit dem Ausmaß der Krise des Jahres 2008 rechtfertigten.

Seither sind fast 10 Jahre vergangen – und die EZB-Führung sieht weiterhin die Notwendigkeit, an ihrer ultra-laxen Geldpolitik festzuhalten. Mehr müssen Sie eigentlich gar nicht wissen, um den wahren Zustand der Konjunktur und der Europäischen Währungsunion zu kennen. Draghis Botschaft ist klar und deutlich: Der Patient Europa kann nicht von der Intensivstation entlassen werden.

Kein Wunder, möchte ich hinzufügen, da die Krankheit des Patienten – Überschuldung und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit vieler Länder – ja gar nicht behandelt wurde. Der Patient EU wurde lediglich massiv unter Drogen gesetzt. Jetzt ist er nicht nur weiterhin schwerkrank, sondern auch noch drogenabhängig.

Fed erhöht erneut die Zinsen

Im Unterschied zur EZB hat die US-Zentralbank Fed am 13. Juni zum nunmehr siebten Mal seit Dezember 2015 die Leitzinsen erhöht. Die amerikanischen Zentralbankbürokraten sind offenbar der Überzeugung, dass ihr Patient, die US-Wirtschaft, ganz langsam von der seit 2008 verordneten geldpolitischen Droge entwöhnt werden kann.

Dass diese Entwöhnung gelingen kann, ohne eine Krise auszulösen, ist sehr unwahrscheinlich. Bisher haben fast alle Zinserhöhungszyklen der Fed eine Krise in Form einer Rezession ausgelöst und damit einhergehend auch stets eine Aktienbaisse. Die Chancen stehen also schlecht, dass es dieses Mal anders kommen wird.

Kurzfristige US-Zinsen und Rezessionen, 1955 bis 2018

Auf steigende Zinsen folgen Rezessionen. Die hellgrauen Balken kennzeichnen US-Rezessionen.

Quelle: St. Louis Fed

Tesla-Short mit 23% Gewinn verkauft

Noch ist es aber nicht so weit. Die US-Aktienmärkte geben trotz der extremen Überbewertung sogar Signale für eine Sommerrally. Nachdem es Anfang des Jahres noch so ausgesehen hatte, als hätte der unvermeidliche Crash begonnen, deuten jetzt einige Kennzahlen darauf hin, dass der spekulative Irrsinn noch immer nicht zu Ende ist. Den Tesla-Short, den wir den Lesern meines Börsenbriefes Krisensicher Investieren empfohlen hatten, haben wir deshalb per Stopp-Order mit einem Gewinn von plus 23% verkauft.

US-Börse: Pulverfass mit brennender Lunte

Im größeren Bild gleicht die US-Börse einem Pulverfass mit brennender Lunte. Die Kombination aus extremer Überbewertung, steigenden Zinsen und Euphorie ist nämlich typisch für die Endphase einer Spekulationsblase. Das nächste ganz große Ereignis wird das Platzen dieser Blase sein.

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Wochenende,

Ihr

Claus Vogt, Chefredakteur Krisensicher Investieren

P.S.:Gute Edelmetallaktien steigen schon wieder. Sind Sie mit von der Partie?