ELTERN
26/12/2018 13:04 CET

Experte: Diese Frage sollten sich Eltern stellen, wenn sie nicht weiter wissen

Er findet außerdem: "Die meisten Eltern machen einen verdammt guten Job."

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  • Ein renommierter Erziehungsberater hat in einem Interview darüber gesprochen, wie Eltern mit schwierigen Kindern umgehen sollten. 
  • Außerdem verriet er, wie Eltern sich eine Leichtigkeit bei der Erziehung bewahren können.

Es wird geschrien und getobt, Türen werden zugeschlagen und Gespräche abgebrochen: Oft fällt es Eltern schwer, in Konfliktsituationen zu ihren Kindern noch durchzudringen. 

Was tun, wenn die Kleinen bocken und die Teenager Rebellen spielen? Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge gibt im Interview mit der “Halterner Zeitung” verzweifelten Eltern Tipps, wie sie in verzwickten Situationen am besten reagieren sollten. 

Auf die Frage der Journalisten, was zu tun sei, wenn Teenager genau wüssten, wie sie Eltern zu Weißglut treiben könnten, antwortete der Experte:

“Die Frage ist dann: ‘Wozu macht ein Kind das?’”

In der Regeln wollten die Kinder Aufmerksamkeit bekommen. “Viele Kinder bekommen heute gerade in der Pubertät ihre Aufmerksamkeit nicht über positive Aktionen, sondern indem sie nerven”, betont Rogge, dessen Bücher Bestseller sind. 

Experte gibt Eltern Tipps

Eltern sollten sich daher weitere Fragen stellen: “Was übersehe ich eigentlich an positiven Eigenschaften an meinem Kind? Und wozu hat es diese Grenzüberschreitungen und Reibereien nötig?”

Ein paar konkrete Tipps gibt der Experte auch noch: 

► Von Bestrafungen wie Hausarrest hält er wenig. “Bestrafungen erzeugen einen Machtkampf und diesen Machtkampf verlieren die Eltern.”

► Kinderzimmer dürfen auch einmal unaufgeräumt sein. “Wer ständig ins Kinderzimmer guckt, hat zu viel Zeit.”

► Von der Kritik an den Helikopter-Eltern hält er wenig. “Ich habe Schwierigkeiten mit dem Eltern-Bashing. Ich finde, die meisten Eltern machen einen verdammt guten Job”, betont Rogge. 

Eltern sollten Kindern mehr Raum geben

Dennoch rät er den Eltern, sich nicht nur in ihrer Rolle als Mutter oder Vater zu sehen. Sondern auch ein Leben jenseits davon zu führen. 

Auch in der HuffPost plädierte der Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsforscher Klaus Hurrelmann kürzlich, Kindern mehr Freiraum zu geben. “Wenn Kinder nie lernen, Enttäuschungen oder Rückschläge hinnehmen zu müssen, werden sie zu schwachen Persönlichkeiten”, warnte er. 

Viele Eltern aber würden den Fehler machen, dass sie sich als Partner des Kindes verstehen und alles mit dem Kind zusammen machen wollten. “Dabei kann das Kind nicht lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und es kann dann auch nicht lernen, mit einer Enttäuschung auf angemessene Weise umzugehen.”

Vielleicht ist das also gut, einmal die Aufmerksamkeit weg von den Kindern und auf sich selbst zu lenken. 

“Ich kann nur für Kinder gut sorgen, wenn ich selber gut für mich sorge”, sagt Erziehungsbrater Rogge dazu der “Halterner Zeitung”. “Fürsorge fängt bei mir selber an, ist nicht nur ein ständiges Geben sondern auch ein Bekommen. Im Sinne des Bekommens heißt das auch, dass ich die Kinder, auch die pubertierenden, als Geschenke wahrnehme, die mir auch etwas geben. Dann bekommt man da eine Leichtigkeit hinein.”

(ak)