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27/06/2018 18:01 CEST

Experten lassen sich im Polarmeer einfrieren – Grund ist der Klimawandel

Ganz nach dem Vorbild des Norwegers Fridtjof Nansen mit dem Segelschiff “Fram” vor 125 Jahren.

dpa
Der Eisbrecher Polarstern auf einer Forschungsfahrt
  • Das deutsche Forschungsschiff “Polarstern” wird ab Herbst 2019 ein Jahr lang in der Arktis treiben.
  • So wollen Wissenschaftler aus aller Welt den Klimawandel besser verstehen.

Ein Jahr. Ein Boot – und Eis soweit das Auge reicht. Ein internationales Forscherteam will im Herbst 2019 zu einer ungewöhnlichen Arktis-Expedition aufbrechen. Ziel des Projekts “Mosaic” ist es, den Klimawandel genauer zu verstehen.

Das deutsche Forschungsschiff “Polarstern” wird sich mit Experten aus 17 Ländern ein Jahr lang im Eis des Nordpolarmeeres aufhalten.

Dabei lassen sie sich ohne eigenen Antrieb von der natürlichen Drift des Eises über die Polkappe treiben lassen – nach dem Vorbild der Erkundungsreise des Norwegers Fridtjof Nansen mit dem Segelschiff “Fram” vor 125 Jahren.

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“Die Arktis ist die Schlüsselregion globaler Klimaveränderungen”, sagte Expeditionsleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung bei der Vorstellung des Projekts am Mittwoch in Berlin.

Noch versteht keiner die Prozesse, die in der Arktis geschehen

Sie habe sich in den vergangenen Jahrzehnten von allen Regionen der Erde am stärksten erwärmt. “Wir verstehen die Prozesse, die dazu beitragen, aber nicht besonders gut.”

Das soll sich mit den Ergebnissen des “Mosaic”-Projekts ändern, für das mehr als 120 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Dazu dienen Messungen im Meerwasser bis zu 4000 Meter Tiefe, im Eis und in der Atmosphäre bis in eine Höhe von 35 Kilometern.

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Fünf Schwerpunkte haben die Forscher dabei auf ihrer Reise: Die Physik des Meereises und der Schneeauflage, die Prozesse in der Atmosphäre sowie im Ozean, die chemischen, biologischen und physikalischen Kreisläufe sowie das Ökosystem der Arktis.

Das Ziel: Bessere Prognosen von Klimaveränderungen

Für Klimaprognosen der Arktis gebe es bislang viel zu wenigen Daten, sagte Rex. Von Februar bis Juni komme kein Eisbrecher durchs Nordpolarmeer, weil das Eis dann zu dick sei.

Wie uns der Klimawandel bedroht:

  • Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass sich das Weltklima bis zum Jahr 2100 um drei Grad Celsius erhöhen wird. Die Folgen einer solchen Erwärmungen wären katastrophal: Dürren, Tsunamis, Orkane und Überschwemmungen würden große Teile der Menschheit bedrohen. 
  • Klimawissenschaftler verschiedener Universitäten sind überzeugt, dass eine Erwärmung von 3,5 Grad Celsius das Fortbestehen der menschlichen Zivilisation gefährden würde.
  • Verbraucht die Menschheit weiter so viel Energie und produziert so viel CO2, dann steht ihr Ende wohl irgendwann im 22. Jahrhundert bevor. 

Die “Polarstern” werde sich ein ganzes Jahr rund 2500 Kilometer durch das Packeis treiben lassen, das sind im Durchschnitt sieben Kilometer am Tag.

 

So können erstmals umfassend Daten auch aus den Wintermonaten gewonnen werden. Damit könnten die Klimamodelle angepasst und genauerer Prognosen für Klimaveränderungen erstellt werden.

Die Wissenschaftler lassen sich im September 2019 einfrieren

Während der Expedition werden an Bord der “Polarstern” jeweils rund 100 Menschen sein, die Hälfte Besatzungsmitglieder, die andere Hälfte Wissenschaftler, sagte AWI-Direktorin Antje Boetius.

Insgesamt seien es 600 Teilnehmer, jeder einzelne bleibe sechs bis zwölf Wochen auf dem Schiff. Während der fünfmonatigen Polarnacht auf der Reise werden die Passagiere ohne Tageslicht leben.

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Die “Polarstern” wird im September 2019 im norwegischen Tromsø in See stechen. In der Region zwischen Laptewsee und Ostsibirischer See will sie sich einfrieren lassen, etwa auf Höhe des 85. Breitengrads.

“Im Sommer 2020 spuckt es uns dann in der Framstraße wieder aus”, erklärte Rex. Diese liegt vor der Nordostküste Grönlands.

Die Frauen und Männer auf der “Polarstern” werden von vier anderen Eisbrechern versorgt. Für Versorgungsflüge und zwei Forschungsflugzeuge wird außerdem eine Landebahn auf dem Meereis gebaut.